Ausgangsbeschränkungen

Einschränkung des Bewegungsradius in NRW: Was die Corona-Maßnahme bringen soll

Die Einschränkung des Bewegungsradius in NRW wird hitzig debattiert. Doch was bringt die Corona-Maßnahme überhaupt? Das sagen Wissenschaftler.

Hamm - Bund und Länder haben die Maßnahmen im zweiten Lockdown verschärft, um die fortschreitende Ausbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen. Neu im Regel-Katalog: die Einschränkung des Bewegungsradius. Ab einer 7-Tage-Inzidenz von über 200 sollen Städte und Kreise etwa in NRW diese Maßnahme ergreifen können. Aber wie effektiv sind Ausgangsbeschränkungen? (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Einwohnerca. 17,9 Millionen
MinisterpräsidentArmin Laschet

Einschränkung des Bewegungsradius in NRW: Was bringt die Corona-Maßnahme?

Italien traf es im Frühjahr EU-weit am härtesten. Zu Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 verhängt das beliebte Reiseziel landesweit eine strenge Ausgangsbeschränkung. Die Menschen sollten ihre Häuser nur in Ausnahmen verlassen. Ein Bewegungsradius, der sich nicht etwa wie in NRW und dem Rest von Deutschland geplant auf mehrere Kilometer beschränkt, sondern nur auf das eigene Zuhause. Auch andere Länder griffen im Zuge der Pandemie zu dieser Maßnahme.

Auch Irland schränkte im Oktober 2020 den Bewegungsradius seiner Einwohner ein. Das Land ging in einen Shutdown, die Menschen durften sich nicht weiter als fünf Kilometer um ihren Wohnort aufhalten. Tatsächlich sanken die Corona-Infektionszahlen - wohlgemerkt im Zusammenspiel mit weiteren strengen Maßnahmen.

Einschränkung des Bewegungsradius in NRW: Corona-Maßnahme soll Tagesausflüge verhindern

Bei der Einschränkung des Bewegungsradius geht es im Sinne der Pandemie-Eindämmung um die Einschränkung der Mobilität der Menschen. Sie sollen keine Tagesausflüge machen, nicht den Freund in der nächstgelegenen Stadt besuchen. „Die Lage ist weiter ernst“, betonte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in seiner Begründung zu den verschärften Corona-Maßnahmen Anfang Januar.

Wichtig zu wissen: Der eingeschränkte Bewegungsradius von 15 Kilometern soll in NRW im Fall der Fälle um die eigene Stadt, nicht um die eigene Wohnung gelten. Bestimmte Tools im Internet zur Berechnung des eigenen Bewegungsradius zeigen: Wirklich eingeschränkt sind höchstens die Menschen auf dem Land. Wer beispielsweise im Ruhrgebiet lebt, kann in 15 Kilometern locker zwei Städte abklappern. Außerdem gibt es zahlreiche „triftige Gründe“ für Ausnahmen von der Regeln.

Einschränkung des Bewegungsradius in NRW: Das sagen Wissenschaftler zur Corona-Maßnahme

Wie effektiv ist also die Einschränkung des Bewegungsradius als Corona-Maßnahme? Zwei Studien kommen zu dem ernüchternden Ergebnis: Der Effekt bei der Reduzierung des Infektionsgeschehens ist relativ gering.

So kommen Forscher von der University of Oxford in ihrer Studie zu dem Schluss, dass die Einschränkung des Bewegungsradius an sich nur eine geringe Auswirkung auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens hatte, „wenn ein Land bereits Bildungseinrichtungen und nicht wesentliche Unternehmen geschlossen und Versammlungen verboten hatte.“ Die Studie untersuchte Daten aus 41 Ländern zwischen Januar und Ende Mai 2020.

Zu dem selben Schluss kommen auch Forscher der Universität Edinburgh. Sie veröffentlichten im Oktober 2020 ihre Studie im Fachmagazin „The Lancet“, in der sie Corona-Maßnahmen in 131 Ländern analysierten.

Einschränkung des Bewegungsradius in NRW: Was bringt die Corona-Maßnahme?

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) äußerte sich in der WDR-Sendung „westpol“ ebenfalls skeptisch zu der Einschränkung des Bewegungsradius. „Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass man damit viel erreichen wird“, sagte er. In seinen Augen würde es bessere Möglichkeiten geben. Auch der Städte- und Gemeindebund äußerte Zweifel an der Umsetzbarkeit und Wirksamkeit der 15-Kilometer-Regel*, berichtet ruhr24.de*.

Ein Wissenschaftler aus NRW widerspricht Stamp. Rolf Kaiser, Virologe an der Kölner Uniklinik, sagte dem WDR, dass Bewegungsbeschränkungen nicht nur Menschen, sondern auch das Virus treffen würden. Dem stimmte auch der Epidemiologe Dirk Brockmann zu. Er sagte: Auf einer kleineren Skala von „fünf Kilometern oder noch weniger“ habe die Maßnahme noch viel größere Effekte.

In der aktuell geltenden Corona-Schutzverordnung ist die Einschränkung des Bewegungsradius übrigens nicht enthalten. Am Montag (11. Januar) veröffentlichte die NRW-Landesregierung dann doch noch eine Corona-Regionalverordnung und setzte die umstrittene 15-Kilometer-Regel doch noch in einigen Corona-Hotspots in Nordrhein-Westfalen um. - *Ruhr24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa

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