Kreis war Hotspot

Oberbergischer Kreis: Ansteckendere Corona-Mutante in 14 Fällen nachgewiesen

Im Oberbergischen Kreis ist bei 14 positiven Corona-Tests eine neue Mutante des Coronavirus nachgewiesen worden - auch in direkt an den Märkischen Kreis angrenzenden Kommunen. Die nachgewiesene Mutation trat im November zuerst in der Nähe von dänischen Nerzfarmen auf. Sie soll infektiöser sein als die Ursprungsvariante.

Zu Beginn des Jahres war der Oberbergische Kreis mit einer Inzidenz von fast 300 einer der Hotspots in ganz Deutschland. Eine Erklärung für die Ausbreitung des Virus in dem Flächenkreis gab es zunächst nicht. Der Kreis sprach von einem diffusen Infektionsgeschehen, führte kurz darauf den umstrittenen 15-Kilometer-Radius ein. Um zu überprüfen, ob die hohen Infektionszahlen auf eine Mutation zurückzuführen sein könnten, ordnete das Gesundheitsamt eine Stichprobenuntersuchung von positiven Testergebnissen an. Beauftragt wurde die Virologie der Uniklinik Köln, die die Gensequenzierungen durchführte.

Am 22. Januar meldete der Kreis als ersten Zwischenstand der Untersuchung, dass in neun Fällen eine Untervariante der britischen Virusmutante nachgewiesen worden sei. Weitere 50 Probenergebnisse standen zu dem Zeitpunkt noch aus. Drei Tage später lagen auch diese Informationen vor und wurden durch den Oberbergischen Kreis verbreitet. Demnach wurden weitere fünf Fälle von Mutationen entdeckt.

Dänische Virus-Mutante im Oberbergischen Kreis nachgewiesen

Die Behörde spricht nun allerdings nicht mehr von einer britischen Virusmutante. „Es ist nicht die britische Variante B.1.1.7. Bei der Untervariante der britischen Virusmutante handelt es sich um die selbe Mutation wie bei der dänischen Variante“, erklärte Iris Trespe, Sprecherin des Oberbergischen Kreises auf Anfrage. „Bei 14 der 100 Proben wurde eine Mutante nachgewiesen. Nach weitergehenden Untersuchungen meldete die Virologie zurück, dass es sich in allen Fällen um die Mutante H69/V70 handelt“, berichtet Landrat Jochen Hagt laut Mitteilung.

Mutationen in den Nachbarstädten von Meinerzhagen nachgewiesen

Die bestätigten Fälle weisen einen Bezug zu den oberbergischen Kommunen Morsbach, Reichshof, Nümbrecht und Waldbröl sowie die direkt an Meinerzhagen angrenzenden Ortschaften Bergneustadt und Marienheide auf. Am Mittwoch waren die Mutationen im Nachbarkreis daher auch Thema im Krisenstab des Märkischen Kreises. Bislang wurden im MK allerdings noch keine Mutanten nachgewiesen. Das Mittel der Gensequenzierung wolle man nun aber verstärkt einsetzen, hieß es beim Märkischen Kreis.

Virus-Mutante H69/V70 wurde in Nerz-Farmen in Dänemark gefunden

H69/V70 bezeichnet eine Mutante des Coronavirus Sars-CoV-2, bei der eine doppelte Deletion („Löschung“) im Gen des Spikeproteins vorliegt. „Diese Deletion kann in vielen, ganz verschiedenen, Virusstämmen weltweit nachgewiesen werden. Sie wurde unter anderem in Dänemark auf einer Nerz-Farm gefunden“, berichtet Kaija Elvermann, Leiterin des Gesundheitsamtes des Oberbergischen Kreises.

Vermutlich ansteckender: Dänische Mutante H69/V70 dockt sich bevorzugt an menschliche Zellen an

Die Virologie habe rückgespiegelt, dass die Deletion 69/70 mit einer erhöhten Infektiösität einhergehen könne, da sie zu einem bevorzugten Andocken an menschliche Zellen führen kann. Anders als ursprünglich durch die Virologie mitgeteilt, handele es sich bei der nachgewiesenen Mutante im Oberbergischen Kreis nicht um eine besonders infektiöse Unterkategorie der britischen Virusmutante. „Die Virologie hat uns nunmehr mitgeteilt, dass bei der britischen Variante B 1.1.7. neben dem Vorliegen der Deletion 69/70 noch weitere Deletionen notwendig sind“, sagt Kaija Elvermann.

Oberbergischer Kreis will weitere Untersuchungen auf Virus-Mutanten durchführen lassen

Auch zukünftig will der Kreis in enger Zusammenarbeit mit der Virologie der Uniklinik Köln Untersuchungen auf Virus-Mutanten im Oberbergischen Kreis durchführen. Hinweise, dass die hohen Inzidenzen Anfang des Jahres auf die dänische Variante zurückzuführen ist, habe man aber nicht gefunden. Dazu sei die Zahl der Fälle mit Mutationen nicht hoch genug gewesen, sagt Iris Trespe.

Rubriklistenbild: © National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpa

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