Abschied von Düsseldorfs "Tausendfüßler"

DÜSSELDORF - Düsseldorf möbelt das Areal um seine Nobelmeile "Kö" auf. US-Stararchitekt Libeskind baut ein Haus für Luxusgeschäfte und Büros. Die skurrile Stelzenstraße "Tausendfüßler" wird abgerissen - trotz Denkmalschutz.

Nur durch wenige Meter getrennt steht sich in der Nähe der noblen Königsallee in Düsseldorf markante Architektur gegenüber - noch. An dem Boulevard sieht ein neuer Einkaufs- und Bürotempel, entworfen von US-Stararchitekt Daniel Libeskind, seiner Fertigstellung entgegen. Nebenan wartet ein skurriles Bauwerk der Nachkriegsmoderne auf seinen Abriss. Die Hochstraße "Tausendfüßler" ist zwar ein Denkmal, darf aber mit ministerieller Erlaubnis abgetragen werden. Die Demontage beginnt am kommenden Montag.

Das sperrige Monument aus dem Jahr 1961 gilt als Symbol für die damals angestrebte "autogerechte Stadt". Die Trasse überquert in mehreren Metern Höhe große Fußgängerbereiche und eine Straßenbahnhaltestelle. Die Autos sausen teils auf Höhe der ersten Etage an den Geschäften vorbei.

Das Bauwerk wirkt wie aus der Zeit gefallen, aber es hat glühende Fans in Düsseldorf. Ein Bündnis aus Architekten und Bürgern kämpfte jahrelang für den Erhalt der Hochstraße. Auch der Landeskonservator verweigerte der Stadt die Zustimmung zum Abriss. Der damaligen NRW-Bauministers Harry Voigtsberger (SPD) gab schließlich als oberster Denkmalschützer im Land grünes Licht für den Abbruch. Die Begründung: Die fällige Renovierung würde das 670 Meter lange Betonband so verändern, dass es am Ende kein Denkmal mehr sein könne.

Die NRW-Landeshauptstadt möbelt ihr exklusives Zentrum weiter auf und setzt große Erwartungen in den "Kö-Bogen". Es soll ein Hingucker werden. Der Libeskind-Bau entsteht auf einem Gelände, das noch durch den Zweiten Weltkrieg beschädigt war und verbindet die "Kö" mit dem angrenzenden grünen Hofgarten. Autotunnel und eine U-Bahn-Linie sollen in den nächsten Jahren den Verkehr unter die Erde verlagern. Für die Tunnel muss allerdings der Tausendfüßler fallen.

Am Sonntag schlägt die vorletzte Stunde der Stelzenstraße. Der Verkehr wird nicht mehr darüber geleitet, die Trasse für Fußgänger freigegeben. Dann können die Düsseldorfer über den "Tausendfüßler" spazieren und bei einer Betonspecht-Party Erinnerungsstücke heraushämmern.

Tags darauf rollt das Abrisskommando an. Aber es wird Juni werden, bis alles abgetragen ist. "Solange die Brücke noch steht, ist sie Denkmal", betont Andrea Pufke, die neue Chefin der Denkmalpflege im Rheinland. "Wir werden sicher mal vorbeischauen und vielleicht ein paar Tränen vergießen, aber nur symbolisch". - lnw

Quelle: wa.de

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