Blitz-Marathon in NRW bleibt umstritten

DÜSSELDORF - Autofahrer im Dauerfeuer von Radar und Laser: Der zweite bundesweite Blitz-Marathon hat begonnen. Er ist immer noch umstritten.

Die Polizei hat am Donnerstag zum zweiten Mal bundesweite Tempokontrollen gestartet. An fast 7500 Stellen im gesamten Bundesgebiet wird geblitzt und gelasert. Mehr als 13 000 Polizisten werden beim zweiten bundesweiten Blitz-Marathon eingesetzt. Er dauert 24 Stunden und endet am Freitagmorgen. Bei der ersten Großaktion dieser Art waren im Oktober vergangenen Jahres in Deutschland drei Millionen Autofahrer kontrolliert und 83 000 als zu schnell erwischt worden.

In Nordrhein-Westfalen durften dieses Mal Kinder die Messstellen vorschlagen. Fast 18 000 Kinder und Jugendliche hätten sich beteiligt und mehr als 3000 Stellen vorgeschlagen, teilte das nordrhein-westfälische Innenministerium am Donnerstag mit. Es gehe nicht darum, möglichst viele Bußgelder zu verhängen, sondern darum, die Autofahrer zu langsamerer Fahrweise zu bewegen, betonte Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD), der auch Vorsitzender der Innenministerkonferenz ist.

In Essen geriet am Morgen eine Autofahrerin prompt in Anwesenheit des Ministers mit Tempo 59 statt 30 in die Tempofalle. Weil Kinder das Messgerät bedienten, kam sie um 120 Euro Bußgeld herum, aber nicht um die fällige Ermahnung.

Kritik kam von der Gewerkschaft der Polizei: Deren Bundesvorsitzender Oliver Malchow nannte den Blitz-Marathon "eine PR-Aktion ohne nachhaltigen Effekt auf die Verkehrssicherheit". Der "Passauer Neuen Presse" sagte Malchow: "Es reicht eben nicht, Blitzer aufzustellen." Der größte Lerneffekt für Autofahrer bestehe in der direkten Konfrontation mit einem Polizisten nach dem Regelverstoß. "Ein Brief vom Ordnungsamt vier oder sechs Wochen danach macht viel weniger Eindruck."

Mit dem Blitzlicht-Gewitter reagiert die Polizei in diesem Jahr auch auf die Trendwende, die sich bei der Zahl der Verkehrstoten abzeichnet. Nach jahrzehntelangem Rückgang war im ersten Halbjahr dieses Jahres ein Anstieg bei den Todesopfern registriert worden.

Die Quote der Tempoverstöße war beim ersten Blitz-Marathon - vermutlich wegen der breiten Vorankündigung - geringer als bei den regulären Kontrollen üblich. Für die Initiatoren der aus Nordrhein-Westfalen stammenden Idee ist das kein Problem: "Wir wollen die Autofahrer eben nicht abzocken, sondern, dass sie langsamer fahren. Es wäre ein Erfolg für uns, wenn wir niemanden erwischen." Auch der Vorwurf, es handele sich um eine PR-Aktion, läuft nach Ansicht der Befürworter ins Leere: Dies sei gerade Teil des Konzepts. Die Aktion bringe die Raserei wieder in die öffentliche Diskussion.

Die Automobilverbände sind gespalten: Der ADAC unterstützt die Aktion, auch der Automobil-Club Verkehr (ACV). Kritik kam vom neuen Verband Mobil in Deutschland. Untersuchungen in Berlin und München belegten, dass die Radarfallen nicht wie behauptet an Unfallschwerpunkten aufgestellt würden, sondern dort, wo das meiste Geld zu holen sei. Daher gehe die Variante, Kindervorschläge umzusetzen, immerhin in die richtige Richtung.

Beim ersten Blitz-Marathon waren fast 15 000 Polizisten an mehr als 8600 Stellen an den Straßenrändern postiert. Die Wiederholung fällt also etwas kleiner aus.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare