Amazon-Abzocke noch dreister?

DÜSSELDORF ▪ Noch dreister als bislang bekannt soll die Abzocke von Arbeitslosen sein, die das Internet-Versandhandelsunternehmen Amazon betrieben hat. Dieselben Saisonkräfte hätten sowohl im letzten als auch in diesem Jahr ein zweiwöchiges kostenloses Praktikum machen müssen, obwohl sie die Betriebsabläufe bereits kannten. Damit sei mehrmals für dieselbe Person Arbeitslosengeld I oder Sozialhilfeleistungen fortgezahlt worden, behauptete gestern das Erwerbslosen Forum Deutschland.

„Ich bezeichne so etwas als systematisches Abgreifen von Fördermitteln“, sagte Martin Behrsing, Sprecher der Initiative. Den Sozialversicherungen würden so hohe Beiträge entzogen und Mitarbeiter würden um ihren verdienten Lohn gebracht. „Amazon geht es nicht um die Einarbeitung von Mitarbeitern, sondern ausschließlich um Gewinnmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit und der Mitarbeiter“, so Behrsing.

Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass bei Amazon in Werne und Rheinberg für das Weihnachtsgeschäft tausende Arbeitslose befristet für drei Monate eingestellt wurden. Allerdings unter einer Bedingung – dass sie die ersten zwei Wochen kostenlos probearbeiten. Die NRW-Direktion der Arbeitsagentur hatte das Verfahren als „korrekt und vernünftig“ verteidigt. Das Gesetz erlaube Arbeitgebern ausdrücklich kostenloses Probearbeiten, wenn sie Arbeitslose einstellen, und verlangt dafür keine Mindestbeschäftigungzeit. Durch die hohe Zahl von Saisonarbeitern soll Amazon einen Mitnahmeeffekt von etwa 1 Million Euro gehabt haben.

Aus dem zuständigen Jobcenter des Kreises Unna hieß es gestern, ein systematisches, mehrfach kostenloses Probearbeiten habe es in Werne nicht gegeben. Es könne sich allenfalls um Einzelfälle handeln. Dem Vorwurf werde aber nachgegangen. ▪ dfb/bkr

Quelle: wa.de

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