Einsturzgefahr - Tausende betroffen

Bergbaustollen bremst Zugverkehr im Revier aus

[UPDATE 17 Uhr] ESSEN - Tausende Bahnreisende und Pendler müssen im Ruhrgebiet Geduld aufbringen. Hohlräume aus dem Altbergbau im Bereich des Essener Hauptbahnhofs haben den Fahrplan aus dem Takt gebracht. Der Ärger ist noch nicht zu Ende.

Verspätungsmonitor

Hier können Sie sehen, welche Verspätung Ihr Zug hat

Ein einsturzgefährdeter Bergbaustollen bremst seit Mittwochabend den Zugverkehr im Ruhrgebiet aus. Experten hatten am Mittwoch bislang unbekannte Hohlräume aus dem Altbergbau nahe des Essener Hauptbahnhofs festgestellt. Um Risiken durch Bodenbewegungen ausschließen zu können, wurde der Bahnverkehr auf der vielbefahrenen Strecke Richtung Westen vorsichtshalber eingeschränkt. Hunderte Züge und Tausende Reisende waren von Verspätungen, Zugausfällen und Umleitungen betroffen. Die unterirdischen Hohlräume waren in 16 Metern Tiefe bei Untersuchungen eines Baugrundstücks entdeckt worden.

Die Hauptbahnhöfe in Essen, Bochum und Mülheim waren komplett vom Fernverkehr abgeschnitten, weil ICs und ICEs umgeleitet wurden. Überregional sei es aber kaum zu Behinderungen gekommen, sagte ein Bahnsprecher. Die meisten Züge im Regional- und Nahverkehr fuhren, mussten aber westlich des Essener Hauptbahnhofs über eine Strecke von rund 500 Metern Schrittgeschwindigkeit fahren. Allein bis Donnerstagmittag zählte die Bahn mehr als 550 verspätete Züge, sieben Züge fielen aus. Noch bis mindestens Freitag sei mit Einschränkungen im Großraum Essen zu rechnen, kündigte die Bahn an.

Die Bergbaubehörden wollen die Hohlräume schnellstmöglich mit Beton verfüllen. Am Donnerstag begannen sie mit den Arbeiten, um "Dauerstandsicherheit wiederherzustellen, damit es nicht widererwartend zu Setzungen im Berg kommt und Züge entgleisen könnten", so Andreas Nörthen, Sprecher der Bergbauabteilung der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg.

Kamerauntersuchungen hätten inzwischen gezeigt, dass der Stollen unter den Gleisen 2 Meter hoch und 80 Zentimeter breit sei. "In weiten Bereichen steht der Stollen noch offen und ist augenscheinlich stabil". Derzeit würden außerdem Bohrungen durchgeführt, die Aufschluss darüber geben sollen, wie genau es unter der Oberfläche aussieht. "Solange wir das nicht genau wissen, ist der Zugverkehr vorsichtshalber eingeschränkt", sagte Nörthen. Die Arbeiten werden mindestens bis Freitagmittag andauern.

Der gefährdete Bergbaustollen verläuft in der Nähe des Hauptbahnhofs im Bereich der viel befahrenen Gleise zwischen Essen und Mülheim. Bei Untersuchungen eines Baugrundstücks war der Eigentümer der Fläche auf Hohlräume unter der Erde gestoßen. Dass in der Nähe der Gleise ein alter Stollen verläuft, sei in Karten aus dem 19. Jahrhundert verzeichnet, sagte Nörthen, nicht jedoch, dass Hohlräume bis mindestens an die Gleise reichen. Die Bergbaubehörden gehen davon aus, dass dort in der Vergangenheit illegal Kohle abgebaut wurde. Daher sei der abgebaute Flöz nicht in den Grubenkarten dokumentiert.

Der Fall wird auch den Landtag in Düsseldorf beschäftigen. Die Grünen beantragten, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Unterausschusses Bergbausicherheit zu setzen. "Dieser Vorfall zeigt erneut, dass wir zu wenige Informationen über den Altbergbau im Ruhrgebiet haben", hieß es in dem Antrag.

Die CDU-Fraktion forderte die Landesregierung auf, Stellung zu den Behinderungen durch den Bergschaden und die volkswirtschaftlichen Schäden durch die Ausfälle zu nehmen. Auch ob künftig die Überwachung der Altbergwerke verstärkt werden müsse, solle überprüft werden, hieß es in einer Mitteilung. - lnw

Der WDR hat eine Übersicht über die betroffenen Bahnhöfe und Strecken zusammengestellt.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare