Die FDP auf der "Achterbahn des Lebens" - Lichtgestalt gesucht

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Christian Lindner.

DÜSSELDORF - Die Geschichte der FDP ist eine Berg- und Talfahrt - gerade auch in NRW. Der Landesverband gilt als eigenwillig - ist aber auch politische Heimat vieler liberaler Urgesteine. Jetzt braucht die FDP eine neue Lichtgestalt. Dafür käme auch Christian Lindner infrage.

Von Bettina Grönewald

Jürgen Möllemann sprach gern von "der Achterbahn des Lebens" und tröstete seine Partei in schweren Zeiten, dass es nach der Kurve immer wieder bergauf geht. Darauf muss die FDP nun alle ihre Hoffnung setzen. Für die überraschend anstehende Neuwahl in Nordrhein-Westfalen braucht die darbende Partei dringend eine Lichtgestalt. Denn wenn die FDP im wählerstärksten Bundesland und möglicherweise auch im Saarland und in Schleswig-Holstein den Wiedereinzug in die Landtage verpasst, hätte das gravierende Auswirkungen für die Bundespartei.

Für die Spitzenkandidatur in NRW werden bei den Freidemokraten drei Namen gehandelt: Landesparteichef und Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, Landtagsfraktionschef Gerhard Papke und Christian Lindner, zurückgetretener Generalsekretär und einstiger Hoffnungsträger. Es gilt in Parteikreisen als sicher, dass in Kürze eine Entscheidung zwischen den dreien fällt. Bislang halten sich alle noch bedeckt.

Gegen Lindner spricht, dass er nach seinem überraschenden Rückzug aus dem Parteiamt in Ungnade gefallen ist. Die einstige "Boy Group", die "jungen Milden" um Lindner, Bahr und Parteichef Philipp Rösler, ist sich seitdem nicht mehr richtig grün. Lindner müsste als Spitzenkandidat im mächtigsten FDP-Landesverband aber Wahlkampf mit dem zerbrochenen Trio machen.

Andrerseits hat sich die NRW-FDP traditionell eher wenig um Wünsche der Bundespartei gekümmert und ist oft ausgeschert. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass sie auf Lindners Elan und Charisma setzt. "Den Mutigen gehört die Zukunft", hat Bahr bereits vorgegeben.

Lindner ist ein politisches Ziehkind Möllemanns und erlebte vor allem an dessen Seite hautnah das ständige Wechselbad zwischen Aufstieg und Fall mit. Die selbstbewusste NRW-FDP ist politische Heimat vieler führender Freidemokraten gewesen. Ihr gehören die früheren Bundesparteichefs Hans-Dietrich Genscher und Guido Westerwelle an, aber auch liberale Urgesteine wie der frühere NRW-Innenminister Burkhard Hirsch und Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum. Vordenker wie der ehemalige NRW-Forschungsminister und Landeschef Andreas Pinkwart haben sich im Tal der Tränen anders orientiert: Pinkwart ist nach der verlorenen Landtagswahl 2010 in die Wissenschaft gewechselt.

In NRW gebar Möllemann "das Projekt 18" - ein bundesweites Wahlziel, das Westerwelle einst sogar unter seinen Schuhsohlen trug. Inzwischen dümpelt die FDP im Bund wie in NRW aber nur noch bei zwei Prozent. Dabei hatte sie noch bei der Bundestagswahl 2009 ein Rekord-Ergebnis von 14,6 Prozent eingefahren.

Achterbahn fuhren die Liberalen vor allem auch in NRW: 1980 und 1995 flogen sie aus dem Düsseldorfer Landtag. Kurz vor der Wahl 1995 hatte der Landesvorstand Möllemann aus dem Amt des FDP-Landeschefs gejagt. Schon 1996 holte die Basis den von Parteifreunden als "Quartalsirren" Geschmähten schon wieder an die Spitze zurück.

Es folgten Skandale um populistische Wahlkampfinszenierungen mit Hitler-Plakaten, ein mit dubiosen Geldern finanziertes Flugblatt mit antiisraelischen Inhalten, illegale Parteispenden, Skandale um schwarze Kassen und der erzwungene Rückzug aus Partei und Landtagsfraktion.

Doch wie so oft in ihrer Geschichte, erholte sich die FDP auch von diesem Desaster. Bei der NRW-Landtagswahl 2005 verhalf sie der CDU nach fast 40 Oppositionsjahren zum Machtwechsel in NRW und stürzte Rot-Grün. Eine schwarz-gelbe Ära wurde es aber nicht. 2010 übernahm die Sozialdemokratin Hannelore Kraft (SPD) das Ruder einer rot-grünen Minderheitsregierung. Zuvor waren Gespräche über eine Ampel-Koalition an der FDP gescheitert.

Dass die FDP hart auf ihrem Sparkurs beharrte und der Minderheitsregierung in den Haushaltsberatungen nicht half, könnte sie nun einmal mehr ihre parlamentarische Existenz kosten. "Selbstmord aus Angst vor dem Tod", spottete die CDU.

Möllemann empfahl für Krisensituationen folgendes Rezept: "Wir sind alle Engel mit einem Flügel. Wir müssen einander unterhaken, damit wir fliegen können." Lindner gilt als gefallener Engel. Gerade solche Figuren liebt man in NRW. - lnw

Quelle: wa.de

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