„Crash-Kurs NRW“ setzt auf Emotionen

Von Miriam Brüser ▪ KÖLN „Peter (23) wollte nach Hause, aber er kam nie dort an“ oder „Es wurde gelacht und getrunken – und trotzdem gefahren“ ist im „Crash-Kurs NRW“ auf den Bildern der einführenden Diashow zu lesen. Und vor allen Dingen zu sehen: Die Bilder zeigen Blut, sie zeigen Unfälle. Unfälle von Jugendlichen, die dabei gestorben sind. 500 Jugendliche erleben in der Aula des Berufskollegs in Köln den Startschuss des Pilotprojektes „Crash-Kurs NRW“. Sie lachen, scherzen und pfeifen – anfangs.

Nach und nach aber breitet sich Stille aus, die Gesichter der Teenies werden ernst. Denn das Konzept „Crash Kurs NRW“ lebt von Emotionen. Und die werden geweckt – beispielsweise, wenn Berufsfeuerwehrmann Engelbert Schöller erzählt, wie es ist, eine viel zu junge Leiche aus einem Autowrack zu schneiden. Die emotionale Mauer, die Hauptkommissar Achim Schulze-Schwanebrügger um sich aufgebaut hat, bröckelt, wie die gebannten Jugendlichen erfahren: „Ich wurde zum Unfall eines Motorradfahrers gerufen. Als in an der Stelle ankam, war schon mal kein Leichentuch zu sehen, ein gutes Zeichen“, erzählt der Hauptkommissar.

Aber: Den Sturz in das entgegenkommende Auto, Kopf voran, hat der Helm noch aufgefangen. Den Sturz auf die Bordsteinkante bezahlte der junge, nur mit einem T-Shirt bekleidete Fahrer mit einer Querschnittslähmung – vom Hals abwärts. Der Jugendliche verlor seinen Job, seine Freundin, seine Zukunft. „Was hat man dann noch für eine Perspektive?“, fragt der Hauptkommissar die Teenager. Ebenso eindringlich ist der Bericht von Dr. Joachim Leißner, Urologe am Krankenhaus Holweide, optisch schockierend ergänzt mit dem Foto vom künstlichen Darmausgang eines 21-Jährigen:. „21 Tage lag Maximillian auf der Intensivsstation, sieben Monate im Krankenhaus, sechs Operationen sollten der ersten folgen“, so Dr. Leißner.

„Ihr habt nur eine Chance – ein Leben. Ich wünsche euch Kraft und Mut, die richtigen Entscheidungen zu treffen“, wünscht Moderatorin und Polizistin Silke van Besten den Jugendlichen zum Abschluss. „Das hat mir die Kehle echt zugeschnürt“, sagt Torsten Rademacher, Schüler am Berufskolleg. Dem kann sich Hakan Adasoglou nur anschließen: „Man hört so viel, es ist aber was ganz anderes so etwas zu sehen.“ Hakan ist Schülervertreter. Und sein ganz besonderer Dank gilt Steffi Hengst, einer Mutter, die ihre Tochter bei einem Unfall verlor: „Es ist mutig, von so etwas Schrecklichem zu erzählen.“ Genau diese Reaktionen erhofft man sich bei der Polizei. „Die Vorträge kommen erst im Herz und dann hoffentlich im Kopf an“, so van Beesten.

Dass der Schockeffekt tatsächlich wirkt, zeigt das Vorbild für den „Crash-Kurs NRW“ aus der englischen Grafschaft Staffordshire. Dort ging die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Jugendlichen um 50 Prozent zurück, während sie in anderen Grafschaften konstant blieb.

http://www.crashkurs.nrw.de

Quelle: wa.de

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