Auslaufmodell Hauptschule - Tiefpunkt bei Schüleranmeldungen

NRW - Das neue Schuljahr in Nordrhein-Westfalen beginnt mit so wenig neuen Hauptschülern wie nie zuvor. Kurz vor Ferienende blickt die Schulministerin auf die Baustellen in der Schullandschaft.

Der Niedergang der Hauptschule hat einen historischen Tiefpunkt in Nordrhein-Westfalen erreicht. Zum neuen Schuljahr sinkt die Schülerzahl dort weit überdurchschnittlich um gut zehn Prozent auf rund 157 000. Der Negativtrend setze sich fort, sagte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Freitag in Düsseldorf. Insgesamt sinkt die Schülerzahl in der Sekundarstufe I nur um 2,3 Prozent.

Nach Angaben der Ministerin waren bereits im vergangenen Jahr erstmals weniger als zehn Prozent der Grundschulabsolventen auf eine Hauptschule gewechselt, während 41 Prozent das Gymnasium wählten. Die Übergangsquoten für das kommende Schuljahr liegen noch nicht vor.

Nach Ende der Ferien am kommenden Dienstag bieten rund 300 Bildungsstätten schulformübergreifendes Lernen an: die 42 neuartigen Sekundarschulen, 245 Gesamtschulen sowie 12 Gemeinschaftsschulen, die bereits seit Sommer 2011 als Schulversuch laufen.

"Das ist ein Schuljahr des Aufbruchs", sagte Löhrmann. Viele Weichenstellungen seien in Arbeit: Mehr Ganztagsunterricht, kleinere Klassen, individuelle Förderung, die Eingliederung Behinderter und islamischer Religionsunterricht. Nachhaltige Verbesserungen seien aber "nicht auf Knopfdruck" zu erreichen. Dafür müsse eher in Zehn-Jahres-Zeiträumen gedacht werden. Erst in dieser Woche war NRW in einer Bildungsstudie wieder ein schlechter 13. Platz im Ländervergleich attestiert worden.

Als erstes Bundesland führt NRW im kommenden Schuljahr islamischen Religionsunterricht ein. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Integration der 320 000 Schüler muslimischen Glaubens in NRW, unterstrich Löhrmann. Nach den Sommerferien beginnen 40 Fachlehrer an den ersten 44 Grundschulen, insgesamt rund 2500 muslimische Kinder zu unterrichten.

Eine weitere Baustelle ist das sogenannte Grundschulsterben infolge sinkender Schülerzahlen. Unmittelbar nach der Sommerpause will Löhrmann einen Gesetzentwurf in den Landtag einbringen, der niedrigere Mindestschülerzahlen für eigenständige Grundschulen und Kooperationen mit anderen Standorten vorsieht.

Mit dem neuen Schuljahr geht die Schülerzahl in NRW um 1,3 Prozent auf knapp 2,7 Millionen zurück. Die Zahl der Erstklässler verringert sich sogar um 7,2 Prozent auf rund 149 000. Die Zahl der Lehrerstellen sinkt um 378 auf 154 462. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die rot-grüne Landesregierung ein weiteres Vorziehen des Einschulungsalters gestoppt habe, erklärte Löhrmann.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft appellierte an die Landesregierung, Lehrerstellen, die in den nächsten Jahren frei würden, für kleinere Lerngruppen einzusetzen. Schließlich sei die Schüler-Lehrer-Relation in einigen Schulformen Nordrhein-Westfalens die schlechteste bundesweit. Auch andere Lehrerverbände forderten kleinere Klassen und die Angleichung der ungerechten Lehrerbesoldung. Die CDU-Landtagsfraktion kritisierte, für die versprochenen kleineren Klassen stelle die rot-grüne Regierung zu wenig neue Lehrer ein. - lnw

Quelle: wa.de

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