Polizei-Teams ausgebucht

Deutlich mehr Einbrüche in der Region verzeichnet

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Symbolbild

DÜSSELDORF - Die Angst vor Einbrechern geht unter den Bürgern um. Um 20 bis 30 Prozent ist die Zahl dieser Eigentumsdelikte aktuell in der Region gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Offiziell ist bisher nur von einem Zuwachs der Fallzahlen die Rede.

Von Robert Vornholt

Schwerpunkte der Delikte sind jetzt auch ländliche Bereiche, die in der Nähe zu Hauptverkehrsstraßen liegen, etwa in der Umgebung von Werl.

Mit der Kampagne „Riegel vor! Sicher ist sicherer“ hat NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) jüngst zum gründlicheren Schutz von Wohnungen und Häusern und zu mehr Aufmerksamkeit in den Nachbarschaften aufgerufen. Im ganzen Land waren Beratungsteams in mehr als 600 Veranstaltungen unterwegs, aber der Informationshunger ist vielerorts noch nicht gestillt: Die Spezialisten der kriminalpolizeilichen Beratungsstellen sind kurzfristig ausgebucht. Genaue aktuelle Zahlen liegen dem NRW-Innenministerium zurzeit noch nicht vor.

Arno Plickert, NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), unterstützt den Ansatz, dass jeder Eigentümer zunächst für den Einbruchsschutz verantwortlich gemacht werde, aber damit werde das Kriminalitätsproblem nicht gelöst. Um die „mobilen Täter“ erwischen zu können, seien flächendeckende Kontrollen erforderlich, aber dafür fehlten häufig die notwendigen Polizisten.

Diese Einschätzung teilt der CDU-Landtagsabgeordnete Werner Lohn: Der Innenminister habe keine kurzfristig wirkende Strategie gegen die „erschreckende Zahl“ von Einbruchsdelikten, die die Menschen sehr beunruhigten. Jäger müsse behörden-übergreifende, flexibel vor Ort handelnde Einsatztrupps aufstellen, etwa für den Einzugsbereich der Kreise Soest, Warendorf, Hochsauerland und die Stadt Hamm. Dann seien Fahndungserfolge – etwa bei Kontrollen an Einfallstraßen - auch im ländlichen Bereich zu erzielen, befindet der Ex-Kriminalbeamte. „Die Tatabläufe sind bekannt“, verweist er auf Verhaltensmuster der reisenden Einbrecher, die durch verstärkte Polizeipräsenz stärker in Schach gehalten werden könnten.

Sebastian Fiedler vom NRW-Landesverband des Bundes Deutscher Kriminalbeamter hatte jüngst in einer Landtags-Anhörung vorgeschlagen, dass Vorgaben über Einbruchschutz über den Verordnungsweg erlassen werden – wie bei der Rauchmelder-Installierung. Staatliche Fördermöglichkeiten sollten die Investitionen fördern. Zudem sollten Inhaber von An- und Verkaufsläden verpflichtet werden, Ausweiskopien von Kunden zu erstellen und Buchführungsbelege aufzubewahren, um mögliche Ermittlungsansätze liefern zu können.

Beim Expertengespräch erläuterte der Kriminologe Prof. Thomas Feltes (Uni Bochum), dass laut einer Studie in Bremen vornehmlich „junge, sozial benachteiligte Menschen beziehungsweise Jugendliche“ die Täter sind, die mit der Beute ihren Drogen- und Alkoholkonsum finanzieren müssen. Werde „unzureichende Bildung“ um die Hälfte verringert, gehe die Diebstahlhäufigkeit um 14 Prozent zurück und könnten jährlich fast 400 Millionen Euro eingespart werden.

Demgegenüber gehen die Fachleute davon aus, dass immer häufiger Diebesbanden aus Osteuropa gezielt unterwegs sind. Von Oktober bis März wird demnach besonders häufig mittwochs bis freitags – jeweils zwischen 17 und 21 Uhr – eingebrochen. Bargeld und Schmuck, der unverzüglich eingeschmolzen wird, sind Objekte der Begierde. Gewalt und Vandalismus sind dabei eher die Ausnahme.

Stichwort

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist im vergangenen Jahr laut NRW-Polizeistatistik um 3800 (plus 7,5 Prozent) auf 54167 Fälle gestiegen. Tendenz: weiter wachsend. In 21714 dieser Fälle scheiterten die Täter an gut gesicherten Türen und Fenstern. Damit nahm der Anteil der Einbruchsversuche in den vergangenen zehn Jahren um fünf auf über 40 Prozent zu. Aufgeklärt wurden 13,8 Prozent der Einbrüche (2011: 13,6 Prozent). Mit der Aktion „Riegel vor!" setzt die Polizei auf eine verbesserte örtliche Analyse, eine systematische Spurensuche und -sicherung sowie die Ausschöpfung und Verknüpfung aller Fahndungsmöglichkeiten. In ganz NRW fahnden seit zwei Jahren mehr als 40 spezielle Ermittlungskommissionen gegen Einbrecher.

Quelle: wa.de

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