Arktische Gänse sind im Winterquartier am Rhein Touristenattraktion

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Wildgänse suchen nahe eines Bauernhofs bei Bislich nach Futter. Bitterkalt ist es am Niederrhein, aber für die Gäste aus Sibirien ist das hier wie Urlaub auf Gran Canaria.

KRANENBURG - Der Niederrhein ist Winterquartier für arktische Wildgänse. In Scharen fliegen sie im Herbst aus Sibirien ein. Die Exoten aus dem hohen Norden sind eine Attraktion geworden. Hobby-Vogelkundler zieht es zu den Rastplätzen von Blässgans und Singschwan.

Über dem Niederrhein liegt ein Hauch von Sibirien. An die 200 000 Wildgänse aus der Tundra überwintern derzeit in dem flachen Landstrich am Rhein. Die auffälligen Wintergäste sind nicht zu übersehen zwischen Wesel und den Niederlanden. Mal flattern sie in kleiner Formation über den Himmel, dann lassen sich mehrere tausend gleichzeitig auf einer grünen Wiese nieder. Trotz eisiger Temperaturen – der hiesige Winter ist einladend für die aus dem Permafrost kommenden Wildgänse.

Peter Malzbender, Vogelfachmann beim Naturschutzbund Nabu aus Wesel, sagt: „Hier ist das für die wie für uns auf Gran Canaria.“ Ein kühner Vergleich für die gefrorenen Äcker, aber Massentourismus ist es schon.Der Niederrhein ist das wichtigste Überwinterungsgebiet für die arktischen Vögel westlich der Elbe. Seit den 1960er Jahren fliegen die Wildgänse nach einem bis zu 6 000 Kilometer langen Weg ein. Inzwischen sind die Schwärme aus der Kälte zu einer Attraktion geworden. Wann sonst kann man die Vogelwelt Sibiriens erkunden? Mehrere tausend Besucher pro Saison bestaunen bei Bus-Exkursionen die Wintergäste. Mit Ferngläsern, Bestimmungsbüchern und Butterbroten begeben sie sich auf die Spur der Vögel. In der typischen flachen Landschaft am Niederrhein, zwischen Bauernhöfen und Windmühlen, Feldern und Fabriken, Kopfweiden und alten Rheinarmen, können die arktischen Wildgänse bequem überwintern.

Blässgänse sind mit Abstand am häufigsten: Ihr Kennzeichen ist der namengebende weiße Fleck am Schnabel. Saat- oder Weißwangengänse dagegen sind rar. Aber der Niederrhein-Kenner Malzbender entdeckt noch viel mehr Tiere. „Da sind arktische Schwäne“, ruft er seiner Reisegruppe im Bus aufgeregt zu. Er deutet auf eine Gruppe der weißen Riesenvögel hinter dem Straßenrand. Tatsächlich finden sich in dem Trupp auch seltene Singschwäne – zu erkennen an dem gelben Schnabel. Die hiesigen Schwäne tragen orange. Beim nächsten Stopp am Ufer des Rheins werden noch Pfeifenten entdeckt; der breite gelbe Streifen auf ihrem Köpfchen erinnert an Irokesen.

Allein Malzbender geleitet pro Winter bis zu 500 Gäste durch das ländliche Revier in den Kreisen Wesel und Kleve. Mancher Bus mit 50 Plätzen ist innerhalb von Stunden ausgebucht. Auch der Nabu am Niederrhein und die Stadt Kranenburg organisieren Exkursionen. Die entfernteste Buchung kam aus Saudi-Arabien: Ein Mann schenkte seiner Frau eine Gänsesafari. Die endlos lange Reise aus der Heimat lohnt sich für die sibirischen Gäste: Hier finden sie ideale Bedingungen, zumal sie nicht verfolgt werden.

Weil die arktischen Vögel kaum Energie speichern können, müssen sie extrem viel futtern: Und das findet sich zuhauf auf den grünen Feldern; den größten Teil ihres Tages verbringen die Blässgänse deshalb beim Fressen. Um nachts vor Feinden wie dem Fuchs sicher zu sein, übernachten die Vögel zu Tausenden auf dem Wasser. Das hat die Region mit den vielen Kies-Seen sowie den alten Armen des Rheins in Hülle und Fülle zu bieten.

Neue Gäste kommen dazu: Zwei Silberreiher steigen vom reifbedeckten Boden auf. „Die gibt es erst seit ein paar Jahren hier als Überwinterer“, erläutert Malzbender und blickt den großen Vögeln nach. Der Nabu organisiert bis in den Februar hinein Busfahrten. Die ersten Anmeldungen für den Herbst 2012 sind schon eingegangen. - dpa

Quelle: wa.de

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