Bewährungsstrafe für Betrug mit Bio-Geflügel

PADERBORN - Wenn er Lieferengpässe hatte, kaufte der Bio-Mäster massenweise "normales" Geflügel dazu und nannte es dennoch Bio. Das ist Betrug. Dennoch kam er jetzt mit einer Bewährungsstrafe davon.

Ein Geflügelmäster aus Delbrück, der 265 Tonnen gewöhnliches Geflügel als Bio-Ware verkauft hat, ist wegen Betruges verurteilt worden. Das Landgericht Paderborn verurteilte den 49-Jährigen am Donnerstag wegen Betrugs in 72 Fällen zu 22 Monaten Haft auf Bewährung. Davon werden vier Monate wegen der langen Verfahrensdauer abgezogen. Zudem muss er 300 Stunden Sozialarbeit leisten.

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Im Gegenzug hatte das Gericht mit Einverständnis der Anklage in Aussicht gestellt, eine Bewährungsstrafe zwischen 20 und 24 Monaten zu verhängen. Es ist ein Urteil im zweiten Anlauf. Der erste Prozess war vor drei Jahren wegen der Erkrankung einer Schöffin geplatzt.

Der Züchter aus Delbrück habe in den Jahren 2005 bis 2007 rund 265 Tonnen konventionell aufgezogenes Geflügel als teurere Bioware ausgegeben, sagte die Richterin, Margret Manthey. Der Schaden betrage grob geschätzt 720 000 Euro. Die Ermittlungen seien sehr problematisch gewesen. So lasse sich kaum beurteilen, welcher der mehr als 800 Abnehmer wann wieviel konventionelle Ware statt Bio-Fleisch erhalten habe.

Ebenso wie der Staatsanwalt Carsten Nowak hielt die Richterin dem Angeklagten zu Gute, hochwertiges Fleisch als "Ersatz" dazugekauft zu haben. Auch Nowak hatte betont, dieser Fall habe lange nicht die Dimension von Gammelfleisch-Skandalen.

Ursprünglich hatte die Anklage einen Schaden von 1,3 Millionen Euro und eine Menge von mindestens 400 Tonnen falsch deklarierten Fleisches genannt. Von diesen Schätzungen rückte die Staatsanwaltschaft aber ab und forderte am Ende zwei Jahre Bewährungsstrafe und 300 Sozialstunden. Der Angeklagte hatte angegeben, derzeit nur noch 600 Euro pro Monat zu verdienen.

Für den 49-Jährigen, der einst als einer der Pioniere der Bio-Mast galt, ist die Angelegenheit damit noch nicht beendet. Er hatte als Bio-Betrieb über die Landwirtschaftskammer erhebliche EU-Fördergelder erhalten. Die werden jetzt zurückgefordert. Vor dem Verwaltungsgericht Minden hatte der Mäster zwar Recht bekommen. Die Kammer will aber vor dem Oberverwaltungsgericht Münster eine Zulassung der Berufung erreichen.

Ehemalige Kunden könnten jetzt Entschädigung fordern. Dazu zählt etwa die Münchner Hühner- und Entenbraterei Ammer, die auf dem Oktoberfest ihre Bio-Ware teuer verkauft. Und ein Hersteller von Bio-Babynahrung startete nach Bekanntwerden des Skandals eine große Rückrufaktion. - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

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