Alle Kitas sollen entlastet werden - Opposition zweifelt

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Symbolbild

DÜSSELDORF - In den Kindergärten ging es jahrelang vor allem um die Aufholjagd bei Krippenplätzen. Ein neues Gesetz nimmt die Qualität in den Blick: frühkindliche Bildung, Sprachförderung, Zeit für Pädagogik und besser ausgebildete Erzieher.

In den nordrhein-westfälischen Kindertagesstätten (Kita) soll die Qualität der pädagogischen Arbeit und die Sprachförderung verbessert werden. Alle Kitas sollen dafür mehr Geld erhalten. Von einem besonderen Zuschlag sollen Kitas in benachteiligten Stadtteilen profitieren. Das sieht ein Entwurf zur Änderung des Kinderbildungsgesetzes vor, den die Landesregierung am Donnerstag in den Düsseldorfer Landtag eingebracht hat.

Damit würden alle Einrichtungen unterstützt und das Personal insgesamt entlastet, sagte NRW-Familienministerin Ute Schäfer (SPD). Die Opposition zweifelt hingegen, dass 100 Millionen Euro mehr im Jahr spürbare Verbesserungen in fast 9400 Kitas bringen werden.

Alle Kitas sollen, je nach Größe, jährliche Personalpauschalen zwischen 4000 und 10.000 Euro zusätzlich erhalten. Das Geld muss nachweislich zur Entlastung der Erzieher verwendet werden - etwa für Hauswirtschafts- oder Vertretungskräfte. Davon könne aber nur eine halbe Stelle finanziert werden, kritisierte der Piratenabgeordnete Olaf Wegner. "Das ist ein Witz."

Der FDP-Abgeordnete Marcel Hafke befürchtet bürokratische Auswüchse durch die geplanten Änderungen bei der Sprachförderung. Den Einzeltest für vierjährige Kita-Kinder gibt es in diesem Jahr zum letzten Mal. Künftig sollen die Erzieher die Sprachentwicklung der Kinder im Alltag beobachten, fördern und dokumentieren.

"Da droht der Praxis-Schock", meinte Hafke. "Die Einrichtungen dürfen schauen, wie sie das umsetzen." Die SPD-Angeordnete Britta Altenkamp wies das zurück. "Das gibt keinerlei neue Bürokratie." 90 Prozent der Kitas arbeiteten jetzt schon mit einem Beobachtungsbogen zur Sprachentwicklung.

Das neue Gesetz soll schon zum neuen Kindergartenjahr im August in Kraft treten. Alle Oppositionsfraktionen warfen der rot-grünen Regierung vor, ihre Novelle durch den Landtag zu peitschen. Die Verbesserungen fielen zu klein aus, kritisierten sie. Auch mit dem neuen Gesetz blieben die Gruppen zu groß und die Zeit für pädagogische Arbeit zu knapp, kritisierte der familienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Bernhard Tenhumberg.

Der Landtag hatte das von der schwarz-gelben Vorgängerregierung entworfene und seit 2008 wirksame Kinderbildungsgesetz bereits 2011 erstmals geändert. Damit waren vor allem die Elternbeiträge im letzten Kita-Jahr vor der Schule abgeschafft worden. Damit fehlten jetzt 150 Millionen Euro jährlich für Qualitätssteigerungen, kritisierte Hafke.

Schäfer hielt dagegen: "Es kann immer noch was im Wunschzettelkasten sein." Seit Ablösung der schwarz-gelben Regierung 2010 habe die rot-grüne Koalition den Haushaltsansatz für die Kitas aber auf inzwischen rund 2,3 Milliarden Euro jährlich verdoppelt. Bei der Erzieher-Kind-Relation liege NRW jetzt im Bundesvergleich im oberen Drittel.

In den vergangenen Jahren habe der Ausbau der Krippenplätze für Unterdreijährige im Mittelpunkt gestanden, sagte die Grünen-Abgeordnete Andrea Asch. Inzwischen sei der Rechtsanspruch für Ein- und Zweijährige "übererfüllt". Das sei eine Riesenleistung. Schäfer sprach sogar von einem "Quantensprung." - lnw

Quelle: wa.de

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