Provokation geht nach hinten los

Video-Eklat zwischen Neonazi und SPD-Mann in Dortmund: "Viele Jahre hat mich der Staat dazu ausgebildet, um zu töten"

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Der SPD-Politiker Hans-Peter Balzer aus Dortmund hat sich von "Die Rechte"-Ratsmitglied Michael Brück provozieren lassen.

SPD-Eklat im Rathaus von Dortmund! Nach der Veröffentlichung eines heimlich aufgenommenen Videos ermittelt jetzt die Polizei gegen einen Neonazi.

  • Im Rathaus von Dortmund ist es zu einem Eklat gekommen.
  • Der Rechtsextreme Michael Brück filmte seinen Wortwechsel mit dem SPD-Politiker Hans-Peter Balzer - der die Nerven verlor.
  • Am Ende ging der Schuss für den Neonazi Brück aber nach hinten los.

Dortmund - Die Dortmunder Rechtsextremen sind für ihre Provokationen im und rund um das Rathaus bekannt. Aktionen wie der sogenannte "Rathaussturm" im Mai 2014 oder provokante Anfragen seitens des Ratsmitglieds Michael Brück sollen die übrigen Ratsmitglieder möglichst aus der Reserve locken - um sich am Ende als Opfer darzustellen.

Dortmund: Neonazi Michael Brück sorgt mit Video im Rathaus für Eklat

Eine solche Aktion dürfte der Partei "Die Rechte" am Donnerstag (13. Februar) im Rathaus von Dortmund gelungen sein, berichtet RUHR24.de*. Die Hauptprotagonisten: Einmal mehr Ratsmitglied und stadtbekannter Neonazi Michael Brück, sowie SPD-Politiker Hans-Peter Balzer.

Ein im Internet bei einem einschlägig bekannten Neonazi-Portal verbreitetes Video zeigt Hans-Peter Balzer in einer Sitzgruppe im Foyer des Rathauses. Das Video - offenbar versteckt mit einem Smartphone aufgenommen - drehte "Die Rechte"-Ratsmitglied Michael Brück. Das wird aus dem Gespräch, das sich später entwickelt, deutlich (siehe Transkript weiter unten). 

Und das Gespräch hat es in sich. So lässt sich SPD-Mann Balzer im Verlauf des Wortwechsels zu folgendem Satz hinreißen: "Viele Jahre hat mich der Staat dazu ausgebildet, um zu töten. Viele Jahre lang!"

Neonazi aus Dortmund provoziert SPD-Mann mit Video im Rathaus

Doch wie kam es dazu? Wie im Video - das unserer Redaktion vorliegt - deutlich wird, beginnt die Szene damit, dass Brück sich zu Balzer in die Sitzecke setzt und ihn dann folgendermaßen begrüßt: "Hallo zusammen, ich setz mich mal hier hin. Herr Balzer, wie geht es Ihnen denn so?" Danach entwickelt sich folgender Dialog:

Balzer: "Ich habe Ihnen das schonmal gesagt: Wir beiden spielen nicht in einer Liga. Ich spiele Champions League und Sie spielen Kreisklasse. Lassen Sie mich einfach in Ruh'. Lassen Sie mich einfach in Ruh'. Sonst vergesse ich eines Tages meine gute Erziehung. Dann brauchen Sie die Mütze nicht mehr abnehmen."

Brück: "Wieso das denn? Warum sind Sie so unhöflich?" 

Balzer: "Lassen Sie mich einfach in Ruhe, Herr Brück! Lassen Sie mich in Ruh'!" 

Brück: "Ich setz' mich doch nur hier hin." 

Balzer: "Und sie brauchen mich auch nicht begrüßen!" 

Brück: "Nicht?" 

Balzer: "Nein, lassen Sie es einfach sein!" 

Brück: "Meinen Sie, die Wähler werden das honorieren mit der Westbadschließung?" (Anm. d. Red.: Balzer und die SPD im Rat der Stadt stimmten für die Schließung des Westbads in Dortmund-Dorstfeld und für einen Neubau in Wischlingen.)

Balzer: "Irgendwann geht die rote Lampe an..." Brück: "Ja?" 

Balzer: "Jo!" 

Brück: "Das ist aber nicht nett." 

Balzer: "Und dann zeige ich Ihnen, was ich gelernt hab'." 

Brück: "Was haben Sie denn...?" 

Balzer: "Viele Jahre hat mich der Staat dazu ausgebildet, um zu töten. Viele Jahre lang!" 

Brück: "Und Sie wollen mich töten? Herr Balzer, Sie wollen mich..." 

Balzer: "Nein, ich will sie nicht töten!" 

Brück: "Haben Sie doch gerade gesagt, dass Sie das zeigen wollen." 

Ein Dritter: "Hat er nicht gesagt" 

Brück: "Hat er gesagt! Sie sind ja ein Fall für den Verfassungsschutz, Herr Balzer. Beruhigen Sie sich mal Herr Balzer, auf eine gute Ratssitzung ne!"

Neonazis aus Dortmund schmeißen Opfer-Maschinerie nach Rathaus-Video an

Danach folgt die vorhersehbare Opfer-Maschinerie der Rechtsextremen, die es in der Vergangenheit schon öfter gegeben hat - etwa nach dem Sturm des Turms der Reinoldikirche in Dortmund vor mehr als drei Jahren. Entsprechende rechtsextreme Online-Magazine titeln nun: "Unfassbare Szenen im Rathaus: SPD-Politiker droht Ratsherr Michael Brück Mord an". Gleichzeitig sehen sich die Rechten als "Opfer" an, weil die Polizei im Nachgang der Videoaktion das Handy von Michael Brück beschlagnahmt hat.

Michael Brück ist Ratsmitglied der Partei "Die Rechte" im Rat der Stadt Dortmund.

Wie aus einer Pressemitteilung der Polizei Dortmund hervorgeht, habe Michael Brück das Video ohne das Wissen von Hans-Peter Balzer aufgenommen und es dann bei Facebook veröffentlicht. "Unmittelbar nach Bekanntwerden hat die Dortmunder Polizei ein Strafverfahren gegen den 30-jährigen Dortmunder wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das KunstUrhGesetz sowie der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes eingeleitet", heißt es von der Dortmunder Polizei.

Mit Beschluss des Amtsgerichts Dortmund ist der 30-jährige Michael Brück noch am Abend durchsucht und der für die Aufzeichnung genutzte Datenträger sichergestellt worden.

Zum Hintergrund: Das Filmen und Fotografieren (außer für offiziell akkreditierte Medienvertreter) ist im Rathaus verboten.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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