500 Asylbewerber sollen in früheres Krankenhaus

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Das ehemalige Krankenhaus soll zur Unterkunft für Asylbewerber werden.

WICKEDE - NRW will in einem früheren Krankenhaus in Wickede am Rande des Sauerlands rund 500 Asylbewerber unterbringen. Doch die Gemeinde wehrt sich. Obwohl noch gestritten wird, könnten bald die ersten Flüchtlinge einziehen.

Das Unkraut auf dem Gelände des ehemaligen Marienkrankenhauses in Wickede wuchert hüfthoch. Seit der Schließung des Hauses am Rande des Sauerlands Ende 2011 hat sich wohl niemand darum gekümmert. Nur ab und zu tönt Kindergeschrei vom Spielplatz der Kindertagesstätte nebenan zu dem gespenstisch ruhigen, leer stehenden Gebäudekomplex herüber. Das könnte sich schon bald ändern: Das Land will hier Hunderte Flüchtlinge unterbringen - erst einmal nur für wenige Tage, dann für bis zu drei Monate. Ein Plan, der in dem kleinen Ortsteil Wimbern schon lange für Unbehagen sorgt. Proteste wie zurzeit in Berlin-Hellersdorf gab es zwar bislang nicht.

Der Konflikt zwischen Gemeinde und Land schwelt aber schon seit Ende 2012, als die Bezirksregierung Arnsberg das frühere Krankenhaus anmietete. Der Plan: eine zentrale Unterbringungseinrichtung für rund 500 Asylbewerber. "Das traf uns total überraschend", erinnert sich Ortsvorsteher Edmund Schmidt. "Für einen Ort mit knapp 840 Einwohnern sind 500 Asylbewerber nicht tragbar. Da stimmt das Verhältnis nicht", sagt Schmidt. Zudem fehle dafür die Infrastruktur, sagt Christian Meier, Mitglied im Ortsvorstand: "Wir haben nur eine Schützenhalle, zwei Kneipen und einen Zigarettenautomaten." Der nächste Supermarkt und Arzt sind rund zwei Kilometer entfernt.

Sorgen machen sich die Anwohner auch um die Sicherheit am Ort. "Wir haben absolut nichts gegen Ausländer", sagt Meier. "Aber wenn viele Nationen hier auf so engem Raum zusammen kommen, kann es schnell zu Konflikten kommen." Die Regierung beschwichtigt: Ein 24-Stunden-Wachdienst und ein Zaun um das Gelände seien vorgesehen.

Wickedes Bürgermeister Hermann Arndt ist dennoch klar gegen die Pläne. Den Antrag der Bezirksregierung auf Änderung der Nutzung des Geländes hat die Gemeinde abgelehnt. Alles deutet auf eine gerichtliche Auseinandersetzung hin. "Ich rechne damit, dass beide Seiten ihre rechtlichen Möglichkeiten voll ausschöpfen werden", sagt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung. Ob die Gemeinde tatsächlich klagen wird, will Arndt sich vorerst offenhalten.

Obwohl eine Entscheidung noch aussteht, könnten in Kürze erste Flüchtlinge einziehen. Angesichts steigender Asylbewerberzahlen und nahezu komplett ausgelasteter Unterkünfte in Nordrhein-Westfalen soll im früheren Krankenhaus zunächst eine Notunterkunft entstehen.

Bis zu 450 Menschen sollen dort Platz finden, wo früher rund 250 Patienten untergebracht waren - in mehrstöckigen Betten. "Das ist kein Luxushotel, sondern eine Notunterkunft", sagt der zuständige Dezernent der Bezirksregierung, Peter Ernst. Es solle eine "reine Schlaf- und Versorgungsunterkunft" für wenige Tage sein. Registrierung und ärztliche Untersuchung der Asylsuchenden sollen in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Dortmund und Bielefeld stattfinden. Die können selbst kaum mehr Menschen aufnehmen.

Die Menschen in Wickede fürchten, dadurch werde quasi ein Heim "durch die Hintertür" eingerichtet - Bedenken, die laut Regierung unbegründet sind. Man dürfe aber nicht zulassen, dass die Asylbewerber obdachlos würden, sagt Ernst. "Es spricht (...) viel dafür, dass im September die ersten Flüchtlinge kommen könnten."

Richtig Klarheit darüber, ob und wann die Notunterkunft bezogen wird, gibt es noch nicht. Die Vorbereitungen für die potentiellen Ankömmlinge haben aber schon begonnen. Elektriker und Fachleute für Heizung und Sanitär sind vor Ort. Erste Rollläden an den Zimmern sind hochgezogen, um wieder Licht in das Gebäude zu lassen, und Reinigungstrupps sorgen für Sauberkeit. Nur um den Wildwuchs hat sich bislang noch niemand gekümmert. - dpa

Was genau in dem Gebäude Wickede-Wimbern passieren soll, lesen Sie auf den Seiten unseres Partnerportals, dem Soester Anzeiger.

Quelle: wa.de

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