SEK funktioniert wie gute Ehe

SUNDERN - Wenn sie anrücken, ist meist Gefahr im Verzug. An sechs Standorten in NRW hat die Polizei ihre Sondereinsatzkommandos stationiert. Die Arbeit der Beamten besteht zum größten Teil aus Übungen. Manchmal mutet das an wie ein "Spiel ohne Grenzen" für Profis.

Von Jörg Taron

Im Tiefflug fegt ein Helicopter über den Sorpesee bei Sundern. Dann bleibt er kurz vor der Staumauer in der Luft stehen, zwei 25 Meter lange Seile fliegen aus den geöffneten Türen und binnen Sekunden haben sich sechs vermummte Männer ins gerade mal 17,5 Grad warme Wasser abgeseilt. Bei einer Übung zeigten die Dortmunder SEK-Beamten am Dienstag ihre Einsatzbereitschaft.

"Der Flug im Hubschrauber ist für uns wie Autofahren. Der Einsatz beginnt erst nach dem Aussteigen", sagt einer der Beamten nach der Übung. Der 47-Jährige, der seinen Namen nicht nennen darf, ist noch triefnass vom Sprung in den Sorpesee und den weiteren schweißtreibenden Übungen. So mussten die Männer einen mehrere Hundert Kilo schweren Radlader-Reifen mehrfach wenden und den an eine Treppe für Riesen erinnernden Ausfluss des Sees mit seinen mehr als drei Meter hohen Kaskadenstufen erklimmen.

Etwa 70 Prozent der Dienstzeit verbringen die Spezialkräfte mit Übungen, der Rest seien Fortbildungen und natürlich Einsätze, sagt der Beamte. "Wir haben manchmal mehrere Einsätze pro Woche und dann ist wieder Ruhe", sagt er. Aber im Schnitt sind die Männer einmal pro Woche mit dem Ernstfall konfrontiert. "Bei Geiselnahmen, den Einsätzen im Rocker-Millieu oder Demonstrationen", erklärt Gruppenleiter Gerhard Wolf.

Wolf hat sich das Übungsszenario ausgedacht. Auch wenn die einzelnen Aufgaben etwas von "Spiel ohne Grenzen" hätten, würden die Männer doch an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geführt. "Und manchmal auch darüber hinaus." Ziel sei es, dass die Einsatzkommandos auch nach stundenlangem körperlichen und geistigen Stress noch in Topform sind.

Früher, so der anonyme Beamte, habe es mehr Einsätze gegeben. "Im Drogenmillieu beispielsweise. Aber heute sind die Einsätze gefährlicher. Da muss man sich blind aufeinander verlassen können." Mit 47 Jahren müsse er immer noch die gleiche Leistung bringen wie junge Kollegen. "In unserem Kommando in Dortmund arbeite ich seit mehr als 15 Jahren mit vielen Kollegen zusammen. Das ist wie in einer guten Ehe, mancher wäre froh, wenn es so lange hält", lacht er.

Doch dass der Beamte noch immer an vorderster Front steht, hängt auch mit den Nachwuchs-Sorgen der Spezialeinheiten der Polizei zusammen. "Wir haben nicht mehr so viele Bewerber", sagt ein Gruppenleiter am Rande der Übung. Das liege vor allem an den körperlichen Vorausetzungen. Früher seien die Jung-Polizisten fitter gewesen. "Da waren viele vorher im Sportverein. Heute hat sich das Freizeitverhalten geändert."

In der kommenden Woche treffen sich Spezialeinsatzkommandos aus ganz NRW, Bayern, Thüringen, Berlin, Luxemburg und der Schweiz zu einem Vergleichswettkampf. In Dortmund und im Umland hat Wolf zehn Übungsaufgaben vorbereitet, an denen sich die Teams messen können. Und auch wenn Wolf auf gutes Wetter hofft: "Die werden bestimmt fünf oder sechs Mal nass dabei." - lnw

Quelle: wa.de

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