Bahn will mehr Platz im Regionalverkehr schaffen

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Ein- und Ausstieg fast als Schlachtgetümmel: der RE 1 zwischen Hamm und Aachen, hier in Essen. ▪

DÜSSELDORF ▪ Von Jörn Funke ▪ Montagmorgen, 7.45 Uhr, Mülheim Hauptbahnhof. Der Regionalexpress 1 hat die üblichen zehn Minuten Verspätung. Vom Bahnsteig drängeln die Pendler in die Wagen, an einen Sitzplatz ist erst gar nicht zu denken. Für die Reisenden an Rhein und Ruhr ist das Alltag. Mit einem neuen Regionalverkehrskonzept wollen Deutsche Bahn und Verkehrsverbünde dem Chaos auf der Schiene begegnen.

Der RE 1 trägt den klangvollen Namen „Nordrhein-Westfalen-Express“ und fährt von Hamm stündlich über Dortmund, Essen, Düsseldorf und Köln nach Aachen. Fünf Doppelstockwagen hängen hinter der Lokomotive, trotzdem ist der Zug im Berufsverkehr „immer gut voll“, wie Bahn-Sprecher Gerd Felser sagt. Am Donnerstag war es zwischen Köln und Düsseldorf sogar so voll, dass zwei Fahrgäste kollabierten. Auch an Wochenenden, wenn Fußballfans und Kegelclubs in die Wagen drängen, fühlen sich die Passagiere teils „wie im Viehtransporter“, wie ein Reisender schimpft.

Abhilfe soll ein neues Regionalverkehrskonzept schaffen, an dem Bahn, Verkehrsministerium und Verkehrsverbünde seit gut zwei Jahren arbeiten. Details sollen am 24. November bekannt gegeben, erste Teile mit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember umgesetzt werden.

Die wichtigste Rolle in den Planungen spielt der RE 1. Die Züge sollen künftig mit sechs statt mit fünf Wagen fahren. Außerdem wird die Linie von der bisherigen Endstation Hamm aus alle zwei Stunden nach Paderborn verlängert. Zwischen Hamm und Dortmund entfallen dann die Stopps an kleinen Haltepunkten, die Fahrt würde sich um neun Minuten verkürzen.

Eine neue Endstation bekommt auch der Rhein-Haardt-Express (RE 2), der derzeit von Münster über Essen und Duisburg nach Mönchengladbach fährt. Künftig geht es ab Duisburg nach Düsseldorf, um Münster direkt an die Landeshauptstadt und den Flughafen anzubinden. Die Züge sollen von vier auf fünf Wagen verlängert werden. Den bisherigen RE 2-Abschnitt von Duisburg nach Mönchengladbach übernimmt der Rhein-Hellweg-Express (RE 11), der dann statt in Paderborn bereits in Hamm endet.

13 neue Doppelstockwagen hat die Deutsche Bahn bereits bestellt, sie sollen allerdings erst zum Fahrplanwechsel im Dezember 2011 zur Verfügung stehen. Außerdem müssten die Lokomotiven aufgerüstet werden, um die längeren und schwereren Züge ziehen zu können, sagt Bahn-Sprecher Felser.

An einem Grundproblem können aber auch neue Linienverläufe nichts ändern: Einige Abschnitte sich jetzt bereits komplett ausgelastet. So fahren zwischen den beiden größten NRW-Städten Köln und Düsseldorf stündlich nur zwei Regionalzüge. Die Trasse sei durch Fernzüge komplett belegt, sagt Bahnsprecher Felser. Und das werde sich auf absehbare Zeit nicht ändern. Abhilfe schafft da nur der Umstieg in die teureren ICE- und Intercity-Züge. Oder ein Streckenausbau: Felser hofft auf den Rhein-Ruhr-Express. Die Finanzierung des Milliarden-Projektes gilt als nicht gesichert.

Quelle: wa.de

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