Buchtipp: Sammelband „Mords.Metropole.Ruhr“

Europas größtes internationales Krimifestival beginnt in wenigen Tagen, am 18. September. Und als Vorgeschmack gibt es auch zur fünften Ausgabe ein Buch mit „Auftragsmorden“, mit Kurzkrimis von internationalen Autoren, die jede eine Stadt des Festivals als Schauplatz haben.

Die Verfasser in „Mords.Metropole.Ruhr“, darunter Prominenz wie Helene Tursten, Petros Markaris, Andrej Kurkow und Jussi Adler-Olsen, reisten eigens an, um das Lokalkolorit auch stimmig hinzubekommen. Und sie wurden alle fündig für ihre Fälle. Und schon auf der ersten Seite von Adler-Olsens Story findet man einen Satz, der programmatisch ist: „Warum New York, wenn es das auch in Lünen gab?“ fragt der Kommissar nach einem hinreißenden Jazzkonzert. Global denken, lokal ermitteln – das ist das Erfolgsrezept der Anthologien zu „Mord am Hellweg“.

Ein Bierhauch durchweht das Buch: Sei es, dass Petra Ivanov das Lüdenscheider Medardus-Bräu verkostet, sei es dass Thomas Raab das Helle aus dem Soester Brauhaus Zwiebel erwähnt, und Ralf Kramp weiht uns gar in Illuminaten-Geheimnisse auf den Etiketten des Warsteiner Gerstensaftes ein. Das Festival gehört zum Programm der Kulturhauptstadt, also wird sogar die Essener Zeche Zollverein eingemeindet, und auch der Hindutempel in Hamm kommt vor. Die Autoren führen uns an eindrucksvolle Orte, Louise Welsh bis in die Stiftskirche von Cappenberg. Und selbst Andrej Kurkow lässt seinen zugezogenen Ermittler verwundert denken: „Wie viele Geheimnisse verbarg das Städtchen Kamen wohl noch?“

Die Erzählungen bieten mal düsteres Noir-Flair wie Louise Welshs Beitrag, Adler-Olsen und weitere Autoren greifen in die NS-Zeit zurück, andere hingegen wie Thomas Raab und Osman Engin wählen einen ironischen Ton. Engin hat den kalauerndsten Titel: „Schwerter zu Pflugscharen!“ Und Petra Ivanov erfüllt auf makabre Weise alle Erwartungen, die der Titel ihrer Story weckt: „Der Schwanzhammer von Lüdenscheid“. ▪ sti

H.P.Karr, Herbert Knorr & Sigrun Krauß (Hgg.): Mords.Metropole.Ruhr. Grafit Verlag, Dortmund, 380 S., 10,50 Euro

Quelle: wa.de

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