XXL-Ostfriese hilft in Hagen

"Knochenbrecher" Tamme Hanken hilft Vierbeinern

HAGEN - Es knackt einmal laut, und schon ist die Hüfte von Pferd Luna wieder eingerenkt. Ähnlich geht es 30 Minuten später den Pfoten von Hund Boomer. Der Tier-Chiropraktiker Tamme Hanken, auch bekannt als XXL-Ostfriese, war Montag und Dienstag in Hagen auf dem Hof von Birgit Dersch, um Vierbeinern zu helfen.

Von Nathalie Kirsch

Dersch ist seit fünf Jahren mit Hanken befreundet und nun im drittten Jahr feste Sammelstelle. Hanken behandelt an zwei Tagen zahlreiche Tiere an einem Ort. So spart er sich die Fahrzeit.

Montag und Dienstag war der "Knochenbrecher", wie sein Beruf in Ostfriesland genannt wird, bereits zum zehnten Mal allein in diesem Jahr in Hagen. Der Hof von Birgit Dersch ist eine von insgesamt sieben Sammelstellen in Deutschland, die Hanken regelmäßig anfährt. Interessierte können Termine vereinbaren und haben die Chance, ihren Vierbeiner in die kräftigen Hände des Ostfriesen zu geben.

Hanken ist für viele die letzte Hoffnung Für die beiden Tage wurden allein zwölf Pferde und mehr als 40 Hunde erwartet. Um 11 Uhr fuhren dann die ersten Hänger vor. Die Pferde darin sind auf die Hilfe von Chiropraktiker Tamme Hanken angewiesen. Nicht selten hat er Fälle, in denen die Besitzer bereits bei mehreren Tierärzten waren, die oft nicht wissen, wo das Problem liegt. Für viele ist der XXL-Ostfriese die letzte Hoffnung. In einem Fall sollte eine Frau ihr Pferd einschläfern lassen, da es sich kaum noch bewegt hat. Sie konnte sich nicht überwinden und wandte sich im letzten Schritt an den unkonventionellen Chiropraktiker. Dersch erinnert sich: „Tamme hat sofort erkannt, dass da nur ein Wirbel ausgerenkt war. Die Frau ist hier auf dem Hof zusammengebrochen vor Glück.“ Heute gehe es dem Pferd gut. Es trabte bereits nach kurzer Zeit wieder auf der Wiese, so Dersch.

Hanken erkennt das Problem an der Gangart des Pferdes

Die 15-jährige Stute Luna wird von ihrer Besitzerin Mandy Jehsert aus Hattingen einmal auf und ab geführt. Bereits am Gang des Pferdes erkennt Hanken das Problem – es liegt an der Reiterin. Das eine Bein von Jehsert ist länger als das andere. Also ist auf der einen Seite der Steigbügel zu kurz, was den Sattel verschiebt. Das wiederum wirkt sich auf den Rücken und auch die Gelenke des Pferdes aus. „Einfach die Halterung ein wenig lockern und ein Keilkissen unter den Sattel schieben, dann sollte er gerade auf dem Rücken liegen und keine Probleme mehr machen“, riet Hanken der Besitzerin, nachdem er das Pferd zuvor noch eingerenkt an. „Ich habe bestimmt schon sechs verschiedene Sattel ausprobiert, aber das hat mir noch keiner gesagt“, sagt Mandy Jehsert. Die 27-Jährige ist froh, nicht noch einen neuen Sattel besorgen zu müssen.

Der XXL-Ostfriese Tamme Hanken hilft leidenden Tieren

Tier-Chiropraktiker Tamme Hanken in Hagen im Einsatz

Hund Boomer humpelt. „Beim Stöckchen holen ist er nach kurzer Zeit schon aus der Puste“, sagt Besitzer Marco Abbondandolo. Boomer wird von Hanken eingerenkt. Während Marco Abbondandolo den Vierbeiner festhält, nimmt sich Hanken jede Pfote einzeln vor. Es kracht laut, ähnlich wie beim Menschen, wenn dieser die Knöchel knackt. „Der Hund muss mindestens fünf Kilo abnehmen, dann hört er auch auf zu humpeln“, sagt er den Besitzern. Hanken gibt noch den Tipp, anstatt Trockenfutter lieber Pansen, Herz, Lunge und Euter zu füttern. „Wie es die Wölfe in freier Natur auch fressen, wenn sie Wild reißen“, erklärt er. Das sei das beste für die Tiere, ohne Zusätze der Pharmaindustrie. Hanken schreibt für die Besitzer alles noch einmal genau auf.

Eine Behandlung für Pferde kostet 180 Euro, für Hunde nimmt der XXL-Ostfriese 80 Euro. Humane Preise, weiß auch Birgit Dersch. „Beim Tierarzt ist man schnell mal 2000 Euro los“, sagt sie. Und oftmals sind deren Diagnosen nicht einmal richtig. Hanken behandele oft „Wohlstandskrankheiten“: „Oft sind die Tiere unterfordert oder werden falsch gefüttert“, sagt er. Freunde, die beruflich zusammenarbeiten Hanken und Dersch lernten sich vor fünf Jahren kennen, als die gelernte Kunsthandwerkerin sein Pferd Jumper portraitierte. Dersch malt mit Wolle. Dazu nutzt sie eigene Schafwolle, die gewaschen, getrocknet, gekämmt, gefärbt und dann lose auf eine Unterlage gelegt wird. Daraus entsteht ein Bild oder Portrait. Die fertigen Kunstwerke gibt es ab 180 Euro, Portraits kosten in etwa das Doppelte. „Am liebsten arbeite ich nach Auftrag“, sagt Dersch.

Hanken ist ein guter Freund geworden, der regelmäßig auf ihrem Hof Tiere behandelt. In der Regel seien das Pferde und Hunde, aber auch Katzen, Hamster und Leguane hat der Chiropraktier schon versorgt. „Er ist geduldig, hat starke Nerven und beantwortet alle Fragen“, sagt Dersch über den XXL-Ostfriesen. „Und wenn er einem Besitzer etwas 15 Mal erklären muss, macht er das auch.“ Unkonventionell, aber erfolgreich Der gelernte Landwirt arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Chiropraktiker. Seit fünf Jahren kümmert er sich ausschließlich um Tiere. Nur gelegentlich, wenn ein Reiter so verrenkt ist, dass es sich auf das Pferd auswirkt, legt er bei Menschen Hand an.

Sein Wissen gibt er weiter – an Praktikanten, Azubis und Studenten, die ihm einmal über die Schulter schauen wollen und dürfen. Denn Hanken ist wählerisch und nimmt nicht jeden unter seine Fittiche. „Es ist nicht jeder geeignet, denn die Liebe zum Tier allein reicht nicht“, sagt er in seiner gewohnt direkten Art. „Man muss auch ein Gespür für Tier, Nerven und Kochen haben.“ Hankens Methoden sind unkonventionell und viel kritisiert. Doch der Erfolg und die hohe Nachfrage nach seiner Arbeit gibt dem Knochenbrecher Recht. Er ist ständig im In- und Ausland unterwegs. In Ostfriesland arbeitet er nur noch mit Wartelisten, sonst würde es einfach zu viel werden. Die Arbeit mit Tieren macht ihm sichtlich Spaß, doch auch er will nach eigener Aussage in einigen Jahren etwas kürzer treten.

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © Kirsch

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