Polizeischutz für Angeklagten nach angeblichem Blutracheschwur

Brutaler Doppelmord in Iserlohn: Zeugen machen schockierende Aussagen

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Doppel-Mord-Prozess von Iserlohn: der Angeklagte (Mitte) mit Rechtsanwalt und Dolmetscherin.

[Update 16.36 Uhr] Er lauerte seiner Ex-Frau und ihrem neuen Freund am Bahnhof in Iserlohn auf und stach mehrfach auf beide ein. Das Paar verblutete unter Qualen, während im Auto das gemeinsame Baby lag. Jetzt begann der Prozess gegen den 44-jährigen aus Bergisch Gladbach. Der Angeklagte schwieg zur Tat.

  • Seit Dienstag (11. Februar) steht ein Mann (44) aus Bergisch Gladbach wegen Doppelmordes vor Gericht. 

  • Er soll am Bahnhof Iserlohn seine Ex-Frau und ihren neuen Freund erstochen haben.

  • Für das Verfahren sind sieben Verhandlungstage vorgesehen - so verlief der Prozessauftakt.

Iserlohn – Unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen hat am Dienstag (11. Februar) vor dem Schwurgericht des Landgerichts Hagen der Prozess wegen Doppelmordes gegen einen einen 44-jährigen Mann aus Bergisch Gladbach begonnen. 

Der Angeklagte, gebürtig aus dem Kosovo stammend soll am 17. August 2019 am Stadtbahnhof Iserlohn seine von ihm getrennt lebende Ehefrau und deren neuen Partner aus niedrigen Beweggründen mit mehreren Messerstichen getötet haben.

Im Vorfeld des Prozesses soll es einen "Blutracheschwur" von der albanischen Familie des getöteten Mannes gegeben haben - deshalb stand der Angeklagte am Morgen in Hagen unter Polizeischutz. 

Rechtsanwalt Andreas Trode, der den Angeklagten vertritt, hatte entsprechende Hinweise auf einen möglichen Racheakt gegen seinen Mandanten weitergegeben, so dass sich der Saal nicht nur mit zahlreichen Medienvertretern, sondern auch zusätzlichen Polizeikräften füllte.

Doppelmord von Iserlohn: Angeklagter schweigt vor Gericht

DerAngeklagte schwieg am Dienstag zunächst zu den Vorwürfen. Die für Dienstag geladenen Zeugen hatten das Geschehen am belebten Bahnhof unmittelbar miterlebt - einige berichteten mit belegter Stimme von ihren Beobachtungen. 

Diese ergänzten Aufzeichnungen von Überwachungskameras, die das Geschehen lückenhaft dokumentierten. Die schockierten Zeugen bestätigten, dass die Messerattacke im benachbarten Parkhaus begonnen hatte, wo die Noch-Ehefrau des Angeklagten verblutete.

Doppelmord von Iserlohn: Zeugin spricht von "Hassenergie"

"Die Frau fiel zu Boden, und er stach weiter auf sie ein", erinnerte sich eine Zeugin, die mit dem Wort "Hassenergie" die ungeheure und nicht zu bremsende Wut des Täters zum Ausdruck brachte. Ihr war unmittelbar klar, dass nach den Stichen "nichts mehr" für das Opfer zu machen war. 

"Da wollte jemand sicherstellen, dass die Person auf dem Boden nicht mehr lebt", fasste eine weitere Zeugin das Geschehen zusammen.

Auch der neue Lebenspartner der Sterbenden hatte bereits einige Stiche abbekommen und war "voller Blut" , als er aus dem Parkhaus flüchtete. In der Nähe der Gleise holte der Täter ihn ein und setzte sein mörderisches Werk fort. 

Zeuge des Doppelmordes von Iserlohn legt Täter Hand auf

Ein 50-jähriger Zeuge aus Hemer, nach eigenen Angaben mit vielen Taxifahrern am Bahnhof befreundet, verbrachte dort die Mittagszeit, als er die Ereignisse erstmals wahrnahm. "Da wird jemand abgestochen/abgeschlachtet", erinnerte er sich an seinen ersten Eindruck. 

Doppel-Mord von Iserlohn: Tatort Bahnhof.

Sein Verhalten war ungewöhnlich: Er näherte sich dem Täter und legte ihm die Hand auf die Schulter. "Daraufhin hat er versucht, auf mich einzustechen, und ich habe mich dann zurückgezogen."

"Was hat Sie veranlasst, diese Person anzufassen?", wollte die psychologische Gutachterin wissen. "Für mich war es eine bewusste Handlung", erwiderte der Zeuge. "Da wird einer abgestochen - da musst du jetzt dazwischen gehen!"

Doppelmord von Iserlohn: Täter wirkte "zufrieden"

Eine ernsthafte Gefahr für sich selber sah der Zeuge nicht: Der Täter habe den Eindruck vermittelt, dass er "zufrieden mit dem war, was er begangen hatte". Das auf den Zeugen gerichtete Messer habe lediglich sicherstellen sollen, dass er sein Werk "vollenden" konnte.

"Das Opfer wollte er eliminieren. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er mich auch eliminieren wollte." Der Zeuge erinnerte sich noch lebhaft an die Brutalität, mit der der Täter vorgegangen war: 

Er habe die Leiden seines Opfers offenbar dadurch verlängern wollen, dass er ihm durch möglichst viele Messerstiche zusätzliche Schmerzen verursachte - bis er schließlich den endgültig tödlich wirkenden Schnitt durch die Halsschlagader ausführte. Rund 70 Messerstiche sollen die Ermittler später gezählt haben.

Doppelmord von Iserlohn: So haben wir vor Prozessbeginn berichtet

Die Staatsanwaltschaft geht von einem besonders grausamen Verbrechen aus. Die in der Iserlohner Innenstadt erstochene Frau soll den Angeklagten im September 2018 endgültig verlassen haben. Der Angeklagte, so das Landgericht Hagen im Vorfeld des Prozesses, soll sie jedoch als sein Eigentum betrachtet haben.

Spätestens am Tag der Tat habe er deshalb beschlossen, sie umzubringen. Den neuen Lebensgefährten Amir N. hat der Angeklagte nach Überzeugung der Anklagebehörde töten wollen, weil der ihm nach seiner Meinung die Ehefrau weggenommen habe.

Doppelmord von Iserlohn: Das passierte am Bahnhof

Nach derzeitigem Ermittlungsstand hielt sich der 44-Jährige am Tattag, dem 17. August 2019, stundenlang am Iserlohner Bahnhof und in dem benachbarten Parkhaus auf, um dem Pärchen aufzulauern. Dabei führte er ein Messer mit sich.

Gegen 14.20 Uhr erblickte er laut Anklage seine Ehefrau in dem Parkhaus und stach mehrfach mit dem Messer auf sie ein. Dabei wurde offenbar auch der Nebenbuhler des Angeklagten durch Messerstiche verletzt, flüchtete aber blutend aus dem Parkhaus. Doch der 44-Jährige verfolgte den Mann bis in die Nähe der Bahngleise. Dort stach er weiter massiv auf sein Opfer ein.

Doppelmord von Iserlohn: Täter macht Handyfotos von Opfer

In einer Mitteilung des Landgericht heißt es unter anderem: „Dabei soll der Angeklagte seinem Opfer aus gefühlloser, unbarmherziger Gesinnung durch diese weiteren Stiche zusätzliche Schmerzen und Qualen zugefügt haben.“

Als der schwer Verletzte bereits im Sterben lag, machte der Angeklagte mit seinem Handy zwei Fotos von ihm und verschickte sie. Beide Opfer verbluteten noch am Tatort. In ihrem Auto in der Nähe lag deren gemeinsame zwei Monate alte Tochter, die aber unverletzt blieb.

Die Ehefrau des Angeklagten war laut Staatsanwaltschaft 2018 in das Frauenhaus von Iserlohn geflüchtet, weil es in der Ehe zu Auseinandersetzungen gekommen sein soll.

Doppelmord von Iserlohn: Angeklagter sitzt in U-Haft

Der Angeklagte ist nach Angaben der Justiz bislang nicht vorbestraft. Er sitzt seit dem Verbrechen in Untersuchungshaft. Die Eltern des neuen Lebenspartner der Getöteten haben sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen. Für das Verfahren sind insgesamt sieben Verhandlungstage vorgesehen.

Der Prozess beginnt am Dienstag (11. Februar) um 9.30 Uhr im Saal 201 des Hagener Landgerichts und wird am 11., 21. und 26. Februar und am 2., 3., 10., 18. und 24. März fortgesetzt. - mit Material von dpa

Quelle: wa.de

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