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Betrug in Corona-Testzentren in NRW - Razzien im Sauerland

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Von: Hannah Decke

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Im Sauerland hat das LKA mehrere Corona-Schnelltestzentren und Wohnungen durchsucht. Ermittelt wird gegen Mitarbeiter eines Unternehmens. Es geht um Abrechnungsbetrug.

Hagen/Märkischer Kreis - Sie waren fast in Vergessenheit geraten, die Ermittlungsverfahren gegen Corona-Testzentren in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland. Im Frühjahr 2021 sorgte ein möglicher Abrechnungsbetrug bei mehreren Firmen, die privat mit Schnelltestzentren viel Geld verdienten, für Schlagzeilen. Jetzt teilten die Staatsanwaltschaft Hagen und das Landeskriminalamt NRW mit: Gegen Mitarbeiter eines Unternehmens aus Hagen, das Testzentren in Hagen und im Märkischen Kreis betreibt, läuft aktuell ein Ermittlungsverfahren.

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17,9 Millionen

Betrug in Corona-Testzentren in NRW - Razzien im Sauerland

Der Verdacht lautet gewerbsmäßiger Computerbetrug im Zusammenhang mit Corona-Schnelltestzentren. Das Unternehmen mit Sitz in Hagen betreibt insgesamt fünf Testzentren in Hagen, Menden, Lüdenscheid und Neuenrade.

„Das Verfahren richtet sich gegen drei männliche und zwei weibliche Beschuldigte im Alter zwischen 22-35 Jahren“, heißt es in der Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und LKA. Die Betroffenen würden im Verdacht stehen, nicht durchgeführte Tests abgerechnet und „das Vorliegen vergütungsrelevanter Tatsachen getäuscht zu haben, um Leistungen überhöht oder unberechtigt abzurechnen.“

Ermittler des LKA haben am Donnerstag (13. Januar) Firmenanschriften, Schnelltestzentren und Privatwohnungen in Hagen, Lüdenscheid, Menden, Neuenrade, Meinerzhagen, Essen und Dortmund durchsucht. „Dabei wurden umfangreiche Beweismittel in Form von Unterlagen und digitalen Speichermedien sichergestellt, die noch ausgewertet werden müssen“, teilten LKA und Staatsanwaltschaft mit. Verhaftungen habe es keine gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli auf Nachfrage der Redaktion.

Abrechnungsbetrug? LKA NRW durchsucht Corona-Testzentren in Hagen und im MK

Um welche Schadenshöhe es geht, wollte Pauli nicht sagen. So hielt sich die Staatsanwaltschaft mit weiteren Details zu dem Sachverhalt zunächst zurück. Die Ermittlungen dauerten an, hieß es dazu nur. Das Unternehmen steht bislang nicht im Verdacht, sich an den Betrügereien beteiligt zu haben.

Ein verwitterter Pfeil, der auf einem Gehweg in der Innenstadt liegt, weist den Weg zu einem Testzentrum, das gratis Corona-Schnelltest mit Zertifikat anbietet.
Ein verwitterter Pfeil, der auf einem Gehweg in der Innenstadt liegt, weist den Weg zu einem Testzentrum, das gratis Corona-Schnelltest mit Zertifikat anbietet. (Symbolbild) © Peter Kneffel/dpa

Dr. Heinrich-Georg Hassenbürger, Geschäftsführer des Unternehmens, betonte auf Anfrage, dass sich die Vorwürfe ausschließlich gegen die fünf Mitarbeitenden und nicht gegen seine Firma richteten. Die fünf Beschuldigten seien umgehend von ihrer Arbeit freigestellt worden. „Wir kooperieren zu mehr als 100 Prozent mit der Staatsanwaltschaft und sind als Unternehmen dankbar, dass diesen Vorwürfen nachgegangen wird“, sagte Hassenbürger.

Die Betrügereien seien in dem Zeitraum zwischen dem 11. Oktober und Mitte November 2021 geschehen, als die Bürgertests vorübergehend nicht mehr kostenlos für die Bevölkerung waren und die Mitarbeiter vor Ort in den Testzentren mit Bargeld hantiert hätten. In Neuenrade öffnete das Testzentrum des Unternehmens erst nach diesem Zeitraum. Eine Durchsuchung fand laut Oberstaatsanwalt Dr. Pauli am Donnerstag aber auch dort statt.

Nach Razzia im Sauerland: Testzentren geschlossen, aber nur vorübergehend

Alle Testzentren der Hagener Firma sind vorübergehend geschlossen, weil bei den Durchsuchungen unter anderem Computer und weitere Hardware sichergestellt wurde. „Wir möchten aber schnellstmöglich wieder öffnen“, sagte Geschäftsführer Hassenbürger. Weil die Vorwürfe sich nicht gegen das Unternehmen richteten, liege die Genehmigung des Märkischen Kreis zum Betrieb der Einrichtungen weiterhin vor.

Es geht also wie schon im Frühjahr 2021 um Abrechnungsbetrug. Damals hatten Recherchen von WDR, NDR und SZ die Abzocke mit Abrechnungen in den Corona-Testzentren in NRW aufgedeckt. Zurzeit wird ein Fall mit dem Testzentren-Betreiber Medican vor dem Landgericht Bochum verhandelt. Den Angeklagten wird vorgeworfen, über 900.000 Tests abgerechnet zu haben, die tatsächlich gar nicht durchgeführt worden sein sollen.

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