Abriss von Unglücks-Brücke der A57 nach Massencrash gestartet

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DORMAGEN - Zehntausende Pendler warten ungeduldig: Der Abriss der total zerstörten Autobahnbrücke der A57 in Dormagen hat begonnen. Unterdessen sucht die Polizei einen Brandstifter, den sein Gewissen plagt.

Zehn Tage nach der tödlichen Massenkarambolage auf der Autobahn 57 hat der Abriss der durch ein Feuer total zerstörten Autobahnbrücke begonnen. Ein 80-Tonnen-Bagger mit einer drei Meter großen Betonzange zermalmt seit Freitag das 67 Meter lange Bauwerk. "Wir arbeiten rund um die Uhr. Montagmorgen wird die Brücke weg sein", sagte Baudirektor Joachim Minten von Straßen NRW. Dann solle sofort der Bau einer Behelfsbrücke aus Stahl starten, die bis Ostern befahrbar sein werde.

Unterdessen begann die Polizei, mit 500 Plakaten die örtliche Bevölkerung um Hinweise auf den oder die Brandstifter zu bitten. Sogenannte Profiler des Landeskriminalamts haben den Tatort analysiert. Sie vermuten den Täter im regionalen Umfeld. Er sei, so die Annahme, "vom Ausmaß der Katastrophe selbst erschrocken" und habe psychisch mit dem Geschehen zu kämpfen, sagte ein Polizeisprecher.

Bei der Karambolage von 21 Wagen starb ein Autofahrer, 13 Menschen wurden verletzt. Der vom Feuer aufsteigende schwarze Brandqualm hatte den Autofahrern die Sicht genommen. Eine 35-jährige Frau ist inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr, liegt aber nach wie vor in einem künstlichen Koma.

Die Polizei bittet die Dormagener Bevölkerung um Hinweise auf Menschen, die sich seit der Tatnacht auffällig verhalten. "Wir suchen Schüler oder junge Männer, die durch Schuleschwänzen oder Fernbleiben vom Arbeitsplatz aufgefallen sind, die womöglich einen erhöhten Alkoholkonsum an den Tag legen."

Der Brandstifter hatte unter der Autobahn für Bauarbeiten gelagerte Kunststoffrohre angezündet. Ob er dabei Brandbeschleuniger verwendet hat, will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Das Feuer könnte auf das Konto eines Serien- Brandstifters gehen. In den Tagen zuvor waren im Umkreis von wenigen hundert Metern zwei weitere Brände gelegt worden.

Der Schaden an den Fahrzeugen und die Kosten für die neue Brücke werden auf insgesamt acht Millionen Euro beziffert. Allein die Abbruchkosten liegen bei 300 000 Euro. 20 Kipplaster schaffen die Trümmer vom Abbruchort.

Im Labor analysierte Proben hatten ergeben, dass durch die Brandhitze von etwa 1000 Grad der Beton brüchig und der Stahl spröde geworden war. "Das Ergebnis war sehr ernüchternd: Totalschaden", sagte Minten.

Die Autobahn 57 ist ein Nadelöhr zwischen Köln und Düsseldorf. Der Unfallabschnitt muss noch bis zu sechs Wochen voll gesperrt bleiben. Bis zum Brückenneubau in mehreren Jahren wird auf dem Provisorium Tempo 60 gelten. In fünf Jahren soll der Abschnitt der A57 auf sechs Spuren ausgebaut werden. Die neue Brücke wird daher bereits sechsspurig angelegt. - lnw

Quelle: wa.de

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