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Skurrile Corona-Aktion in NRW: Partei sucht Impfpaten für „Spaziergänger“

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Von: Hannah Decke

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Eine Partei in NRW hat zu einer skurrilen Spendenaktion aufgerufen: Die Piraten in Witten suchen Impfpaten für „Spaziergänger“. Was dahinter steckt.

Witten (NRW) - Die Piratenpartei in Witten möchte nach eigenen Angaben die sogenannten Montagsspaziergänge, bei denen Gegner der Corona-Maßnahmen auf die Straße gehen, „in etwas Gutes wenden“. Und dafür hat sich die Fraktion in der NRW-Stadt etwas Skurriles einfallen lassen: Sie suchen Impfpaten für „Spaziergänger“.

StadtWitten
Fläche72,4 km²
Einwohner95.876

Skurrile Corona-Aktion: Partei in NRW sucht Impfpaten für „Spaziergänger“

Seit Wochen gehen Tausende Menschen in Nordrhein-Westfalen und dem Rest von Deutschland auf die Straße, um gegen die Pandemie-Maßnahmen zu demonstrieren. „Spaziergänge“ nennen die Veranstalter ihre Corona-Proteste. Dabei sind die Beweggründe der Teilnehmer unterschiedlich: Sie lehnen die Schutzmaßnahmen ab oder demonstrieren gegen die Impfpflicht. Aber auch Neonazis und Verschwörungsideologen mischen sich unter die „Spaziergänger“.

Auch in Witten im Ruhrgebiet finden regelmäßig „Spaziergänge“ statt. In einer Pressemitteilung hat die Piratenpartei jetzt den „egoistischen, verantwortungslosen Freiheitsbegriff“ und die „mangelnde Abgrenzung zum Rechtsextremismus“ der Demonstranten kritisiert - und eine skurrile Aktion ins Leben gerufen.

„Für jede ‚Spaziergänger.in‘ in Witten kann man ab sofort mit einer Spende eine Impfpatenschaft übernehmen“, erklärt die Fraktion. Man wolle die Proteste in etwas Gutes wenden und durch die Demonstranten andere Menschen vor der einer Corona-Erkrankung bewahren.

Impfpatenschaft für „Spaziergänger“: Piraten in Witten rufen Spendenaktion ins Leben

Und so funktioniert die Impfpatenschaft für „Spaziergänger“: Über eine Spendenaktion bei Unicef kann man für Minimum 5,30 Euro eine „Patenschaft“ für einen „Spaziergänger“ übernehmen - also das Geld spenden. Das Geld geht laut der Piratenpartei an das COVAX-Programm von Unicef und finanziert somit Impfungen in Schwellen- und Entwicklungsländern, in denen die Menschen noch kaum Zugang zu Corona-Impfstoffen haben.

Wie die Piraten Witten weiter erläutern, betragen laut Unicef die Logistik- und Lieferkosten innerhalb eines Landes rund 3,70 Euro, um eine Person mit zwei Impfdosen zu impfen. „Um einen Menschen in einem Konflikt- und Katastrophengebiet wie beispielsweise Syrien zwei Impfungen zukommen zu lassen, betragen die Kosten 5,30 €. Die Piratenfraktion Witten legt letzteren Betrag zu Grunde“, heißt es weiter.

Spendenaktion aus NRW für Impfungen weltweit: Viele Unterstützer

Laut den Piraten waren beim letzten „Spaziergang“ in Witten am 31. Januar etwa 150 Teilnehmer anwesend. Die Partei beginne also mit einem Spendenziel von 795 Euro - 150 mal 5,30 Euro. Das Spendenziel war wenige Tage nach Veröffentlichung der Pressemitteilung übertroffen. Am 7. Februar waren bereits über 1000 Euro bei der Spendenaktion zusammengekommen.

Ein Blick in die Unterstützerliste zeigt: Viele Menschen haben weitaus mehr als 5,30 Euro gespendet, quasi gleich für mehrere „Spaziergänger“ eine Patenschaft übernommen. Einige gaben direkt 53 Euro in den Topf. Dazu wurden Kommentare abgegeben wie „Man läuft nicht mit Nazis“ und „Super Idee, da mache ich gerne mit“.

Fraktionsvorsitzender Stefan Borggraefe sagt zu der Aktion seiner Partei: „Ab jetzt heißt es: je mehr ‚Spaziergänger‘, desto mehr Impfungen. Ich freue mich, dass wir auf diese Weise gemeinsam mehr Menschen den wichtigen Schutz vor einer schweren Corona-Erkrankung ermöglichen und bedanke mich schon jetzt bei den Impfpaten fürs Mitmachen.“ Vorbild für die Aktion seien ähnliche Initiativen in Niedersachsen und Baden-Württemberg.

Wer sich über die Spendenaktion informieren will, kann dies unter www.piraten-witten.de machen. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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