Architektur-Fahrt im Revier zu Foster, Teherani und Co.

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Die expressive Cortenstahl-Fassade kennzeichnet das Archivhaus der Essener Stadtgeschichte. ▪

In dem Ballungsraum, der immer häufiger Ruhrmetropole genannt wird, sind sie oft schon von weitem zu sehen: Gebäude der architektonischen Extraklasse, Bürohäuser, wie sie auch in London oder Tokyo zu finden sind. Wuchtige Stadttore, skulpturale Kuben, bildhafte Solitäre und ganz neue Stadtareale auf Industriebrachen. Das Ruhrgebiet lockt zu einer Architektur-Fahrt. Wo haben Stararchitekten wie Bothe, Richter, Teherani gebaut? Was macht das Stadtarchiv in Essen so attraktiv? Warum ist der Duisburger Innenhafen ein Investitionsschauplatz? Von Achim Lettmann

Und wer den BaukulturPlan Ruhr vom Regionalverband Ruhr in die Hand nimmt, kann nicht nur Architekten, Gebäudegattungen und Zeiträume nachschlagen. Auch vier Karten weisen den Weg und visualisieren den Stadtraum Ruhrgebiet. Eine echte Alternative zum Navi.

Die Erkundungstour geht über die A 40 und beginnt im Osten Dortmunds, wo die ADAC-Hauptverwaltung Westfalen eine Signalwirkung hat. Das Haus wurde als modernes „Stadttor“ konzipiert. Die 16 500 Quadratmeter große Investition wirkt monumental mit seinen langen Fensterbändern, den Natursteinflächen und der wuchtigen Spitze gen Osten. Das Architekturbüro Stegepartner (Dortmund) musste hier ein Hochregallager für die Produkte des ADAC einplanen und hat den notwendigen Etagenbedarf zwischen den beiden Gebäudeteilen, die parallel zur A 40 verlaufen, mit einer Freitreppe kaschiert. Die 59 Stufen geben dem Gebäude zusätzlich eine repräsentative Note. Ihre Verbindung zum hochliegenden Atrium im Ostteil des Hauses ist allerdings nachrangig. Der Westteil des Gebäudes gehört dem Dortmunder Bauunternehmen Freundlieb. Der markante Bau von 2006 trennt das Gewerbe- und Wohngebiet Stadtkrone-Ost von der A 40 ab und dient als Lärmschutz. Der ADAC versorgt von hier aus 1,2 Millionen Mitglieder in Westfalen. ADAC-Sprecher Peter Meins sagt, dass der Automobilclub die Kapazität seines Standortes auf 30 bis 40 Jahre geplant hat.

Die A 40 ist die beste Verbindung zu den Architekturschauplätzen. Abfahrt Bochum-Zentrum: Gleich hinterm Hauptbahnhof liegt die Zentrale von British Petrol (BP), ein Verwaltungsgebäude von 2006 mit vier verschieden hohen Bürobauten, die zum alten Kortumpark gewendet sind. Obwohl hier 1400 Mitarbeiter des Energiekonzerns auf 26 000 Quadratmetern Platz finden, wirkt der Komplex von Bothe, Richter, Teherani (Hamburg) weniger mächtig und steif, als vergleichbare Arbeitsstätten. Grundrisse in Parallelogramm-Form, verschiedene Fensterreihen, Farbenspiele in den Laibungen und wechselnde Kubusgrößen sind die Merkmale des BP-Gebäudes. Die Konferenz finden hier nicht im Penthouse statt, sondern auf der Ebene 0, die alle Büroblöcke verbindet.

Eine radikale Lösung ist zu sehen, wenn man die Abfahrt Essen-Zentrum nimmt und das Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv von 2009 besucht. Die Stadt hat das neue Archiv neben der Luisenschule mit 17 Kilometern Regalfläche ausgestattet. Eye-Catcher ist die Fassade aus rostendem Cortenstahl. Es verleiht der schlichten Nutzarchitektur eine expressive Erscheinung. Für Klaus Wisotzky, Leiter des Hauses, steht das Material für die Sicherheit der historischen Archivalien, für die vergehende Zeit und für die Essener Geschichte als Stahlstadt der Krupps. Die Architekten Frank Ahlbrecht und Hermann Scheidt (Essen) haben die Fenster, die wie Schießscharten wirken, mit robustem Gitter versehen, damit niemand Brandsätze ins Archiv werfen kann. Das Magazin ist eine moderne Schatztruhe mit ungewohnt ästhetischer Qualität geworden. Es gehört nun funktional zur Denkmal geschützten Architektur der Luisenschule (1906), dem neuen Standort des Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv. Klaus Wisotzky führt das gestiegene Interesse an der Arbeit des Stadtmuseums auch auf die gelungene Architektur zurück. Hier wird derzeit eine neue Dauerausstellung konzipiert. Die Eröffnung ist für den Herbst geplant.

Von der Abfahrt Duisburg-Häfen geht es zum Spielfeld für bildhafte Architektur. Bereits im Zuge der Internationalen Bauausstellung Emscher-Park hatte der britische Architekt Sir Norman Foster einen Masterplan entwickelt. Mittlerweile liegen hier großartige Architekturen wie Schiffe vor Anker. Vor allem der Bürokomplex „Five Boats“ von Nicholas Grimshaw (London), 2004 fertiggestellt, vermittelt den maritimen Anspruch und das Entwicklungspotential des Stadtteils. Auf 86 Hektar finden sich symbolhafte Architektur wie Zvi Heckers jüdisches Gemeindezentrum (1999). Die Küppersmühle, die die Schweizer Baumeister Herzog & de Meuron 1999 zum Museum umbauten und viel neuer Wohnraum, wie die Eigentumswohnungen aus dem Jahr 2000 von Ingenhoven, Overdiek, Kahlen im Grachtenbereich. Wer Zeit hat, kann hier einen ganzen Tag verweilen. Gastronomie gibt es in allen Preislagen.

Info/Führung

ADAC-Gebäude Für Architektur-Interessierte ist Peter Meins der Ansprechpartner im Haus: Tel. 0231 / 5499 190

BP-Zentrale Aus sicherheitstechnischen Gründen gibt es derzeit keine Kontaktangabe für Besichtigungen.

Haus der Essener Stadtgeschichte/Stadtarchiv Öffnungszeiten mo, di 9 bis 15.30 Uhr, mi 9 bis 12 Uhr, do 9 bis 18 Uhr, fr 9 bis 14.30 Uhr; Tel. 0201 / 8841 300

Duisburger Innenhafen Das Museum Küppersmühle hält einen Lageplan mit Fotoabbildungen bereit. Sehr übersichtlich!

Infos zu Gebäuden:

Bruckhoff, Schäfer, Krüger: BauKulturPlan Ruhr. Verlag Regionalverband Ruhr. Vier Karten und ein Buchband. 28 Euro

http://www.baukulturplan.

metropoleruhr.de

http://www.baukunst-nrw.de

http://www.stadtbaukultur-nrw.de

Quelle: wa.de

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