Corona-Pandemie

NRW hebt Impfpriorisierung ab dem 7. Juni auf: Was bedeutet das konkret?

NRW ist mittlerweile spitze beim Impfen gegen das Coronavirus. Ab Juni 2021 will Gesundheitsminister Jens Spahn die Impf-Priorisierung aufheben. Hausärzte fürchten nun Chaos in den Praxen.

Dortmund – Nach einem holprigen Start hat sich Nordrhein-Westfalen bei der Impfquote auf Platz zwei vorgearbeitet. Aktuell haben 39,1 Prozent der rund 17,9 Millionen Einwohner zumindest eine erste Corona-Impfung erhalten. Besser ist nur das Saarland (Stand 18. Mai). Ab Juni will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Impf-Priorisierung aufheben* lassen. Die Hausärzte haben jedoch bereits jetzt mit Problemen zu kämpfen, berichtet RUHR24*.

BundeslandNordrhein-Westfalen
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)
LandeshauptstadtDüsseldorf

Corona-Impfung in NRW: Jens Spahn will Impf-Priorisierung ab Juni 2021 aufheben

Jens Spahn lobte am Montag (17. Mai) bei einer Pressekonferenz die Geschwindigkeit bei den Impfungen in den vergangenen Wochen. Vor allem bei der Gruppe der besonders verwundbaren, den über 60-Jährigen, habe es „sehr große Fortschritte“ gegeben, sagte er. Über 70 Prozent von ihnen seien im Durchschnitt bereits geimpft.

In den nächsten zwei bis drei Wochen soll jeder weitere von ihnen ein Impfangebot bekommen. Im gleichen Zeitraum sind in Deutschland noch 15 Millionen Erst- und Zweitimpfungen für Menschen mit einem besonderen Risiko geplant, sagte Spahn. Die Impfungen der Prio-Gruppe 3 hatten Anfang Mai* begonnen.

Corona-Impfungen: Jens Spahn hebt Impf-Reihenfolge ab 7. Juni auf

Der nächste Schritt laut Spahn: die Öffnung der Impf-Priorisierung ab dem 7. Juni 2021 (Montag). Das bedeutet zunächst: Bald soll sich jeder für eine Impfung gegen das Coronavirus* anmelden können, ganz unabhängig von den vorher gültigen Vorgaben. Bislang wurden die Gruppen etwa nach Alter, Ansteckungsrisiko und Vorerkrankungen eingeteilt.

Die Öffnung der Corona-Impfungen für alle bedeute aber nicht, dass bereits jetzt gemachte Impftermine abgesagt werden könnten. Denn: „Es wird trotzdem nicht möglich sein, alle schon innerhalb des Junis zu impfen“, warnte Spahn. „Die Ärzte in den Praxen, die Betriebsärzte und alle, die in den Impfzentren mitarbeiten, können immer nur so viel Impfstoff verimpfen, wie aktuell da ist.“ An die Betriebsärzte, die bald in die Impfkampagne einsteigen, sollen jedoch allein im Juni bundesweit rund 18 Millionen Dosen des Biontech-Wirkstoffs verteilt werden.

Die Impfkampagne wird daher bis weit in den Sommer fortgesetzt werden müssen, mahnte Spahn. Ein Impfangebot soll dann jedoch jeder Deutsche bekommen können. Unklar ist noch, wie bei den Corona-Impfungen mit Kindern und Jugendlichen* umgegangen wird. Für sie ist bislang noch keiner der Corona-Impfstoffe zugelassen.

Corona-Impfungen in NRW: Fast 40 Prozent der Menschen mindestens einmal geimpft

Das Land NRW will zunächst an der Reihenfolge der Impfungen festhalten, berichtet der WDR. Hausärzte können jedoch die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson bereits jetzt ohne Vorgaben verabreichen. Ab dem 7. Juni hebt NRW die Impfpriorisierung dann auf, wie das Gesundheitsministerium am Dienstag (18. Mai) mitteilte. Damit folgt das bevölkerungsreichste Bundesland dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz.

Für die Menschen in Nordrhein-Westfalen* bedeutet die Aufhebung der Impf-Priorisierung auch, dass dort künftig schneller geimpft werden könnte. Denn etwa in Dortmund können im Impfzentrum täglich statt bislang im Schnitt 2.500 sogar bis zu 3.600 Menschen geimpft werden. Das zeigte ein Leistungstest. Auch hier ist aktuell die Liefermenge der Impfstoffe der Flaschenhals.

Die Hersteller Biontech, Moderna, Johnson&Johnson und Astrazeneca rechnen derzeit damit, im Mai nur etwas mehr als 2 Millionen Impfdosen an die Impfzentren in NRW liefern zu können. Damit bleibt diese Liefermenge weiter der Engpass.

Aktuell haben in NRW fast 40 Prozent der Menschen zumindest eine Erstimpfung gegen Covid-19 erhalten – das sind 7 Millionen Geimpfte. Einen vollen Schutz haben jedoch erst 10 Prozent der Menschen im Land (1,8 Millionen, Stand 18. Mai). Für sie werden zudem Impfdosen zurückgelegt, um den Termin für die Zweitimpfung einhalten zu können.

Arztpraxen im Chaos: Ärzte in NRW sehen Regelversorgung gefährdet

Aus Rücksicht auf die Arztpraxen habe man die Aufhebung der Priorisierung mit reichlich Vorlauf verkündet, sagte Jens Spahn am Montag. So sollen sich die Arztpraxen besser vorbereiten können. Doch die niedergelassenen Ärzte kämpfen bereits jetzt mit einem wahren Impf-Chaos.

Der Hausärzteverband Nordrhein klagt laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) etwa über eine nicht abreißende Anfragen nach Impfstoff sowie eine „extrem aggressive Stimmung“. Zuletzt hatten sich Ende April im Ennepe-Ruhr-Kreis Menschen gar Corona-Impfungen erpöbelt, obwohl sie noch gar nicht an der Reihe gewesen wären.

Für die Hausärzte bedeuten die Corona-Impfungen ein wahres Chaos.

Im Augenblick liefen die Telefone in den Praxen heiß, sodass diese zunehmend Schwierigkeiten bei der Regelversorgung hätten, sagte Oliver Funken, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein der Rheinischen Post. Einige Arztpraxen hätten sich vom Impfsystem bereits wieder abgemeldet.

Funken hofft nun auf weitere Impfstofflieferungen für NRW, sieht aber mit Sorge auf einen neuen Engpass, wenn in der Feriensaison die Arztpraxen schließen. Mittlerweile bieten aber auch Online-Plattformen Termine für Corona-Impfungen* an. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa

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