Hammer CDU-Mann ist dienstältester OB in NRW

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Thomas Hunsteger-Petermann

HAMM - Ein CDU-Oberbürgermeister in einer Ruhrgebietsstadt? In Hamm hat Thomas Hunsteger-Petermann das schon dreimal geschafft. Mittlerweile ist er dienstältester Oberbürgermeister in NRW. Am Sonntag will er sich eine vierte Amtszeit sichern.

Von Florentine Dame

Hamm ist eine alte Bergbaustadt am Rande des Ruhrgebiets. Ein Oberbürgermeister mit SPD-Parteitag wäre da eigentlich die Regel. Doch seit 1999 haben sich die Verhältnisse geändert. Damals wurde Thomas Hunsteger-Petermann erstmals zum Stadtoberhaupt gewählt. Heute ist er Nordrhein-Westfalens dienstältester Oberbürgermeister. Am Sonntag will der 60-Jährige zum vierten Mal mehr Stimmen holen als die Konkurrenz - mit Bürgernähe und sozialen Themen. Mit diesem Profil, glaubt er, könnten auch andere CDU-Kandidaten in der einstigen SPD-Herzkammer punkten.

1999 rückte der Fleischermeister recht unerwartet an die Stadtspitze. Es war das Jahr, in dem die Selbstverständlichkeit, mit der die SPD in vielen Ruhrgebietsstädten regierte, ins Wanken geriet: Während die CDU NRW-weit ihr bestes Ergebnis seit Kriegsende feierte, rutschte die SPD um 8,4 Prozentpunkte auf nur noch 33,9 Prozent ab; CDU-Bürgermeister lösten sogar im Ruhrgebiet sozialdemokratische Vorgänger ab, so auch in Hamm.

Hunsteger-Petermann mit SPD-Herausforderer Dennis Kocker.

Während sich in anderen Revierstädten die SPD wieder durchsetzen konnte, blieb Hunsteger-Petermann bislang unangefochten. Offenbar konnte er sich zunutze machen, was Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte eine "zunehmende Auflösung traditioneller Wählerbindungen" nennt. "Traditionelle Hochburgen, wie die der SPD damals im Ruhrgebiet, wird es nie wieder geben", sagt der Parteienexperte der Universität Duisburg-Essen. Um den nutzenorientierten Wähler buhlten inzwischen viele kleinere Parteien. Persönlichkeiten seien inzwischen entscheidender als Wahlprogramme, insbesondere auf kommunaler Ebene. "Je kleiner die Einheit ist, desto weniger wissen die Menschen, zu welcher Partei jemand gehört", so Korte.

So ist es wohl kein Zufall, dass Hunsteger-Petermann im Wahlkampf auf soziale Themen setzt. Von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft(SPD) wurde Hamm für die Umsetzung des Projektes "Kein Kind zurücklassen" gelobt. Hunsteger-Petermann bemüht sich Migranten einzubinden, will die Bildungskluft in der Stadt bekämpfen, sich "auch um die Zurückgelassenen kümmern".

"Die CDU muss deutlich machen, dass wir von unserer Grundauffassung her eine zutiefst soziale Partei sind", empfiehlt er seinen Parteikollegen. "Wenn diese Haltung mit einer entsprechenden Persönlichkeit verbunden wird, dann schaffen wir es auch, der SPD wieder einige Oberbürgermeister- und Landratsposten abzunehmen", ist Hunsteger-Petermann sicher.

Mit welchen Eigenschaften habe er es geschafft, bei den Bürgern aus Hamm zu landen? "Ich glaube schon, dass ich sehr volksnah, auch sehr direkt bin", sagt er über sich selbst. Auch als Oberbürgermeister lässt er es sich nicht nehmen, regelmäßig im Kostüm auf der Freilichtbühne seiner Stadt zu stehen. Er sei von Haus aus Handwerker, da habe man vielleicht auch eine andere Sprache, betont der gelernte Fleischermeister im Gespräch.

Der SPD-Gegenkandidat Dennis Kocker hält dagegen: Jahrelang sei Bürgernähe tatsächlich Hunsteger-Petermanns Stärke gewesen, doch nach 15 Jahren sei der soziale Anstrich nur noch Fassade. "Sonntagsreden und Hochglanzmagazine sind keine Lösungen für Kinderarmut und Arbeitslosigkeit in der Stadt", sagt Kocker. Der CDU-Mann schmücke sich mit allzu sehr mit fremden Federn, bringe zunächst ablehnte Vorschläge der SPD später als eigene Vorlagen in den Rat ein. "Sozialdemokratische Politik sollte man besser den Sozialdemokraten überlassen."

Hunsteger-Petermann ist jedoch zuversichtlich - auch über seine eigene Stadt hinaus: Er habe im Ruhrgebiet mindestens ein, zwei Großstädte im Auge, wo der Machtwechsel erneut gelingen könnte. - lnw

Quelle: wa.de

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