Außergewöhnlicher Fund bei Ausgrabungen in Neu-Listernohl

„Ein sensationeller Fund“: Bislang älteste Siedlung im Sauerland entdeckt

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Dr. Eva Cichy, Referentin der LWL-Archäologie Westfalen stellt den besonderen Fund in Neu-Listernohl vor. Rechts im Bild: eine Beispielfoto, wie die Siedlung ausgesehen haben könnte.

Attendorn – Bei archäologischen Ausgrabungen in einem Baugebiet bei Neu-Listernohl haben Experten, die mit der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen zusammen arbeiten, Grundrisse eines Hofes aus der vorrömischen Eisenzeit entdeckt.

„Das ist ein sensationeller Fund für das Sauerland“, sagte Dr. Eva Cichy, Referentin der LWL-Archäologie Westfalen im Rahmen einer Pressekonferenz vor Ort. Es sei das erste Mal, dass es diese Art Fund überhaupt in der Region gibt. „Es ist selten, dass ganze Grundrisse erhalten sind, da viele Gebäude durch Bodenerosion und Ackerbau zerstört werden.“ 

Mit diesem Fund konnten nun die Annahmen und Vermutungen über eine Siedlung bestätigt werden, die im Frühjahr nach ersten Funden bereits im Raum standen. Neben den Pfostengruben des Hofes, wurden noch ein Brunnenschacht von 2,5 Meter Tiefe, Kalkbrennöfen, Müllgruben, sowie Keramikscherben gefunden. Auch diese Scherben, die zu einem großen Fass gehören, seien aufgrund ihrer Größe eine weitere Besonderheit und werden auf die Jahre 100 bis 200 vor Christi Geburt geschätzt. Um eine genauere Datierung vornehmen zu können, werden nicht nur die Scherben, sondern ebenfalls die anderen Fundstücke geborgen. Die Archäologen des LWL interessieren sich ebenfalls für die weitere Bergung der Müllgruben. Anhand des Abfalls lässt sich erkennen, wie die Menschen damals gelebt haben. 

Alle Fundstücke werden am Ende der Ausgrabung gereinigt, beschriftet, ausgewertet und archiviert. Zudem besteht die Möglichkeit die Stücke später in Ausstellungen zu präsentieren. „Archäologische Untersuchungen sind immer Zerstörung“, erklärte Dr. Cichy die Arbeit der Archivierung und Sicherung. Schließlich werden alle Fundstücke ins Magazin aufgenommen und von der Ausgrabung bleiben nur noch Aufzeichnungen und Fotos übrig. 

Bereits zum Zeitpunkt der Funde im Frühjahr in Fernholte war die Vermutung groß, dass in eben diesem Randbereich der Stadt Attendorn eine Siedlung zu finden sein könnte. „Hier in Neu-Listernohl hat uns jedoch die Geländesituation aufmerksam gemacht: Fruchtbare Böden und die Nähe eines Fließgewässers waren schon immer für Siedler attraktiv“, erklärte Dr. Eva Cichy. Die Gesetzänderung von 2013 vereinfachte es den Archäologen, ihrem Verdacht nachzugehen. Schon bei der ersten Probegrabung im Frühjahr stießen die Forscher auf einen Fund und erweiterten die Ausgrabungsstätte. Notwendig war dieser Schritt geworden, da die Stadt Attendorn das Areal großflächig umbauen will. 

Bereits im Frühjahr 2018 waren im Bereich Fernholte Funde aufgetaucht, die eine frühe Besiedlung des Bereiches für die Zeit zwischen 800 vor Christus und Christi Geburt belegen. Auf einer 20 Hektar großen Fläche fanden Archäologen einer Fachfirma zahlreiche Pfostenlöcher -  die letzten Zeugen längst vergangener Holzhäusern, in denen die Menschen gelebt haben.

Unterstützt wurde der LWL dabei von Grabungsleiter Jonathan Nekes der archäologischen Fachfirma und seinen Kollegen aus Dortmund.

Quelle: wa.de

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