Angespannter Wohnungsmarkt in beliebten Universitätsstädten

DÜSSELDORF - Eine Studentenbude für kleines Geld ist schwer zu finden - vor allem für den doppelten Abi-Jahrgang. Besonders in den traditionell gefragten Universitätsstädten ist die Lage angespannt. In Köln sollen Studenten in eine alte Polizeiwache einziehen.

Bezahlbarer Wohnraum für die angehenden Studierenden des doppelten Abiturjahrgangs wird knapp. An einigen nordrhein-westfälischen Hochschulstandorten sind schon Wochen vor Beginn des Wintersemesters alle Wohnheimplätze vergeben. Besonders angespannt ist der studentische Wohnungsmarkt in Aachen, Köln, Münster und Siegen. Das berichteten NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) und Vertreter der Studentenwerke am Mittwoch in Düsseldorf.

In Köln soll sogar eine alte Polizeiwache umgebaut werden, um 62 Wohnheimplätze zu schaffen. Auch das Bistum hilft mit einem alten Ausbildungszentrum. In anderen Städten werden auch Altenheime und Hotels umgenutzt und Wohnraum-Reserven bei Privatleuten mobilisiert.

Die gute Nachricht: Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der zwölf Studentenwerke in NRW ist der große Bafög-Antragsstau aus dem Vorjahr behoben. Allerdings sei traditionell im September mit einer neuen Antragswelle zu rechnen.

Im vergangenen Jahr hatten Studierende nach monatelangen Bearbeitungszeiten Alarm geschlagen. Inzwischen sei die Zahl der Sachbearbeiter um 30 auf über 180 aufgestockt worden, berichtete Schulze. Nötig seien aber auch Vereinfachungen bei den umfangreichen Anträgen. Zudem müssten die Bemessungsgrenzen auf den Prüfstand.

Rund 18 Prozent aller Studierenden erhalten Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög), vor zehn Jahren waren es 14 Prozent. Im Durchschnitt erhalten sie 424 Euro pro Monat; der Höchstsatz liegt bei 670 Euro. 85 Prozent der Studierenden werden mit durchschnittlich 476 Euro pro Monat von ihren Eltern unterstützt. Zwei Drittel arbeiten neben ihrem Studium.

In den vergangenen Jahren habe sich das Nadelöhr für Arbeiterkinder verengt, berichtete Peter Schink vom Kölner Studentenwerk. "73 Prozent der Kinder aus Akademikerhaushalten studieren, aber nur 23 Prozent der Kinder aus anderen Haushalten." Wer in Not ist, kann bei der Darlehenskasse der Studentenwerke um einen zinslosen Kredit bitten.

Auf dem Wohnungsmarkt bemühen sich die Studentenwerke, sich als Vermittler einzuschalten, nicht mehr genutzte Zweckbauten anzumieten und bei Privatleuten zu werben, damit die Studierenden nicht allein bleiben mit explodierenden Mietpreisen. Allein in Köln brachte ein Appell an die Bürger 837 Angebote. Die Studentenwerke unterhalten 37 000 Wohnheimplätze, Ende 2014 sollen es fast 40 000 sein.

Die Durchschnittsmiete liegt hier bei 224 Euro. "Flatrate-Wohnen" - weit unter dem ortsüblichen Mietspiegel, erklärte der stellvertretende Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Jörg Lüken. Nebenkosten wie Strom und die Versorgung mit TV und Internet seien inklusive. Allerdings bekommen nur sieben Prozent aller Studierenden in NRW ein solches Schnäppchen.

Statt der "Studi-WG" bevorzugen die meisten heute ein kleines Apartment. Extrem schwierig sei der Kölner Wohnungsmarkt, sagte Schink. Hier müssten für eine Studentenbude auf dem freien Markt durchschnittlich 359 Euro Miete berappt werden.

Preiswert bleibt mit 1,80 bis 5,50 Euro das Essen an den Hochschulen. Mit ihrem Angebot in Mensen und Cafeterien erwirtschafteten die Studentenwerke im vergangenen Jahr 95 Millionen Euro. Unterstützung gibt es zunehmend auch für Studierende mit Kindern: Die Studentenwerke unterhalten inzwischen an 16 Hochschulstandorten 25 Kindertagesstätten mit über 1450 Plätzen. - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare