Armut im Ruhrgebiet: Jedes vierte Kind ist arm

DÜSSELDORF - Der Paritätische Wohlfahrtsverband ist besorgt über die Kinderarmut im Ruhrgebiet. Durchschnittlich jedes vierte Kind unter 15 Jahren ist im Ruhrgebiet von Hartz IV betroffen, teilte der Sozialverband am Mittwoch mit.

Die Stadt Gelsenkirchen liege mit einer Quote von 34,4 Prozent sogar noch knapp einen Prozent über Berlin, das im Vergleich der Bundesländer den höchsten Anteil der Kinder hat, die von Hartz IV leben.

Im Ruhrgebiet gibt es laut dem Hauptgeschäftsführer des Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, nicht eine Stadt, in der zwischen 2005 und 2010 ein Rückgang oder wenigstens Stagnation zu erkennen wäre. Besonders viele Kinder, die von Hartz IV betroffen sind, leben mit 31 Prozent in Essen und mit 29 Prozent in Duisburg. Mehr als jedes vierte Kind lebt auch in Dortmund (29 Prozent), Herne (28 Prozent), Oberhausen (27 Prozent) und Hamm (27 Prozent) von Hartz IV.

Nach einer Hochrechnung des Verbands, die sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamts bezieht, liegt die Quote der Kinder, die in Nordrhein-Westfalen Hartz IV beziehen, bei 17,6 Prozent. Im Bundesschnitt leben 14,9 Prozent der Kinder und damit jedes siebte Kind von Hartz IV.

„Die vom Paritätischen Wohlfahrtsverband vorgestellten Zahlen sind alarmierend: Die Kinderarmut verharrt auf hohem Niveau“, kommentierten die nordrhein-westfälischen Grünen den Befund. Der Fraktionsvorsitzende Sven Lehmann erklärte: „Die Tatsache, dass die Hartz-IV-Quote von Kindern im Ruhrgebiet höher ist als in Ostdeutschland, verlangt neue Antworten.“ Fördermittel müssten künftig nach Bedürftigkeit und nicht mehr nach Himmelsrichtung vergeben werden. „Der jetzige Regelsatz bei Hartz IV reicht nicht aus, um Kinder gesund zu ernähren.“

Auch der Sozialverband hatte kritisiert, dass es mit Regelsätzen zwischen 219 und 287 Euro unmöglich sei, ein Kind angemessen über den Monat zu bringen. Hauptgeschäftsführer Schneider forderte eine Erhöhung der Regelsätze um bis zu 25 Prozent.

NRW-Sozialminister Guntram Schneider sieht die Ursache für die hohe Kinderarmut im Ruhrgebiet in der hohen Langzeitarbeitslosigkeit. Es sei sehr schmerzlich, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung 300 Millionen Euro an Eingliederungsmitteln für Langzeitarbeitslose in NRW gestrichen habe. „Diese 300 Millionen fehlen uns auch in diesem Jahr wieder“, sagte Schneider.

Die sozialpolitische Sprecherin der Grünen, Andrea Asch, kommentierte, dass in Nordrhein-Westfalen jede zweite Alleinerziehende auf Hartz IV angewiesen ist und betonte, dass die rot-grüne Landesregierung die Ausgaben für die Kindertagesbetreuung seit 2010 um die Hälfte erhöht habe. Gerade Alleinerziehende seien auf diese Plätze angewiesen. „Deshalb müssen nun alle Kräfte gebündelt werden, um deren Ausbau schneller voranzutreiben.“ - dapd

Quelle: wa.de

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