Prozess vor dem Hagener Schwurgericht fortgesetzt

Baby im Müllsack: Polizistin schildert emotional den Fund des Mädchens

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Vor dem Schwurgericht des Hagener Landgerichts sagte eine Polizistin als Zeugin aus.

Es ist ein hochemotionales Strafverfahren im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Hagen: Da ist auf der einen Seite der unbegreifliche Versuch, ein Neugeborenes wie Abfall zu entsorgen und zu töten. Auf der anderen Seite steht die Erleichterung über die wundersame Rettung des kleinen Mädchens. Beides zusammen ließ am Mittwoch (27. November) selbst eine Kriminalbeamtin um Fassung und Worte ringen.

Kierspe/Hagen – Sie war alarmiert worden, nachdem die Mediziner in Hellersen festgestellt hatten, dass die Angeklagte kurz zuvor ein Kind zur Welt gebracht haben musste. Mit einer Kollegin fuhr die 27-jährige Polizistin an die Wohnadresse der Kindsmutter und ging auf die Suche.

Offenbar war niemand aus dem Mehrfamilienhaus zuhause. „Mein Bauchgefühl sagte mir, das Kind liegt irgendwo in der Wohnung“, erinnerte sich die Zeugin. Dieser „Tunnelblick“ ließ sie nicht auf den Boden vor dem Haus schauen, wo ihre Kollegin Blutstropfen entdeckte.

Beim Absuchen des Grundstücks wurden die Frauen fündig: „Dann habe ich tatsächlich das Wimmern gehört – es war erst ganz leise.“

Baby zwischen Unrat in einem Müllsack

Die Polizistin erinnerte sich, wie sie den fest verknoteten Sack zunächst nicht entknoten konnte und ihn langsam aufriss. Zutage kam viel Unrat und mitten dazwischen ein zierliches Mädchen mit gut 2500 Gramm Geburtsgewicht, das in zwei Handtücher eingewickelt war. „Wir haben vorsichtig das Kind da rausgenommen.“

Es wies keine großen Verletzungen auf und landete zunächst unter einer Wärmedecke auf der Rückbank des Streifenwagens. „Bis der Rettungswagen kam, hatte ich das Kind auf dem Arm“, erinnerte sich die Zeugin.

Der Vorsitzende Richter Marcus Teich winkte verständnisvoll ab, als die Zeugin sich zum Abschied für die während der Vernehmung gezeigten Gefühle entschuldigte.

Allgemeinzustand des Babys stabil

Wie es nach der Fahrt mit dem Rettungswagen ins Kreisklinikum weiterging, berichtete die behandelnde Kinderärztin: Mit 31 Grad Körpertemperatur sei das kleine Mädchen stark unterkühlt gewesen.

Von ihrem Allgemeinzustand her habe sich die Kleine aber stabil gezeigt. Allgemein drohten bei starker Unterkühlung Atemprobleme und ein Herz-Kreislaufversagen.

Die Ärztin erinnerte daran, dass Neugeborene relativ schnell auskühlen. Die Ärzte stellten bei der Kleinen ein Hämatom an der Stirn fest. Möglicherweise hatte sie sich bei der Geburt beim Sturz in die Toilette den Kopf gestoßen. Oberflächliche Schürfwunden deuteten hingegen auf kleine Verletzungen durch leere Konservendosen in dem Müllsack hin, dem sie gerade entkommen war.

Prozess-Fortsetzung am 6. Dezember

Im Krankenhaus wurde die Kleine vorsichtig aufgewärmt und mit Nahrung versorgt. Dann ging es aufwärts: „Gab es im Nachhinein noch Probleme?“, wollte der Vorsitzende Richter wissen. „Gar nicht!“, erwiderte die Ärztin. „Es war ein sehr unkomplizierter Verlauf – die paar Tage, die sie bei uns war.“

Der Prozess vor dem Hagener Schwurgericht, der am 22. November begonnen hatte, wird am 6. Dezember fortgesetzt.

Darum geht es im tragischen Fall aus Kierspe

Eine 31-jährige Frau aus Kierspe muss sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts Hagen wegen einer versuchten Kindstötung verantworten. Sie hat zugegeben, dass sie ihre neugeborene Tochter am 14. Juni 2019 in einen Müllsack gesteckt und dadurch den möglichen Tod des Säuglings in Kauf genommen hatte.

Quelle: wa.de

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