Ascheberg soll erste Gemeinschaftsschule in NRW erhalten

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In welcher Schule sollen unsere Kinder lernen? Ascheberg möchte die erste Gemeinschaftsschule in NRW durchsetzen. ▪

DÜSSELDORF ▪ Noch gibt es nicht einmal ein neues Schulgesetz und damit auch nicht die von der rot-grünen Landesregierung geplante neue Schulform der Gemeinschaftsschule. Und dennoch hat NRW-Schulminsterin Sylvia Löhrmann (Grüne) der münsterländischen Gemeinde Ascheberg gestern eine Art Vorab-Genehmigung erteilt:

„Ich bin von den Anstrengungen, die Ascheberg bei der Erarbeitung seines Antrags unternommen hat, sehr beeindruckt. Der Antrag dürfte bald genehmigt werden können“, sagte Löhrmann. Der Antrag entspreche in großen Teilen den im Koalitionsvertrag formulierten Zielen.

Das ist leichter gesagt als getan: Bis eine gesetzliche Grundlage geschaffen ist, werden wohl noch Monate vergehen, – einmal vorausgesetzt, der Minderheitsregierung gelingt es überhaupt, im Landtag eine Mehrheit für ihr Schulgesetz zu bekommen. Löhrmann sieht offenbar keine unüberwindbare Hürde. Immerhin soll die erste Gemeinschaftsschule in NRW ja auch erst im Schuljahr 2011/12 an den Start gehen.

Die Gemeinde Ascheberg hatte die von ihr genannte „Profilschule“ bereits im Oktober 2009 beim Schulministerium beantragt. Die Genehmigung war ihr aber von der alten Landesregierung versagt worden. Geplant ist eine gemeinsame Gemeinschaftsschule der Nachbarorte Ascheberg, Herbern und Davensberg. Vor Ort sehen alle Akteure in dem Projekt die einzige Chance, aufgrund der demografischen Einbrüche bei den Anmeldezahlen überhaupt weiterhin ein Angebot einer weiterführenden Schule aufrecht zu erhalten. Bislang gibt es eine Realschule in Ascheberg und eine Hauptschule in Herbern. In Davensberg gibt es heute schon keine weiterführende Schule mehr. Alle Fraktionen in den Gemeinderäten stimmten für die Profilschule, die ihren Schülern bei entsprechender Qualifikation am Ende der Klasse 10 auch einen Platz in einer gymnasialen Oberstufe garantieren wird.

Der Antrag ist im übrigen unterschrieben von Aschebergs Bürgermeister Bert Rischhaus, – der ist CDU-Politiker. Seine Parteifreunde in Düsseldorf haben wenig Verständnis dafür. CDU-Schulexperte Thomas Sternberg warnte vor einem „Herumexperimentieren an einer gewachsenen und gelebten Schullandschaft“. Die bewährten Strukturen in Ascheberg und den Umlandgemeinden dürften nicht gefährdet werden. FDP-Bildungsexpertin Ingrid Pieper-von Heiden sprach von einem „qualitativ fragwürdigen Schulexperiment“ und einem „unwissenschaftlichen Feldversuch“. Nicht einmal die Standards der neuen Schulform seien bislang geklärt.

Die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßte unterdessen die Vorab-Zusage an Ascheberg als „erfreuliches Signal“: „Wir sind stolz, dass das, was wir 2005 als Konzept aus der Taufe gehoben haben, nun Wirklichkeit wird“, sagte Vorsitzender Udo Beckmann. Die Gemeinschaftsschule sei ausgerichtet auf die pädagogischen, gesellschaftlichen und sozialen Erfordernisse in dieser Zeit. ▪ DETLEF BURRICHTER

Info Gemeinschaftsschule:

Gemeinschaftsschulen sollen laut Koalitionsvertrag bestehende Schulen zusammenführen und sind Ganztagsschulen, die gymnasiale Standards einschließen. In den Klassen 5 und 6 findet für alle Schüler gemeinsamer Unterricht statt. Schule, Schulträger und Eltern entscheiden darüber, wie es ab Klasse 7 oder später weitergeht: Entweder werden integrierte Lernkonzepte weitergeführt oder es wird nach Bildungsgängen differenziert. Am Ende der Klasse 10 können alle Schulabschlüsse der Sekundarstufe I erreicht werden. Jede Gemeinschaftsschule ist mit einer SEK II verbunden. Das kann eine gymnasiale Oberstufe am Standort sein, ein Oberstufenzentrum oder eine Kooperation mit Gesamtschule, Gymnasium oder Berufskolleg. ▪ dfb

Quelle: wa.de

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