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A45-Super-Gau: NRW-Verkehrsministerium fordert bessere Notfallpläne - für ganz Deutschland

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Von: Jan Schmitz

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Die katastrophalen Zustände auf den Umleitungs- und Nebenstrecken nach der plötzlichen A45-Vollsperrung bei Lüdenscheid am Donnerstag haben Konsequenzen. Das NRW-Verkehrsministerium nimmt den Bund in die Pflicht, damit er für bessere Notfallpläne sorgt. Mit anderen Worten: Die bisherigen - sofern es sie gab - waren unzureichend.

„Land und Bund setzen sich gemeinsam mit allen Kräften dafür ein, in der Region für mehr Entlastung zu sorgen und Umleitungsstrecken möglichst leistungsfähig zu gestalten. Die aktuelle Situation der Talbrücke Rahmede A45 hat zugleich gezeigt, dass das Land Nordrhein-Westfalen grundsätzlich eine intensivere Abstimmung mit der Autobahn GmbH braucht. Dazu gehören auch bessere Notfallpläne“, heißt es aus dem Düsseldorfer NRW-Verkehrsministerium.

AutobahnA45
Länge257 km
BundesländerNordrhein-Westfalen; Hessen; Bayern

Künftig müsse bei unplanmäßigen Sperrungen „schnellstmöglich eine Task Force mit allen Beteiligten, darunter kommunale Vertreter, Rettungsdienste, Hilfsorganisationen, Kammern und Verbände zusammenkommen.“ Nicht nur in NRW, sondern deutschlandweit sollen sich die Erfahrungen der Lüdenscheider nicht wiederholen, wenn eine Autobahn oder Brücke unmittelbar gesperrt werden muss, wie am Donnerstag die Talbrücke Rahmede auf der A45. Dort waren Verformungen an einem Stahlelement festgestellt worden.

„Wir werden das Thema bei der Verkehrsministerkonferenz erörtern und den Bund auffordern, sich enger mit den Ländern abzustimmen, um den Verkehr im nachgeordneten Netz in diesen Fällen besser koordinieren zu können“, heißt es aus dem Verkehrsministerium in Düsseldorf. Die Konferenz der Verkehrsminister der Länder findet am 9. und 10. Dezember digital statt. Auch ein Vertreter der Bundesregierung nimmt daran teil. In Düsseldorf hofft man, dass der designierte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) am Donnerstag schon in Amt und Würden ist und die Priorität der Angelegenheit erkennt.

Hintergrund sind neue Zuständigkeiten seit dem 1. Januar 2021. An diesem Datum ging das Bundesfernstraßennetz in NRW von Straßen.NRW an die neu gegründete Autobahn GmbH des Bundes über. Zwar sind viele der mit den NRW-Autobahn betrauten Personen identisch - sie wechselten vom Landesstraßenbetrieb zu häufig besseren Konditionen in die Autobahn GmbH - aber die Zuständigkeit und damit die Verantwortung liegt jetzt nicht mehr beim Land NRW, sondern bei der Bundes-GmbH mit Sitz in Leipzig.

Die Entscheidung der Autobahn GmbH für die sofortige Sperrung der A45 am Donnerstag (2. Dezember 2021) um 16.50 Uhr fiel unabgestimmt. Die Autobahn GmbH informierte nach Informationen unserer Zeitung Straßen.NRW, NRW-Verkehrsministerium sowie die Vertreter der betroffenen Kommunen lediglich nachrichtlich. Erst im Laufe des Freitags folgten Abstimmungsgespräche. Da war das Chaos rund um Lüdenscheid schon perfekt.

Gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) teilte ein Sprecher der Autobahn GmbH mit, dass bei der Talbrücke Rahmede Gefahr im Verzug gewesen und eine unmittelbare Sperrung unumgänglich gewesen sei. „Es blieb daher keine Zeit für umfangreiche Abstimmungen.“

Für die neuen Task-Forces als Bestandteil bundesweiter Notfallpläne bei Autobahn-Sperrungen hat das NRW-Verkehrsministerium konkrete Vorstellungen:  „Bei der Regelung der Umleitungsrouten müssen die Sorgen der Anwohnerinnen und Anwohner genauso berücksichtigt werden wie die berechtigten Bedürfnisse der Wirtschaft in der Region und die Belange der Rettungsdienste. Umleitungsstrecken müssen verkehrssicher bleiben. Auch Aspekte des Lärmschutzes und zusätzlicher Emissionen in Wohngebieten müssen mitgedacht werden.“, heißt es aus dem Düsseldorfer Verkehrsministerium, dem seit einigen Wochen die CDU-Politikerin Ina Brandes vorsteht.

Das NRW-Verkehrsministerium führt noch einmal konkret auf, welche Maßnahmen der eigene Straßenbaubetrieb Straßen.NRW seit Freitagabend durchgeführt hat. Straßen.NRW ist für die Umleitungsstrecken unter anderem auf Lüdenscheider Stadtgebiet zuständig.

      

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