Bochumer Fossiliensammler entdeckte eine bislang unbekannte Saurierart

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Die versteinerte Kralle eines 91 Millionen Jahre alten Sauriers in der Hand des Hobby-Fossiliensammlers. Die Sichelkralle wird auf den Westdeutschen Mineralientagen an diesem Samstag und Sonntag (10 bis 18 Uhr ) in der Dortmunder Messe präsentiert werden. Eintritt acht, ermäßigt vier Euro.

BOCHUM - Sie ist grau und unscheinbar, nur fünf Zentimeter groß und doch Karl Stekiels ganzer Stolz: Auf einer Baustelle in Dortmund hat der 50-jährige Fossiliensammler die versteinerte Kralle eines 91 Millionen Jahre alten Sauriers gefunden - eine Entdeckung, die ihm sogar einen Eintrag in die Geschichtsbücher bringen könnte.

Denn mit der Sichelkralle fand der Bochumer nicht nur ein Relikt aus vergangenen Zeiten, sondern auch die Überreste einer bislang unbekannten Saurierart.

An den Tag, an dem er die Kralle entdeckte, erinnert sich Stekiel noch genau. „Es war ein heißer Sommertag, und trotzdem bekam ich eine Gänsehaut“, berichtet der 50-Jährige. Dass er etwas nicht Alltägliches gefunden hatte, war ihm schon damals klar. „Knochen sind immer etwas Besonderes. In meiner ganzen Sammlerkarriere habe ich vielleicht drei- oder viermal welche gefunden“, sagt der Bochumer.

Dass er aber Knochen einer noch gänzlich unbekannten Spezies ausgegraben hatte – darüber hinaus den ersten Nachweis überhaupt für einen Raubsaurier in Deutschland aus dieser Zeit – erfuhr er erst später. Zwei Jahre brauchten die Experten vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), dann waren sie sich sicher: Die Kralle ist der einzige Beleg für eine bislang unbekannte Saurierart. Als er das gehört habe, „musste ich mich erst mal kneifen“, erinnert sich Stekiel.

Die Kralle ist mit Abstand der bislang bedeutendste Fund des Hobby-Paläontologen, doch bei weitem nicht der einzige. In seiner Werkstatt, in der er tagsüber amerikanische Oldtimer repariert, hat er sich eine kleine Ecke eingerichtet, in der er seine Schätze bearbeitet, sie aus dem sie umgebenden Gestein herauslöst und präpariert. Zu seiner ständig wachsenden Sammlung zählt er Mammutzähne ebenso wie Krebse, Seeigel oder versteinerte Muscheln.

Eine Muschel war es auch, die vor vielen Jahren seine Sammelleidenschaft weckte. „Ich war sechs, sieben Jahr alt, da gab es bei uns vor dem Haus eine Baustelle“, erinnert sich der Bochumer. Für Straßenbahnschienen sei Schotter angeliefert worden. „Da mussten wir Jungs natürlich mit spielen.“ In einem der Steine habe er dabei die Muschel entdeckt. „Ich habe gedacht: ,Wow, was ist denn das?‘“ Kurze Zeit später fand er in einem Buch zufällig die Erklärung. „Das fand ich total spannend, da war's um mich geschehen“, sagt Stekiel und lacht.

Immer wieder habe er seitdem auf Zechenhalden oder an Baustellen nach Überresten aus der Vergangenheit gesucht. „Wenn ich unterwegs bin und was sehe, halte ich und schaue mir das an“, sagt der Bochumer und schiebt rasch hinterher: „Natürlich nur mit Genehmigung.“

So war es auch in Dortmund. Fast zwei Jahre lang untersuchte er immer wieder die Baustelle an der B1, bis er schließlich auf den Sensationsfund stieß. „Ich hatte schon den ganzen Tag gesucht, bin dann nochmal die ganze Baustelle entlang gegangen und plötzlich sah ich Knochen, die ein paar Zentimeter aus dem Gestein ragten“, berichtet Stekiel. Er habe dann die freiliegenden Knochen von losem Geröll und Staub befreit, fotografiert und wieder zugedeckt – „damit es geschützt ist und nicht jemand anderes das auch noch findet“. Dann habe er die Stelle unauffällig markiert, um sie selbst wiederzufinden, und das LWL-Museum für Naturkunde in Münster verständigt.

Gut zwei Jahre später nun wird der Fund am Wochenende auf den Mineralientagen in der Dortmunder Westfalenhalle zu sehen sein, stolz präsentiert von seinem Finder. Der macht sich derweil schon Gedanken, was danach kommt. „Eine Saurierfährte würde ich gerne mal finden“, überlegt der 50-Jährige. Oder in die USA reisen und dort an einer Grabung nach einem Tyrannosaurus Rex teilnehmen, einem der größten Fleischfresser, die je an Land gelebt haben.

Und noch einen Traum hat Stekiel, nämlich, dass es schon bald einen „Saurus stekielii“ gibt. „In der Regel wird eine neu entdeckte Gattung nach dem Finder benannt“, erläutert der Bochumer. Wenn das auch in seinem Fall so sein sollte, „wäre das natürlich toll“. - dapd

Quelle: wa.de

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