Drei junge Krefelder bekommen Herzschäden durch Partydrogen

KREFELD - Herz-Spezialisten schlagen Alarm: Innerhalb weniger Wochen sind allein in Krefeld bei drei jungen Menschen schwere Herzschäden durch Partydrogen festgestellt worden. Eine bundesweite Umfrage unter Kardiologen habe 37 ähnliche Fälle ans Licht gebracht, teilten die Helios-Kliniken am Montag in Krefeld mit.

Die drei Patienten in Krefeld seien 19 bis 23 Jahre alt. Jeder habe das gleiche erschreckende Bild: Sie seien mit Atemnot, drastischem Leistungsabfall und Ödemen in der Klinik erschienen. Ohne Vorerkrankungen wiesen ihre Herzen plötzlich schwerste, irreparable Schäden auf, so Prof. Heinrich Klues, Chefarzt der Kardiologie am Helios-Klinikum Krefeld.

Eingehende Gespräche und medizinische "Detektivarbeit" hätten ergeben, dass alle drei Patienten als einziger Übereinstimmung vom regelmäßigen Konsum aufputschender Partydrogen berichteten.

"Besonders auffällig ist die schwere Schädigung des gesamten Herzens. Bei allen drei Patienten sind beide Hauptkammern stark erweitert, die Pumpleistung ist hochgradig vermindert", berichtete Klues am Montag. Die Herzmuskel der Patienten seien schwer vergiftet (toxische Kardiomyopathien).

Die bundesweiten Rückmeldungen ließen bereits nach wenigen Wochen Schlimmes befürchten. "Es gibt vermutlich eine hohe Dunkelziffer, die die diagnostizierten Fälle um ein Vielfaches übersteigt."

Welche ungünstigen Umstände, chemischen Substanzen oder Mixturen der Auslöser waren, lasse sich nur noch zum Teil klären. Amphetamine und Koffein seien bei allen drei Krefelder Fällen nachweisbar. In einem Fall mit gleichzeitigem Herzinfarkt habe auch Kokain eine Rolle gespielt, so der Krefelder Chefarzt. Auch der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie habe das Thema inzwischen auf seine Tagesordnung gesetzt.

Ähnliche Fälle seien von Herz-Spezialisten aus Hamburg, Hannover, Münster, dem Ruhrgebiet, Köln, Eschweiler, Stuttgart, Biberach, Augsburg, München, Eisenach, Meiningen, Eisleben, Halle (Saale), Brandenburg, Berlin und Dresden gemeldet worden.

Die Kardiomyopathie ist eine Erkrankung des Herzmuskels, die eine mechanische Funktionsstörung des gesamten Herzens nach sich zieht. Leistungsschwäche, Atemnot, Herzstolpern und Wasseransammlung in den Beinen können Symptome für eine Herzmuskelerkrankung sein. Als Ursachen sind bislang Vererbung, Infektionen, Stoffwechselerkrankungen, vorausgegangene Herzmuskelerkrankungen sowie langjähriger Alkohol- und Medikamentenkonsum bekannt. - lnw

Quelle: wa.de

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