Abwasser: Auf Hausherren kommen Kosten zu

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Abwasserrohre sollten dicht sein - egal, ob öffentliche oder private. Viele Hausbesitzer werden in den kommenden Jahren nachbessern müssen. ▪

WESTFALEN – Eine Vielzahl von Hauseigentümern in NRW müssen in nächster Zeit tief in die Taschen greifen: Auf sie kommen nicht unerhebliche zusätzlichen Kosten zu. Nach dem Landeswassergesetz ist jeder private Eigentümer verpflichtet, bis spätestens zum 1. Januar 2015 seine Abwasserleitungen auf Dichtigkeit überprüfen zu lassen. Allein die Gutachten, die nur zertifizierte Unternehmen erstellen dürfen, werden vor-aussichtlich zwischen 300 und 500 Euro pro Gebäude kosten – schätzt Wilhelm Deitermann, Sprecher des NRW-Umweltministeriums.

Werden Undichtigkeiten festgestellt, müssen die Mängel „zeitnah“ behoben werden. Dabei gelte die Regel: Je größer die Schäden an den Abwasserleitungen, um so schneller muss die Reparatur erfolgen.

„Die Gebäudeeigentümer haben die Pflicht, das Grundwasser vor Umwelteinflüssen zu schützen“, verteidigt Deitermann die kostenintensive und aufwändige Maßnahme. Im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen sei der Grundwasserschutz besonders wichtig. Zwischen Rhein und Weser gebe es etwa 200 000 Kilometer private Abwasserleitungen. Während bei den öffentlichen Abwasserleitungen eine Dichtigkeitsprüfung alle 15 bis 20 Jahre vorgeschrieben sei, wären die Privaten bislang verschont geblieben.

Bereits seit 1995 gibt es Bestrebungen seitens des Landes, auch die Privaten in die Pflicht zu nehmen. Für den Einzelnen kann das schnell in die tausende Euro gehen. Nicht unwesentliche Hausbestände aus den 50er und 60er Jahren etwa verfügen bis heute nur über Tonrohre zur Entsorgung der Abwässer. Häuser, die noch deutlich älter sind, haben mitunter sogar noch gemauerte Abwasserkanäle. Fachleute rechnen damit, dass viele Hausbesitzer um eine Komplettsanierung nicht herumkommen.

Einen Grund zum überstürzten Handeln gebe es nicht, sagte Deitermann. Zurzeit seien die Kommunen dabei, neue Abwassersatzungen zu erlassen. Erst danach seien die Hauseigentümer am Zug. Niemand müsse aus dem Stand sanieren. „Wir werden uns nicht über die Bedürfnisse der Kommunen hinwegsetzen“, sagte Deitermann.

Obwohl das Land bereits seit 1995 Vorschriften zur Dichtigkeitsprüfung privater Abwasserleitungen erlassen hat, sind die Kommunen erst jetzt damit angefangen, entsprechende Satzungen zu erlassen. „Die Landesregierung muss die Betroffenen besser über die Dichtheitsprüfung informieren“, verlangt deshalb CDU-Kommunalexperte Wiljo Wimmer.

Das Land widerum hält genau das für die Aufgabe der Kommunen und will erst einmal weiter abwarten. Außerdem sei vorgesehen, auch Synergieeffekte zu nutzen. Wo zum Beispiel öffentliche Kanäle zeitnah zur Sanierung anstünden, dürften die Kommunen Ausnahmegenehmigungen erteilen, sagte Wilhelm Deitermann, Sprecher des NRW-Umweltministeriums. Private könnten dann mit der Sanierung ihrer Abwasserleitungen warten, bis auch die öffentlichen Kanäle vor ihrer Haustür saniert werden – da können schon noch einige Jahre ins Land gehen.

Diese Ausnahmeregelung geht der FDP-Fraktion im Landtag nicht weit genug. Nur wenige Kommunen machten bislang von der Möglichtkeit Gebrauch, parallel eine Dichtheitsprüfung des öffentlichen Abwassernetzes vorzunehmen.

„Enormer Aufwand,

fragwürdige Relevanz“

„Es kann aber nicht sein, dass die Bürger gezwungen werden, private Abwasserleitungen zu überprüfen, die öffentliche Hand sich jedoch der Pflicht zur Dichtheitsprüfung unterziehen kann“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzender Gerhard Papke. Der Liberale äußerte auch grundsätzliche Zweifel, ob angesichts anderer Grundwassereinträge die Einträge aus privaten Abwasserrohren „überhaupt eine Relevanz haben“. Der enorme Aufwand stehe in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen. Außerdem müssten auch die sozialen Belange Beachtung finden. Viele Hauseigentümer könnten sich die zusätzlichen Kosten nicht ohne weiteres leisten – zum Beispiel Rentner und Familien, die sich ihr Eigenheim nur durch erhebliche Anstrengungen hätten leisten können.

DETLEF BURRICHTER

Quelle: wa.de

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