Tuttenbrocksee auch bei Hammern beliebt

Facebook-Erfolg in Beckum: Hunde baden wieder legal

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BECKUM/HAMM - Die Stadt Beckum hat das Badeverbot für Vierbeiner am Tuttenbrocksee gelockert: Künftig können sich Hunde in einer Flachwasserzone im nördlichen Teil des auch bei Hammern und Ahlenern beliebten Sees abkühlen. Diese Ausnahme haben Vertreter einer Facebook-Gruppe erwirkt. 

Der Tuttenbrocksee an der A2 in Beckum wird nach dem Umbau gut angenommen. Lediglich Hundebesitzer haben das muntere Treiben im kühlen Nass in den vergangenen Wochen mit gemischten Gefühlen beobachtet. Denn die Vierbeiner mussten draußen bleiben. Der See samt neuer Wakeboard-Anlage wurde eigentlich zur hundefreien Zone erklärt. Doch seit einer Woche ist zumindest an einer Stelle das Verbot von Bürgermeister Dr. Karl-Uwe Strothmann gelockert worden.

Erwirkt hat die Ausnahme von der Regel die Facebook-Gruppe „Beckumer helfen Beckumern“, in der aktuell 4939 Menschen aktiv sind, darunter auch etliche aus umliegenden Städten wie Ahlen, Hamm und Oelde. Bislang ist die Gruppe nicht politisch in Erscheinung getreten. „Wir haben wohl mal eine Spendenaktion initiiert“, überlegt Sarah Höttler, eine von fünf Administratoren der Facebook-Gruppe.

Kein Zurück, sondern Schritt nach vorn

Labrador Lennox misstraut dem Glück noch ein wenig, wie es scheint - der Labrador war einer der ersten Hunde, die sich in dieser Woche in die Fluten des Tuttenbrocksees stürzten. Und das ganz legal.

Anders als Gruppen, die für das erneute Etablieren eines Strandes für Mensch und Tier eintreten, wurde bei „Beckumern helfen Beckumern“ lediglich die Option erörtert, den Vierbeiner zur Abkühlung ins Wasser schicken zu können. Als nun die Schilder aufgestellt wurden, die auf das Badeverbot für Hunde hinweisen, bekundete die Gruppe Gesprächsbedarf und schrieb Bürgermeister Strothmann an. „Wir wollten erst einmal wissen, was überhaupt möglich ist und uns eingehende informieren“, erklärt Sarah Höttler, Besitzerin des Mischlings Lucy. Was folgte, war eine Einladung ins Beckumer Rathaus, der neben Höttler auch Jenny Glaubitz, Halterin von Labrador Lennox, folgte.

Die beiden Frauen kamen mit guten Nachrichten zurück: Künftig dürfen Hunde wieder in der Flachwasserzone im nördlichen Seebereich schwimmen. Dem zugestimmt haben der Angelsportverein, die am Tuttenbrocksee ansässige DLRGGruppe und die Geschäftsführer der Firma Twincable. Die Freude der Hundebesitzer über den Kompromiss mit sofortiger Wirkung war groß. Die Stadt verzichtet darauf, die Flachwasserzone einzugrenzen. Markierungsbojen oder ein Zaun sind nicht geplant.

Ob Hundebesitzer ihre Vierbeiner mit ins Wasser begleiten dürfen, dazu kam seitens der Stadt die Aussage, dass es an sich nicht vorgesehen sei, dass Menschen an der Hundebadestelle ebenfalls ins Wasser springen. Wenn nun jemand doch ein paar Schritte mit seinem Hund ins Wasser gehe, sei dies eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Das oberste Gebot sei die gegenseitige Rücksichtnahme und dass man sich in der Sicherheit nicht gegenseitig gefährde, sagt Gabriele Trampe.

So wird es nicht wieder werden: Spaß mit dem treuen Freund am Tuttenbrocksee, wie er vor dem Umbau war. Hier klicken zum Vergrößern.

Wenn etwa ein Angler seine Angel ausgelegt habe, sollte man seinen Hund nicht in dessen Richtung schicken, führt sie ein Beispiel für rücksichtsvollen Umgang miteinander an. Am See würden erwachsene Menschen aufeinandertreffen, „wir können jetzt nicht auf die Einhaltung von 100 Regeln beharren“, meint sie, und: „Wir hoffen, dass es sich einspielt.“

Die Verwaltung betont allerdings, dass das Hundeschwimmen auf den vereinbarten Bereich beschränkt bleiben muss. Im Bereich der Wasserskianlage besteht weiterhin absolutes Schwimmverbot für Mensch und Tier.

Sarah Höttler ist mit dem Ergebnis des Gespräches zufrieden. In Beckums Umgebung gebe es keine Alternative, und an heißen Tagen fahre man mit dem Hund nun einmal nicht kilometerweit im warmen Auto, um ihm Abkühlung zu verschaffen, sagt sie. Nach wie vor ist sie dankbar, dass das Anliegen der Hundebesitzer in der Facebook- Gruppe „Beckumer helfen Beckumern“ so unterstützt worden ist. Die in der Gruppe aktiven Hundebesitzern seien sich übrigens zuvor höchstens mal beim Spaziergang begegnet, ist Höttler positiv überrascht von der ungeahnten Gruppendynamik.

Der direkte Draht zum Bürgermeister könnte zudem erfreuliche Nebenwirkungen zeitigen: In dem Gespräch kam die Rede auch auf Hundefreilaufflächen. Sarah Höttler und ihre Mitstreiter wollten wissen, ob eine Einzäunung der Hundefreiflauffläche hinter dem Hellbach in Neubeckum möglich sei. Bürgermeister Strothmann versprach, sich darum zu kümmern. Zudem wolle er prüfen lassen, ob nicht auch in Beckum eine weitere Hundefreilauffläche geschaffen werden könne. „Der Bürgermeister hat sogar selbst Vorschläge gemacht, wo diese vielleicht angesiedelt werden könnte“, erzählt Höttler. - sf/amw

Hintergrund: Am Hundestrand

Möglichkeiten, Hunde legal schwimmen zu lassen und auch gleich noch selbst mit hinein zu hüpfen, gibt es in NRW nur wenige. Um zu größeren Hundestränden zu gelangen, sind weite Anfahrtswege erforderlich – etwa ins sauerländische Breckerfeld (Glörtalsperre), zum Kemnader See (Bochum) und zur Sechs-Seen-Platte bei Duisburg. Wer seinen Hund liebt, schreckt allerdings vor weiten Autofahrten durch die Hitze zurück. Der Steiner See bei Hiltrup ist bei Hundebesitzern beliebt, erlaubt ist das Vierbeiner-Baden dort allerdings – entgegen der weitläufig verbreiteten Meinung – nicht, da der See in einem Wasserschutzgebiet liegt.

Liebe Leser, sollten Sie in der Region weitere legale Möglichkeiten für Hundebesitzer kennen, dann schreiben Sie uns bitte an internet@wa.de (Stichwort Hundestrand) - wir werden Ihre Anregungen dann hier in den Artikel einbauen!

Quelle: wa.de

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