Bison-Verwandte sollen im Siegerland heimisch werden

BAD BERLEBURG - Sie werden bis zu drei Meter lang und können mehr als 800 Kilo auf die Waage bringen. Wisente sind die europäischen Verwandten der Bisons. Einst waren sie vom Aussterben bedroht. Im Siegerland soll der "König der Wälder" wieder heimisch werden.

Gelassen grast die Wisent-Herde, während die Besucher des Freigeheges in Bad Berleburg nur einige Meter entfernt hinter dem Zaun ihre Kameras zücken. In der Wisent-Wildnis kommen sich Menschen und die Ur-Rinder nahe. Mehr als 5000 Besucher kamen schon in den ersten drei Wochen seit der Eröffnung im September, sagt Wisent-Ranger Jochen Born.

Er kümmert sich um die fünf Tiere im Freigehege und ihre acht Artgenossen, die in einem anderen Gehege auf ihre Auswilderung vorbereitet werden. Denn der "König der Wälder" soll bald im Siegerland wieder heimisch werden. Die Idee dazu hatte Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Dem Schwager der dänischen Königin Margarete II. gehört auch der Großteil des Waldes, den die Wisente bald in Besitz nehmen sollen.

Ranger Born war nach anfänglicher Skepsis schnell von der Idee begeistert. "Die Wisente sind meine Familie", sagt der gelernte Landwirt. Auf seinem Bauernhof übernimmt er gemeinsam mit seiner Familie sogar einen Ammen-Job. Er zieht das vier Wochen alte Wisent-Kälbchen "Quattro" groß. "Die Mutter "Gutelaune" kann es nicht säugen", sagt der 38-Jährige. "Und da nehme ich ihr die Arbeit ab."

Besucher wie die zehnjährige Anna aus Wilnsdorf werden zwar noch warten müssen, bis Baby Quattro zur leiblichen Mutter ins Gehege zurückkehrt. Aber Anna ist trotzdem begeistert von der Herde in dem 20 Hektar großen Freigehege: "Die sind nicht weggelaufen und sie sehen aus wie Bisons", sagt die Viertklässlerin. Die Tiere sind an Menschen gewöhnt: "Die sind Schauspieler. Die wissen, wie sie sich präsentieren müssen und können auch um Futter betteln", sagt Ranger Born.

Genau das ist aber das Problem. Denn eigentlich sollten möglichst viele der vor zweieinhalb Jahren aus verschiedenen Tierparks ins Siegerland geholten Tiere im Rahmen des Artenschutz-Projektes "Wisent-Welt" ausgewildert werden. Doch "Gutelaune", der Bulle "Horno" und der per Hand aufgezogene Nachwuchs sind zu sehr an Menschen gewöhnt.

Und auch den anderen musste erst wieder beigebracht werden, dass sie Wildtiere sind. "Das funktioniert mittlerweile: Wenn sie Autos oder Menschen hören, gehen sie stiften", sagt Born. Nun hofft er, dass der Zaun um das 80 Hektar große Auswilderungsgehege noch vor Weihnachten geöffnet werden und die Herde im 7000 Hektar großen Wald zwischen Sauer- und Siegerland verschwinden kann. Lediglich die Leittiere sollen mit GPS-Sendern versehen werden, um zu wissen, wo die Herde ist.

Wanderer würden die Wisente vermutlich nicht zu Gesicht bekommen. "Und wenn doch, dann wird die Herde mit Sicherheit fliehen", sagt Born. Die eindrucksvollen Kolosse, die bis zu drei Meter lang und zwei Meter hoch werden können, seien vom Gemüt "Rindvieh-ähnlich", sagt der Ranger. "Mit einigen Kuschel ich auch. Und wenn ich rufen würde, würden die auch zum Zaun kommen." Doch das Freigehege soll kein Streichelzoo werden, sondern als "Schaufenster" für das Freisetzungsprojekt werben und Ängste vor den Wisenten abbauen.

Die Touristiker der Region sind mittlerweile Fans. "Natürlich zieht das Besucher an", sagt Born. Der Siegener Landrat Paul Breuer (CDU) hofft, dass jährlich 70 000 Besucher zur Wisent-Welt kommen werden.

1927 wurde das letzte freilebende Exemplar der mit dem Bison verwandten europäischen Wildrinder geschossen. Es gab noch zwölf in Gefangenschaft lebende Tiere, mittlerweile sind es wieder einige tausend Tiere. Die im Siegerland geplante Auswilderung ist ein Vorzeigeprojekt, bei dem erstmals in Westeuropa Wisente wieder frei durch den Wald streifen sollen. - lnw

Quelle: wa.de

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