Drama um kleinen BVB-Fan

Kirche ringt mit letztem Wunsch

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Das Grab des im Alter von neun Jahren an Krebs verstorbenen Jens Pascal Schmidt in Dortmund.

[UPDATE 14.50 Uhr] DORTMUND - Das Fußballbildnis zu groß - die christliche Symbolik fehlt. Eine katholische Kirchengemeinde in Dortmund lässt ein Grabmal allein mit BVB-Motiven für einen kleinen Fußball-Fan nicht zu. Aber es gibt Hoffnung. Zehntausende Facebook-User verfolgen den Fall. Die Kirche bewegt sich.

Der letzte Wunsch des kleinen Borussia Dortmund-Fans Jens Pascal wird für die Kirche zum Problem. Der krebskranke Junge wünschte sich kurz vor seinem Tod einen Grabstein mit Fußball und BVB-Emblem. Meistertrainer Jürgen Klopp hatte ihn zuvor mit einigen Spielern in der Kinderklinik besucht. Nach seinem Tod wollen Vater und Mutter nun dem Sohn den letzten Wunsch erfüllen. Sie haben aber die Rechnung ohne die Friedhofsordnung der katholischen Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung gemacht. Der Kirchenvorstand lehnt das Grabmal ab, weil ihm die christliche Symbolik fehlt. Zehntausende Facebook-User posten nun durchs Netz. Sogar eine Demo für Jens Pascal wollen sie auf die Beine stellen.

Eine Granitstele, darauf ein schwarz-weißer Fußball mit BVB-Emblem und dem Borussen-Slogan "Echte Liebe" - so ist das Grabmal geplant. Der BVB gab schon seine Zustimmung. Wäre da vielleicht noch ein Kreuz dabei und das ganze eine Nummer kleiner, die Kirche könnte sich vorstellen, auch ihren Segen zu geben. Den ganzen Sturm der Entrüstung empfindet Kirchensprecher Michael Bodin etwas ungerechtfertigt. Der Kirchenvorstand habe sich nur an die Friedhofssatzung gehalten.

Weitere Bilder vom Friedhof mit der Grabstätte:

BVB-Grabstein für Jungen macht Kirche Probleme

Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur "Aeternitas" gibt der Kirche weitgehend Recht. Auf einem kirchlichen Friedhof könnten strengere Maßstäbe angewendet werden, sagte am Dienstag der Vorsitzende Christoph Keldenich. Er schlägt einen Kompromiss vor. Den strebt die Kirche auch an. Sie will jetzt mit dem Vater sprechen.

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Begräbnisstätten für Schalker

Der Streit um den Grabstein für Jens Pascal ist nicht der erste, der für Streitereien sorgt. Vor vier Jahren scheiterte der Versuch im Siegerland, einem Schalke-Anhänger das Grab mit Fußball-Kunst zu verschönern. Ein Granitstein mit einem Torwinkel aus Edelstahl, darin ein Ball mit Schalke-Emblem wurde gefertigt. Hätte der Steinmetz die städtische Friedhofsverwaltung gefragt, hätte er sich die Arbeit sparen können. Edelstahl und Fußballmotiv lehnte die Verwaltung ab. Der Friedhof wolle nicht Werbeträger für einen Verein sein, heißt es bis heute.

Keldenich weiß um die Schwierigkeiten besonderer Grabgestaltung. "Individualität ist gewünscht. Aber ein Rockmusiker wird es zum Beispiel schwer haben, eine Gitarre integrieren zu lassen." Auf einem städtischen Friedhof sei es aber meist leichter als auf einem kirchlichen.

In der Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung hieß es, sie verstehe den Schmerz der Eltern des verstorbenen Jungen. Die Gemeinde bedauere, dass es bisher nicht zu einer Einigung gekommen sei. "Es ist keinesfalls unsere Absicht, dem "letzten Wunsch" des jungen Fußballfans im Wege zu stehen", schrieb sie an die Öffentlichkeit. - vh

Erklärung der Kirchengemeinde:

Zum Thema hat die Katholische Kirchengemeinde Mariä-Heimsuchung in Dortmund Bodelschwingh eine Erklärung abgegeben, die wir hier dokumentieren. Die Kirchengemeinde betont, dass sie an einer einvernehmlichen Lösung mit den Angehörigen interessiert ist. Ein solches Gespräch dazu sollte im Laufe des Dienstags stattfinden:

"Wir verstehen den Schmerz der Eltern des verstorbenen neunjährigen Jungen und bedauern, dass es bisher nicht zu einer Einigung über die Gestaltung seines Grabmals gekommen ist. Es ist keinesfalls unsere Absicht, dem "letzten Wunsch" des jungen Fußballfans im Wege zu stehen. Die Eltern haben sich für eine Beisetzung auf einem katholischen Friedhof entschieden. Der Friedhof dient in erster Linie der Beerdigung der römisch-katholischen Angehörigen der Kirchengemeinde. Daher muss die Gemeinde dafür sorgen, dass der Charakter eines christlichen Friedhofs erhalten bleibt. Die Friedhofsordnung sieht dazu vor, dass "Inschriften und Darstellungen, welche der christlichen Religion nicht entsprechen" auf Grabmälern nicht gestattet sind. Der zur Genehmigung eingereichte Entwurf des Grabmals sieht eine Stele mit dem Namen des verstorbenen Kindes, dem Geburts- und Sterbedatum, einem Fußball, dem BVB-Logo und der Inschrift "Echte Liebe" vor. Bei einer Betrachtung der eingereichten Entwurfsskizze kam der Kirchenvorstand einstimmig zu dem Ergebnis, dass in der Gesamtheit dieser Gestaltung kein christlicher Bezug erkennbar ist. Der Entwurf in dieser Form ist dem Ort eines katholischen Friedhofs nicht angemessen.

Die zuständigen Vertreter der katholischen Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung waren und sind gerne bereit, mit den betroffenen Angehörigen über alternative Gestaltungen und eine Kompromisslösung zu sprechen."

Quelle: wa.de

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