Minister Groschek besucht Münster nach Unwetter - Stellwerk Greven repariert

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NRW-Städtebauminister Michael Groschek (SPD) schaut sich in Münster nach dem Hochwasser im am stärksten betroffenen Stadtteil Kinderhaus in einem Schwimmbad um.

[Update 16 Uhr] DÜSSELDORF/MÜNSTER - Die Aufräumarbeiten in Münster dauern noch Monate, die Stadt arbeitet die Gründe für die zahlreichen Schäden nach dem Unwetter von Ende Juli jetzt gründlich auf. Das Ergebnis soll allen im Land helfen und aufzeigen, was beim Städtebau falsch läuft.

Nach den schweren Unwetterschäden in Münster mit mehreren zehntausend betroffenen Haushalten soll die Aufarbeitung durch die Stadt jetzt als Vorlage für andere Städte in NRW dienen. "Münster ist eine Lehre, die wir nicht vergessen dürfen", sagte NRW-Städtebauminister Michael Groschek (SPD) am Mittwoch nach einem Besuch im besonders hart getroffenen Stadtteil Kinderhaus. Wenn Münster mit der Analyse fertig sei, soll das Ergebnis anderen Städten dabei helfen, in Zukunft Schadensminimierung zu schaffen, sagte Groschek. Er kündigte eine Sondersitzung des "Bündnis für Wohnen" zu diesem Thema an.

Münsters Stadtdirektor Hartwig Schultheiß zeigte sich über Pannen in der Infrastruktur entsetzt. Durch den Stromausfall in der Stadt hätten auch die Pumpen im Kanalsystem nicht mehr gearbeitet. "Da müssen wir überlegen, was wir da verbessern können", sagte Schultheiß. Nach Angaben der Stadt müsse jetzt eine Woche nach dem Unwetter mit historischen Regenmengen die dreifache Menge des sonst in einem Jahr anfallenden Sperrmülls beseitigt werden. Hilfe bekommt die Stadt dabei aus dem Münsterland und Ruhrgebiet. Betroffen in Münster sind alle Stadtteile.

Sperrmüll aus überfluteten Kellern steht am Dienstag in Münster an einer Straße. Eine Woche nach den Rekord-Regenfällen mit zwei Toten in Münster sind noch immer nicht alle Schäden beseitigt.

Nach Auskunft des Versicherers Provinzial Nordwest liegen dem Unternehmen bislang rund 14 000 gemeldete Schäden vor. "Betroffen ist eine Schneise von Münster über den Norden der Stadt bis Greven. Die Schadenshöhe liegt bei mindestens 67 Millionen Euro", sagte Sprecher Jörg Brokkötter auf Anfrage. Er rechnet aber mit einer noch höheren Zahl, denn bislang liegen nur die gemeldeten und geschätzten Großschäden vor. "Was wirklich auf uns zukommt, stellt sich dann erst später heraus", so Brokkötter.

Nach den schweren Unwettern der vergangenen Wochen können Hausbesitzer und Unternehmen in Münster und Umgebung jetzt Förderdarlehen für die Beseitigung der Schäden beantragen. Das Geld werde von der NRW.Bank bereitgestellt, teilte Groschek in Münster mit. Betroffene könnten damit "sehr schnell über das notwendige Geld verfügen, um ihre vier Wände wieder bewohnbar zu machen", sagte der Minister laut Mitteilung.

Private Hausbesitzer können Fördermittel erhalten, die eigentlich für die Energiesparmaßnahmen bei Wohnhäusern vorgesehen sind. Der Mindestdarlehensbetrag beträgt 2500 Euro, maximal können 75 000 Euro beantragt werden. Der mittlere Zinssatz für ein zehnjähriges Darlehen beträgt nach Angaben einer Sprecherin 1,7 Prozent.

Gewerbetreibende können ein Darlehen von maximal 10 Millionen Euro beantragen, um beschädigte Maschinen zu ersetzen oder um Aufräum- und Reinigungsarbeiten zu finanzieren. Für sie beträgt der mittlere Zinssatz den Angaben zufolge 2,5 Prozent. Anträge müssen über die jeweilige Hausbank gestellt werden.

Kritik an diesem Angebot äußerte der Landtagsabgeordnete Thomas Sternberg (CDU) aus Münster. "Günstige Kredite sind zurzeit auch bei den Banken zu bekommen. Sie helfen denen nicht, die durch ihren Hausbau bereits jetzt hoch verschuldet sind", sagte Sternberg laut Pressemitteilung. Er fordert finanzielle Hilfen aus Düsseldorf. "Die Hilfe für die Stadt Münster ist eindeutig Sache des Landes", sagte der CDU-Politiker.

Die Stadt Münster hat ein Soforthilfeprogramm auf die Beine gestellt. Berechtigt sind Betroffene, die keine Versicherung gegen die Hochwasserschäden abgeschlossen haben und gleichzeitig die Notsituation nicht aus eigenen Mitteln bewältigen können. Bis Mittwoch wurden rund 2000 Anträge durch Sozialamt und Jobcenter bewilligt.

Der Starkregen hatte auch das Stellwerk Greven der Bahn beschädigt. Ab Donnerstag läuft der Zugverkehr zwischen Münster und Rheine wieder wie geplant. Die Reparaturen wurden nach Angaben der Bahn am Mittwoch beendet. Durch das Unwetter war es im nördlichen Münsterland zu Einschränkungen im Zugverkehr gekommen. Eine Regionalbahn fiel neun Tage lang aus. Busse ersetzten einen Regionalexpress zwischen Münster und Rheine. Alle anderen Verbindungen liefen planmäßig weiter. - dpa

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Quelle: wa.de

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