Roncallis Winterträume

Die Magie der leisen Töne - Roncalli in Dortmund

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DORTMUND - Wer den Zirkus von Bernhard Paul betritt, tritt ein in eine fremde und faszinierende Welt voller Artistik und Fantasie, voller klassischer Clownerie und moderner Akrobatik: den Circus Roncalli. Paul ist Gründer und Regisseur. Mit „Roncallis Winterträume“ gastiert er mit seiner Truppe Anfang Januar in Dortmund.

Von Eike Rüdebusch 

Wenn die Pforten des Circus Roncalli sich öffnen und das Publikum Einlass findet in Pauls Reich, findet es sich zurückversetzt in eine andere Epoche. Paul ist ein Verfechter des klassischen Zirkus – aber kein Feind moderner Technik und Artistik. „Der Zirkus, wie wir ihn heute betreiben, ist ein Museum“, sagt er bei einem Gespräch in dem 100 Jahre alten Salonwagen des Zirkus. „Wir erhalten die alte Zirkusromantik, das Zelt, die Wagen, die Architektur. Die modernen Elemente, die Lichtanlage und das Soundsystem, nutzen wir zur Unterstützung im Hintergrund.“

Das Geheimnis eines guten Zirkus liege aber in der Qualität der Artisten und im Konzept der Show. Die Kunst liege darin, sowohl Kinder als auch Intellektuelle zum lachen zu bringen und zu begeistern, so Paul. „Das kann nur der Zirkus“, weiß er. Dafür hat er Artisten aus aller Welt um sich gescharrt.

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Diese Artisten kommen nach Dortmund

Für die Show in Dortmund wird der Circus Roncalli zwarohne Zelt und Zirkuswagen anreisen. Trotzdem, so habe sein Vater es ihm beigebracht, müsse man sich „immer nach der Decke strecken“, das Beste rausholen. Im Mittelpunkt der Show in Dortmund werden die Clowns stehen. Sie bilden den roten Faden und führen durch den Abend. Der 30 Jahre alte Gentleman-Clown Devlin Bogino aus Italien sagt, es werde etwas komplett Neues für die Winterträume entstehen. Wie immer bei Roncalli gehe es vor allem um die Details – „Die Detailverliebtheit macht diesen Zirkus so einzigartig“, sagt Bogino.

Verzauberte Frösche auf der Suche nach einem Zauberer

Das Winterprogramm soll eine leise, winterlich-weihnachtliche Stimmung abseits aller Klischees verbreiten. „Weihnachten muss nicht Bratwurst in altem Fett und Plastikspielzeug sein“, findet Paul und verspricht ein winterliches Märchen mit verzauberten Fröschen, Schlitten auf der Bühne und den Clowns auf der Suche nach einem Zauberer. „Ich liebe die leisen Töne“, sagte Paul, „ich mag eher Charlie Chaplin als Sido, lieber Loriot als Cindy aus Marzahn.“

Dennoch wird es der Show in Dortmund nicht an atemberaubenden Elementen mangeln. Mit dabei sein werden neben Boglino, dem tollpatschigen, charmanten Gentleman-Clown und seinen Kollegen auch das ungarische „Duo Viro“. Die beiden mehrfach ausgezeichneten Artisten Vivien und Robert sind Meister an den Seidentüchern. Ihre Show findet in der Senkrechten statt und wirkt trotz allem federleicht. Sie klettern als Pas de Deux elegant die Tücher hoch, verfolgen einander und lassen sich fallen, um sich gegenseitig zu fangen und schaukeln schließlich ineinander verschlungen über die Manege hinweg.

Etwas schriller als das elegante Liebespaar sind die fünf Artisten des „Circustheater Bingo“. Die Truppe aus Kiew überzeugt durch eine vielfältige Show an den Strapaten, am Trapez, am Vertikaltuch und am Boden. Ihre Nummern sind schnell, waghalsig und mitreißend. Mit den hohen Irokesenfrisuren und knappen Outfits der Frauen der Truppe wirken diese wie Geschwister von Miley Cyrus – allerdings alles andere als plump.

Deutlich langsamer tritt das „Trio Laruss“ auf. Die drei in gold bemalten Ungarn zeigen kraftraubende Hebe- und Schwebefiguren in Zeitlupe und beweisen, dass Kraft und Grazie sich nicht ausschließen müssen.

Die Artisten in Bildern

Roncalli's Winterträume in Dortmund

Neben den Entdeckungen von Bernhard Paul aus der internationalen Zirkusszene gibt aus hausgemachte Talente zu sehen. Die 18 Jahre alte Geraldine Philadelphia, die gerade in Dortmund ihr Abitur macht, steht seit diesem Jahr mit einer eigenen Nummer in der Manege. Die Tochter zweier Mitarbeiter des Zirkus jongliert Reifen in der Luft während sie einen um den Kopf und einen ums Knie dreht, sie wirft sich in die Brücke oder in einen Spagat und verliert die Reifen dabei nie aus den Augen, geschweige denn von ihren Gliedmaßen. Sie hat mit sechs Jahren das Training begonnen und trotz ihres jungen Alters sieht man ihrer Show die Routine an – im besten Sinne.

Daten und Tickets

"Roncallis Winterträume" gastiert vom 2. bis 11. Januar 2015 im Konzerthaus Dortmund.

Tickets sind bei den Tickethotlines 0231/22696200 oder 01805/2001 erhältlich. Außerdem sind sie an den bekannten Vorverkaufsstellen und über www.bb-promotion.com zu erwerben.

Der Eintrittspreis liegt zwischen 22,50 und 83 Euro pro Karte.

Auch Bernhard Pauls Kinder Vivian (25), Adrian (23) und Lili (16) treten zusammen mit einem Partner als „Les Paul“ auf – benannt nach der berühmten Gitarre. Zusammen beleben sie die Rollschuhakrobatik wieder zum Leben. Die Kinder des Besitzers genießen aber keine Sonderbehandlung. Sie werden nicht extra angekündigt oder besonders in Szene gesetzt. Das Publikum habe mit den Füßen entschieden, sagt Paul. „Eine schlechte Nummer hätte ich nicht in der Show gelassen.“

Bernhard Paul sieht den Zirkus als Biotop, als heile Welt. Dies gilt sowohl für die Künstler, die teils hier aufwachsen und kaum externe Einflüsse haben, als auch für das Publikum: „Die Leute kommen anders heraus als sie reingegangen sind“, sagt Paul. Und das sei auch sein Ziel. Die Gäste sollen den Alltag vergessen, wenn sie die Show sehen.

Der Gentleman-Clown Devlin Bogino schwärmt, es sei eine Zauberwelt, wie bei Alice im Wunderland. In das Zirkuszelt zu gehen, sie wie in das Hasenloch zu fallen.

Quelle: wa.de

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