Große Belastung

Dortmund: Mieten für Wohnungen fressen mehr als ein viertel des Gehalts

Hohe Mieten in vielen Städten sind zu einer großen finanzielle Belastung für Familien geworden. Oft frisst die Miete ein Viertel des Einkommens. In einigen Städten, wie auch in Dortmund, sogar mehr.

Dortmund – Der Dortmunder Wohnungsmarkt wirkt auf viele wie leergefegt. Zumindest dann, wenn das Budget nicht unendlich groß ist: Bezahlbarer Wohnraum in Dortmund ist seit Jahren knapp. Seit 2021 gilt der Markt als besonders angespannt. Wer sich dennoch eine schöne Wohnung für sich und seine Familien leistet, muss in vielen Städten in Deutschland tief in die Tasche greifen – so auch in Dortmund, berichtet RUHR24*.

StadtDortmund, NRW
Einwohner603.000 (2020)
Wohngeldbezieherca. 6.000 Haushalte (Februar 2021)

Teure Mieten: Bezahlbarer Wohnraum in Dortmund ist knapp

Problematisch ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt vor allem für all jene, die nicht zu den besser verdienenden gehören. Besonders dramatisch ist die Lage in München, Hamburg, Berlin oder Frankfurt. Bis zu 55 Prozent ihres Einkommens müssen manche Anwohner hier für ihre Miete aufbringen. Davon sind Städte im Ruhrgebiet noch weit entfernt. Doch auch in Dortmund, Bochum oder Essen geben Eltern einer vierköpfigen Familie zum Teil mehr als ein Viertel ihres Einkommens für die Miete aus.

Im Vergleich zu den Metropolen im Norden und Süden des Landes, lebt es sich in Dortmund zwar noch verhältnismäßig kostengünstig. Dennoch ziehen auch im Ruhrgebiet die Mietpreise an.

Und so gehören Dortmund, Bochum und Essen laut einer Analyse von immowelt.de zur Mietbelastung zu den 46 von 79 Großstädten in Deutschland, in denen Eltern mit niedrigerem Einkommen mindestens ein Viertel des Einkommens für eine „familientaugliche Wohnung“ aufbringen müssen. Das Kindergeld für zwei Kinder von 438 Euro pro Monat ist dabei schon eingerechnet.

Ein Viertel des Lohns für die Miete: So teuer sind Wohnungen in Städten

Ein Viertel, das wären 25 Prozent des Nettolohns, die direkt von der Miete geschluckt werden. In Dortmund liegt die monatliche Belastung für die Gesamtmiete bei Eltern einer vierköpfigen Familie ohne Berufsabschluss etwas höher, bei 29,5 Prozent (Bochum 28 Prozent, Essen 29,8 Prozent) – was bei einem fiktiven Nettoeinkommen von 1200 Euro im Monat ganzen 300 Euro allein für die Miete entsprechen würde. Im Mittel liegt die Miete in Dortmund für eine 80 bis 120 Quadratmeter große Wohnung aber bei rund 720 Euro.

In den Städten ist günstiger Wohnraum oft Magelware.

Für Eltern, die einen anerkannten Berufsabschluss haben, sinkt die Belastung durch die Miete in Dortmund auf 23,8 Prozent (Bochum 23 Prozent, Essen 23,8 Prozent). Liegt ein akademischer Berufsabschluss vor, sind es noch 17,7 Prozent des Nettoeinkommens, welche Eltern in Dortmund für die Wohnung zahlen müssen (Bochum 17,6 Prozent, Essen 16,6 Prozent). Sobald Familien rund ein Drittel (33,3 Prozent) ihres Nettoeinkommens auf die Miete aufwenden müssen, gilt das laut der Analyse als Überlastung.

Hohe Mieten im Fokus der Politik: Dortmund will mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen

In Dortmund ist das Problem mit dem immer knapper werdenden bezahlbaren Wohnraum inzwischen in den Fokus der Politik gerutscht. „Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum in Dortmund“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) vor wenigen Tagen (14. September). Die Stadt will nun weitere Flächen für den Wohnungsbau ausweisen, sodass „mehr bezahlbarer Wohnraum für Familien, Seniorinnen, Menschen mit Behinderung sowie für Haushalte mit Marktzugangsschwierigkeiten“ geschaffen werden kann. 

Ansonsten könnte auch in Dortmund drohen, was für viele Familien in andern Großstädten längst Realität ist: Eine bezahlbare Wohnung in den Städten zu finden, ist kaum noch möglich. Laut immowelt.de müssten viele Menschen mit niedrigem Einkommen schon jetzt aus Städten wegziehen oder seien auf Wohngeld angewiesen. Doch auch Sozialwohnungen sind in vielen Städten Mangelware. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Zur Analyse

Datenbasis für die Berechnung der Mietpreise in den deutschen Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern waren auf immowelt.de inserierte Angebote im 1. Halbjahr 2021. Die Mietpreise spiegeln den Median der Nettokaltmieten bei Neuvermietung für Wohnungen mit einer Fläche von 80 bis 120 Quadratmetern wider.

Die Daten für die Bruttogehälter stammen von der Bundesagentur für Arbeit. Diese wurden von immowelt in entsprechende Nettogehälter mit einem Vollverdiener (Steuerklasse 3) und Teilverdiener (Steuerklasse 5) umgerechnet (beide mit jeweils gleichem Ausbildungsstand). Lohnnebenkosten sowie Kindergeld für 2 Kinder wurden berücksichtigt. 

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare