Dano-Prozess: Angeklagter schwer beschuldigt

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[Update 17 Uhr] Bielefeld - Am Landgericht Bielefeld ist der Mordprozess um den Tod des kleinen Dano aus Herford am Donnerstag fortgesetzt worden. Dabei hat ein Mithäftling den Angeklagten schwer beschuldigt.

Der 43 Jahre alte Mann habe im Gefängnis die Taten eingeräumt, sagten die beiden Männer am Donnerstag als Zeugen im Landgericht Bielefeld. Unter einem Vorwand, sie seien einflussreiche Verbrecher, könnten ihn vor anderen Häftlingen schützen und Beweise verschwinden lassen, hätten sie den Angeklagten zum Reden gebracht.

Das angebliche "Geständnis" hatte der 34-jährige Mithäftling aufgeschrieben und den Ermittlern in der Hoffnung auf eine frühe Haftentlassung übergeben. Der Angeklagte habe in ein schriftliches "Geständnis" eingewilligt, weil die Mithäftlinge, die sich als illegale Organhändler ausgaben, damit sicher sein könnten, nicht von ihm verraten zu werden.

Alle 31 Seiten habe der Angeklagte nach dem Lesen unterschrieben, behauptete der Mithäftling. Dagegen hatte der Angeklagte betont, er habe Blanko-Blätter unterschrieben, weil der Mithäftling nach seiner Entlassung diverse Dinge für ihn regeln wollte. Den Inhalt des angeblichen "Geständnisses" bestreitet er.

Nach Angaben der beiden 34 und 49 Jahre alten Mithäftlinge hat der Angeklagte ihnen gegenüber zugegeben, nicht nur den kleinen Dano umgebracht zu haben. Er habe auch eingeräumt, 2007 die achtjährige Jenisa in Hannover getötet zu haben. Beide Kinder habe er auch sexuell missbraucht. Vor allem habe er aber mit den Taten die Familie seiner Lebensgefährtin bestrafen wollen, soll der 43-Jährige gesagt haben.

Hintergrund von ständigen Streitereien des Angeklagten mit der Familie seiner Lebensgefährtin sollen die unterschiedliche Herkunft und das "Brautgeld" gewesen sein. Der 43-Jährige stammt aus der Türkei, die Lebensgefährtin aus Albanien. Der Mann habe das vereinbarte Brautgeld nicht gezahlt, hatte die Frau vor Gericht gesagt. Die Familie habe mehrmals probiert, die Beziehung zu beenden. Dem angeblichen "Geständnis" im Gefängnis zufolge soll der 43-Jährige darum einen Hass auf alle Albaner haben. Darum soll er auch Dano ausgewählt haben, dessen Familie ebenfalls aus Albanien stammt.

Gegenüber den Ermittlern und vor Gericht hat der 43-Jährige zugegeben, Dano am 14. März in einer Stresssituation wegen der Trennung von seiner Lebensgefährtin und seinen fünf Kindern in seine Wohnung gelassen und geohrfeigt zu haben. Als Dano schrie, habe er die Nerven verloren und ihn erstickt ohne dies gewollt zu haben. Dagegen soll er den Häftlingen gesagt haben, er habe Dano bewusst in die Wohnung gelockt, um ihn zu töten.

Nach Hinweisen der beiden Mithäftlinge hatte die Polizei im Sommer in einem Waldstück bei Hannover die Überreste Jenisas gefunden. Das Mädchen wollte 2007 seine Tante besuchen, die Lebensgefährtin des Angeklagten. Dann verschwand das Mädchen. Zudem wurde nach einem Hinweis der Mithäftlinge der Trolley in Herford entdeckt, mit dem die Leiche von Dano Wochen zuvor transportiert wurde. Beide Häftlinge hatten bereits in einem zweiten Verfahren gegen einen Mithäftling ausgesagt, der einen Mann umgebracht haben soll.

Der Prozess soll am Montag mit den Aussagen des Psychiatrischen Gutachters fortgesetzt werden. Am selben Tag könnten die Plädoyers folgen. Das Urteil wird für Mittwoch, 22. Oktober, erwartet. - dpa

Quelle: wa.de

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