Drama um Liesa Schulte

Staatsanwaltschaft fast sicher: Ex-Freund war es

WERL - Die Vermutung der Staatsanwaltschaft, der 24-jährige Richard O. sei der Mörder von Liesa Schulte, hat durch den Fund der Leiche neue Nahrung erhalten. Die Indizienkette ist lang.

Alles deutet zur Stunde darauf hin, dass Anklage wegen Mordes gegen den Ex-Freund der Westönnerin erhoben wird. Mittlerweile gibt es weitere, sehr konkrete Verdachtsmomente. So etwa die Auswertung des E-Mail- und SMS-Verkehrs zwischen Liesa Schulte und ihrem ehemaligen Freund. Der Afrikaner hatte der 24-Jährigen nach der Trennung elektronische Nachrichten geschickt, die „als Bedrohung hatten aufgefasst werden können“, bestätigt der zuständige Arnsberger Oberstaatsanwalt Thomas Poggel.

Liesas Eltern hatten vor wenigen Tagen in einem langen Gespräch mit dem Anzeiger erzählt, dass ihre Tochter sich wegen seines Besitzanspruchs von dem Afrikaner getrennt hatte. Am Tag ihres Verschwindens hatte Richard O. Liesa per Mail gebeten, sie „ein letztes Mal“ treffen zu können – eine Formulierung, die vor dem Hintergrund der dann folgenden, dramatischen Entwicklung makaber wirkt.

Liesa verließ am späten Abend des 16. April das Elternhaus in der Westönner Bruchstraße; sie kehrte nicht zurück. Bekannt ist: Der Mörder von Liesa Schulte hat die Leiche in jenem Waldstück in Essen-Werden komplett zu vergraben versucht. Warum auch immer: Es ist ihm nicht ganz gelungen. Nur deshalb konnten spielende Kinder auf ein skelettiertes Körperteil stoßen, das aus diesem Loch heraus ragte – ein Fund, der umfassende Suchmaßnahmen nach sich zog.

Schließlich entdeckte die Mordkommission die fast vollständig vergrabene Leiche in diesem etwa 50 Zentimeter tiefen Erdloch. Deren Zustand machte es während der vierstündigen Obduktion möglich, konkrete Hinweise darauf zu sichern, dass die 24-Jährige erstickt wurde.Wie lange der Leichnam Liesas dort lag, muss noch ermittelt werden. Ersten Einschätzungen der Gerichtsmediziner zufolge dürfte die junge Frau sehr kurz nach ihrem Verschwinden umgebracht und vergraben worden sein. Hier präzise Feststellungen zu erhalten, mache möglicherweise die Einschaltung eines Gutachters erforderlich, sagt der Staatsanwalt.

Die Ermittler waren auch schon vor dem abschließenden DNA-Vergleich sicher, dass es sich bei der Toten um Liesa Schulte handelt. Kleidung, Haare, Körpergröße, Schuhgröße, Piercings – das passte alles zusammen. Der Ex-Freund, gegen den Mitte Mai Haftbefehl wegen Mordverdachts erlassen wurde, sitzt zurzeit den Rest einer Strafhaft in der JVA Dortmund ab; ihr schließt sich in der zweiten Novemberhälfte nahtlos die Fortsetzung der Untersuchungshaft an. Das ist für die Ermittler ein wichtiges Detail, denn so bleibt ihnen mehr Zeit, die Beweiskette gegen O. zu schließen. Denn der Afrikaner wird gleich von mehreren, erfahrenen Rechtsanwälten verteidigt. Die dürften im Prozess alles daran setzen, um die Indizien zu entkräften. Weil die Ermittler das wissen, haben sie weitere Untersuchungen angeordnet, um nichts dem Zufall zu überlassen.

Allerdings gibt es erheblich belastende Fakten: So hatte O. tagelang behauptet, er sei an jenem April-Abend mit dem Zug nach Westönnen gekommen, habe sich mit Liesa ausgesprochen und sei dann unweit der Autobahn-Auffahrt „Werl-Süd“ ins Ruhrgebiet zurück getrampt. Dass er in Wahrheit mit einem von seinem Bruder angemieteten VW Polo in die Hellwegstadt gekommen war, fanden die Beamten der Mordkommission erst später heraus.

Mit diesen Erkenntnissen konfrontiert, änderte der Mordverdächtige seine Version. Vermutet wird, dass O. lange gelogen hat, in der Hoffnung, zwischenzeitlich verliere sich die Fährte hin zu dem Mietwagen. Das Fahrzeug könnte zum Verhängnis für den 24-Jährigen werden, denn im Kofferraum wurde DNA Liesas nachgewiesen; außerdem schlugen dort Leichenspürhunde an.

Bislang sagt Richard O. wenig – allerdings bestreitet er den Mord. Seine Anwälte sind über die aktuelle Entwicklung informiert. Über sie läuft nun der Kontakt zur Staatsanwaltschaft. In Westönnen hat die Nachricht natürlich große Betroffenheit ausgelöst. Die Menschen empfinden mit Liesas Eltern und ihrem Bruder. Aber sie sagen auch: Jetzt wissen die Angehörigen, was sie seit Monaten vermuten mussten. Und jetzt können sie trauern... - Von Matthias Dietz

Lesen Sie auch:

- Liesa Schulte: Ende einer quälend langen Ungewissheit

- Leiche von Liesa Schulte in Essen gefunden

- Neue Fragezeichen im Fall Liesa Schulte

- Liesa Schulte: Ermittler hoffen auf neue Erkenntnisse

- Suche nach vermisster Liesa hat oberste Priorität

- Liesa Schulte: DNA-Spuren im Kofferraum gefunden

- Suche im Möhnesee erfolglos abgebrochen

- Bruder des Tatverdächtigen entlastet

- Neue Suche ohne Erfolg

- Geburtstagswünsche für die vermisste Liesa

- Twingo bietet keine neuen Spuren

- Leichenspürhunde haben angeschlagen

- Ex-Freund von Liesa Schulte bestreitet Mord-Vorwurf

- Mordverdacht im Fall Liesa Schulte: Ex-Freund verhaftet

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare