"Beerdigungstäter" finden Beute über Traueranzeigen

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DÜSSELDORF - Die Polizei spricht von einer niederträchtigen und perfiden Masche: Zwei Einbrecher sollen mit Hilfe von Todesanzeigen ihre Zielobjekte zwischen Aachen und Niederrhein ausgekundschaftet haben. Wahrscheinlich mehr als 20 Mal schlugen sie zu, während die Angehörigen bei der Beerdigung waren - und ihr Haus verwaist zurückließen.

Der Schaden beläuft sich auf insgesamt rund 40.00 Euro, wie die Düsseldorfer Polizei am Freitag bekanntgab. Zur Beute zählten Schmuck, Uhren, Bargeld und kleinere Elektrogeräte wie Handys oder Laptops.

Tags zuvor hatten die Ermittler die beiden Verdächtigen festgenommen. Nachdem die Männer am Donnerstag noch zwei Einbrüche begangen hatten, waren sie gerade dabei, ihr Diebesgut in einem Düsseldorfer Goldankaufladen zu verscherbeln.

Der Haupttäter - ein 54 Jahre alter Düsseldorfer - ist den Ermittlern seit langem bekannt: Er hat bereits 19 Vorstrafen wegen Eigentums- und Gewaltdelikten. Im Jahr 2004 wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er soll von den Einbrüchen seinen Lebensunterhalt bestritten haben.

Sein Komplize - ein 62-Jähriger aus dem Glücksspielmilieu - ist bisher nicht vorbestraft. Er fungierte als Fahrer, weil der Haupttäter laut den Ermittlern keinen Führerschein hat.

Die Ermittler kamen den beiden auf die Schliche, indem Erkenntnisse verschiedener Polizeibehörden zusammengetragen wurden. Das landesweite Konzept gegen Einbrecher sehe vor, die Fälle nicht mehr nur lokal zu bearbeiten, erläuterte Dieter Töpfer, Leiter des Einbruchsdezernates der Düsseldorfer Polizei. Der Haupttäter, der ebenso wie sein Komplize "teilgeständig" sei, müsse mit einer "empfindlichen Freiheitsstrafe" rechnen.

Auf das Konto der "Beerdigungstäter" gehen nach Erkenntnissen der Polizei insgesamt 22 Taten zwischen November 2013 bis Januar 2014: sieben Taten im Kreis Kleve, je vier in den Kreisen Viersen und Wesel, drei im Rhein-Kreis Neuss, zwei im Kreis Aachen sowie jeweils eine Tat im Kreis Heinsberg und in Düsseldorf.

Häufig hätten die Verdächtigen abgelegene Höfe heimgesucht. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Männer noch für weitere Taten verantwortlich seien.

Die Ermittler rieten bei Trauerfällen zur Vorsicht. Die eigene Traueranschrift solle man möglichst nicht veröffentlichen, sondern Post an die Anschrift des Bestatters schicken lassen. Auch sei zu empfehlen in Telefonbucheinträgen die Adresse wegzulassen. Für Trauernde sei es ein zusätzlicher Schlag, von der Beerdigung eines Angehörigen zu kommen und festzustellen, dass sie Einbruchsopfer geworden sind. - dpa

Quelle: wa.de

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