Zu hohe Infektionszahlen

Ausgangssperre in NRW: Gericht kippt Ausgangssperre im Märkischen Kreis

Im Märkischen Kreis, dem Corona-Hotspot von NRW, ist die Ausgangssperre am Freitag in Kraft getreten. Doch nicht lange, am Dienstag hat ein Gericht die Maßnahme gekippt.

Update vom 13. April, 12.38 Uhr: Zwölf Eilanträge hat es gegeben: Die Ausgangssperre im Märkischen Kreis ist durch eine Gerichtsentscheidung gekippt worden, wie come-on.de* berichtet. Die aktuelle 7-Tages-Inzidenz im MK liegt noch immer über 200. (News zum Coronavirus)

LandkreisMärkischer Kreis
KreisstadtLüdenscheid
Einwohner412.120 (2019)

Ausgangssperre: NRW-Kreis zieht radikal die Corona-Notbremse - Supermärkte schließen früher

Märkischer Kreis - Die bisher getroffenen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus haben im Märkischen Kreis keine nachhaltige Wirkung gezeigt. Obwohl der Landkreis in Nordrhein-Westfalen die Maßnahmen bereits vor Wochen verschärft hat, wollen die Infektionszahlen einfach nicht sinken. Wie come-on.de* berichtet, zieht die Kreisverwaltung eine noch radikalere Notbremse: Es wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Die Ausgangssperre im Märkischen Kreis gilt ab Freitag, 9. April, in der Zeit von 21 bis 5 Uhr. Eine Ausnahme gilt etwa für Berufstätige sowie Menschen mit anderen triftigen Gründen, zum Beispiel in medizinischen Notfällen, bei der Versorgung von Tieren oder beim Besuch von Ehegatten oder Lebenspartnern in deren Wohnung. Der Märkische Kreis hat am Donnerstagabend eine ausführliche Pressemitteilung mit den Erläuterungen der neuen Corona-Maßnahmen veröffentlicht*. Für Verstöße drohen Strafen bis zu 25.000 Euro Bußgeld.

Nach Inkrafttreten der neuen Allgemeinverfügung herrschte Chaos und Unsicherheit*, denn die Formulierungen sind etwa mit Blick auf Schließungen von Handel und Gastronomie sehr unbestimmt.

Auf Nachfrage sagte der Märkische Kreis: „Eine Schließung ist vom Kreis nicht vorgegeben. Es bleibt jedem Geschäft selbst überlassen, zu entscheiden, ob es geöffnet bleibt oder geschlossen wird.“ Generell sei sogar ein Verkauf nach 21 Uhr möglich. Bürger dürften sich jedoch für diesen Zweck nicht aus der Wohnung begeben, heißt es vom Kreis. Supermärkte wie ReweNetto oder Hit, die zuletzt bis 22 Uhr geöffnet waren, schließen am Freitag nun bereits um 21 Uhr.

Derweil gab es am Freitag (9. April) schon erste Eilanträge von Bürgern, die gegen die Ausgangssperre im Märkischen Kreis vorgehen wollen*.

Ausgangssperre: NRW-Kreis zieht radikal die Corona-Notbremse

Zunächst hatte der Märkische Kreis auch angekündigt, die Schulen nach den Osterferien erst einmal geschlossen zu halten - dem kam das Land NRW aber mit einer allgemeinen Regel zum Distanzunterricht zuvor.

Wie sich nächtliche Ausgangssperren auf die Mobilität auswirken, hat ein Forscher-Team aus Mitgliedern der Projektgruppe Computational Epidemiology am Robert Koch-Institut (RKI) und der Research on Complex Systems Group (ROCS) am Institut für Theoretische Biologie und IRI Life Sciences der Humboldt-Universität zu Berlin untersucht. Der Effekt dürfte demnach überschaubar sein.

Ausgangssperre: Radikale Corona-Notbremse im NRW-Hotspot Märkischer Kreis

Der Märkische Kreis war wochenlang in NRW der Hotspot Nummer 1. Vor allem die Kreisstadt Lüdenscheid ragt mit einem hohen Inzidenzwert heraus. Am Donnerstag (8. April) lag er laut Kreisangaben bei 359,5. Die kreisweite 7-Tage-Inzidenz war zuletzt gesunken (179,2). Allerdings weist das Robert-Koch-Institut darauf hin, dass über die Osterfeiertage meist weniger Personen einen Arzt aufsuchen, wodurch weniger Proben genommen werden.

Mit der Ankündigung, die Corona-Notbremse noch radikaler zu ziehen, greift der Märkische Kreis womöglich dem nächsten Bund-Länder-Treffen am Montag (12. April) vor. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte sich zuletzt für einen „Brücken-Lockdown“ ausgesprochen und auch Kanzlerin Angela Merkel möchte härter durchgreifen - und dabei sogar die Länder entmachten.

Verschärfte Corona-Regeln in NRW: Landkreis hat schon früh die Notbremse gezogen - mit wenig Erfolg

Der Märkische Kreis hatte mit Inkrafttreten der neuen Corona-Schutzverordnung am 29. März die Notbremse gezogen, allerdings nicht von der Test-Option Gebrauch gemacht. Per Allgemeinverfügung ordnete der Kreis an*, dass viele Einzelhändler, Möbelhäuser und Baumärkte wieder schließen müssen. Click & Meet ist seitdem nicht mehr möglich.

Auch bei den Kontakt-Regeln hatte der Landkreis bereits härter durchgegriffen als andere Regionen in Nordrhein-Westfalen. So gilt auch im privaten Bereich eine Beschränkung: Treffen zuhause sind nur mit einer Person eines anderen Hausstandes erlaubt.

Wer im Märkischen Kreis zum Friseur gehen möchte, muss entweder vor Ort in Anwesenheit der Mitarbeiter des Friseursalons einen Selbsttest durchführen oder einen maximal 24 Stunden alten Corona-Schnelltest vorlegen, der an einer Teststelle gemacht wurde. In anderen Regionen in NRW kann der Friseurbesuch ohne negativen Test erfolgen.

Hotspot im Märkischen Kreis: Viele Corona-Infektionen in Lüdenscheid - warum?

Im Hotspot Lüdenscheid wurde die Maskenpflicht verschärft*. Die in der Innenstadt geltende Maskenpflicht wurde auf Nebenzentren ausgeweitet. Außerdem heißt es in einer Allgemeinverfügung, dass die Maske in den Bereichen nur für eine medizinische Notwendigkeit abgenommen werden darf - also nicht etwa fürs Essen, Trinken oder Rauchen.

Warum die Corona-Lage in Lüdenscheid so angespannt ist, konnte der Märkische Kreis bislang nicht eindeutig erklären. Eine Spurensuche hat zumindest Hinweise zutage gefördert, warum die Zahlen in Lüdenscheid so hoch sind*. - *come-on.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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