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A45: Sprengung von Talbrücke Rahmede - noch in diesem Jahr!

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Von: Jan Schmitz

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Es ist möglich: Die marode Talbrücke Rahmede kann gesprengt werden. Das teilte Verkehrsminister Volker Wissing am Mittag mit.

Auf diese Nachricht hat Lüdenscheid lange gewartet. Die Talbrücke Rahmede, seit 2. Dezember gesperrt, kann gesprengt werden. Verkündet wurde die frohe Botschaft am Montag an höchster Stelle - von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) sagte der Minister: „Heute kam die Nachricht, dass die technischen Voraussetzungen für eine Sprengung der Talbrücke Rahmede vorliegen. Diese Chance zur Beschleunigung greifen wir für die Region auf.“ Ein Sprecher der Autobahn GmbH sagte, dass die Sprengung noch in diesem Jahr erfolgen soll.

AutobahnA45
Länge257 km
BundesländerNordrhein-Westfalen; Hessen; Bayern

Eine Sprengung bedeutet eine deutlich schnellere Beseitigung der maroden Talbrücke als es bei einem Abriss möglich wäre. Die Spreng-Experten hatten in den vergangenen Tagen ein Gutachten erarbeitet, um zu prüfen, ob die Sprengung in alpinem Gelände möglich ist. Ihre Antwort: Ja. Simulationen mit aufwendigen Computerprogrammen ergaben, das eine Sprengung möglich ist. Dafür muss das bewohnte Rahmedetal weiträumig evakuiert werden und die unter der Brücke verlaufende Altenaer Straße für einen längeren Zeitraum gesperrt werden.

Sprengung oder Abriss der Talbrücke Rahmede: Die Frage ist laut Verkehrsminister entschieden

Rechts und links der Brücke befindet sich ein Korridor von etwa 60 Metern, auf denen kein Gebäude steht und in den die Brücke fallen könnte. In unmittelbarer Nähe zur Brücke stehen Wohnhäuser sowie eine Fabrik. Ob und wie die Häuser geschützt werden, ist noch unklar. Auch, ob eine Sprengung noch in diesem Jahr erfolgen könnte, ist nicht sicher. Nur dann wäre eine Beschleunigung des Bau- und Planungsverfahrens über die anvisierten fünf Jahre hinaus überhaupt möglich.

Sprengung an der A45: Talbrücke Rinsdorf gesprengt

Erst am Wochenende hatte dieselbe Spreng-Firma, die jetzt das Gutachten erstellt hat, bei der Sprengung der Talbrücke Rinsdorf bewiesen, dass eine sehr hohe Brücke punktgenau fallen kann. Die Talbrücke Rinsdorf war mit bis zu 70 Metern die höchste Talbrücke in Deutschland, die je gesprengt wurde. Die Talbrücke Rahmede würde diese Marke noch einmal toppen. Sie ist fast 80 Meter hoch.

„Mit der Sprengung können wir erheblich Zeit einsparen und die Prozesse für einen Neubau der Brücke schneller voranbringen“, betonte Wissing. Den betroffenen Anwohnern und Unternehmen solle damit schnellstmöglich „eine moderne, leistungsfähige Infrastruktur“ zur Verfügung gestelltt werden.

Alternativ zu einer Sprengung hätte die Talbrücke nach bisherigen Angaben zuerst aufwendig von unten eingerüstet und dann Stück für Stück abgetragen werden müssen. Das hätte deutlich länger gedauert. Unter der Brücke im Sauerland stehen Wohnhäuser.

Autobahn GmbH und Ministerium wollen am Donnerstag weiter informieren

Die Entscheidung pro Sprengung sei nun gefallen, sagte eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums. Die Nachricht an Wissing, dass die Voraussetzungen dafür gegeben seien, kamen nach ihren Angaben vomn der Autobahn GmbH des Bundes. Am Donnerstag werde der Minister gemeinsam mit der Autobahn GmbH über weitere Einzelheiten und Maßnahmen informieren. Zuletzt hatte die Autobahn GmbH eine Entscheidung in der ersten Februarhälfte in Aussicht gestellt.

Ein Sprecher der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH sagte der dpa: „Erst einmal ist die Machbarkeit festgestellt worden. Jetzt muss im Detail geplant und konzipiert werden.“ Das Gelände müsse so „ausmodelliert“ werden, dass die Brücke bei einer Sprengung gerade herunterfallen könne, was in dem steilen Gelände sehr herausfordernd sei. Jedes Wohnhaus und jedes Unternehmensgebäude müsse geschützt werden. Gegenüber unserer Zeitung sagte der Sprecher, dass die Sprengung in jedem Fall noch in diesem Jahr erfolgen soll. „Das ist das Ziel.“

A45-Sperrung stürzt eine ganze Region ins Verkehrschaos

Seit 2. Dezember ist die Talbrücke im Sauerland voll gesperrt - und damit zugleich eine zentrale Route von Dortmund nach Hessen und nach Bayern unterbrochen. Anwohner vor allem in Lüdenscheid sowie Unternehmen in der bundesweit bedeutenden Wirtschaftsregion Südwestfalen sind stark getroffen. NRW und der Bund hatten bereits früh angekündigt, bei dem Großprojekt an der Sauerlandlinie Tempo zu machen, bislang aber wenig Konkretes vorweisen können. Jetzt meldete sich der Bund in Person von Volker Wissing zu Wort. Die lokalen Vertreter erfuhren die Entscheidung pro Sprengung übrigens aus den Medien. Eine Vorabinformation durch das Bundesverkehrsministerium erfolgte nicht.

Bau der Talbrücke Rahmede an der A45 in fünf Jahren oder schneller?

Die Westfalen-Niederlassungsleiterin der Autobahn GmbH des Bundes, Elfriede Sauerwein-Braksiek, hatte noch vor einer Woche betont, ein spezialisiertes Ingenieurbüro untersuche weiter das Bauwerk und Umfeld. In der Frage Sprengung oder Abtragen gelte „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“ - angesichts der dortigen Wohnhäuser. Als bisheriges Zeitziel hatte sie fünf Jahre für einen Neubau genannt. Ob es mit einer Sprengung schneller gehen kann, hatte die Sauerwein-Braksiek immer offen gelassen und lediglich gesagt, dass es bei einem Abriss länger dauern könnte als die fünf Jahre.

Die Vorbereitungen für die Sprengung der Talbrücke Rahmede haben bereits begonnen. Unter der Talbrücke wurden Bäume gefällt.

Sprengung der Talbrücke Rahmede: Brandes freut sich, dass sich Wissing persönlich zu Wort gemeldet hat

In einer ersten Reaktion sagte NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes (CDU): „Das ist eine sehr gute Nachricht für alle Menschen in der Region, den Standort Südwestfalen und überhaupt ganz Nordrhein-Westfalen, da die A45 zu den zentralen Magistralen des Landes gehört. Ich freue mich, dass der Bundesverkehrsminister sich persönlich zu Wort gemeldet hat.“

Auch Landrat Marco Voge (CDU) meldet sich sich zu Wort: „Das ist eine wirklich gute Nachricht für die Bürgerinnen und Bürger des Märkischen Kreises und der gesamten Region. Es freut mich sehr, dass wir hier jetzt Gewissheit haben und dass es technisch möglich ist, die Rahmede-Talbrücke an der A45 zu sprengen.  Das führt zu einer entscheidenden Zeitersparnis und hoffentlich dazu, dass der von der Autobahn GmbH selbst gesteckte Zeitraum von fünf Jahren eingehalten oder sogar unterboten werden kann. Jeder Monat, den die neue Brücke eher steht, ist enorm wichtig für die Region.“

Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer (SPD) sprach von einer sehr guten Nachricht für Lüdenscheid und die Region, dass eine Sprengung möglich ist. Für eine mögliche Beschleunigung des Verfahrens zeigte er sich „verhalten optimistisch, weil ich weiß, dass die Autobahn GmbH teilweise noch nicht mit den Anwohnern an der Brücke gesprochen hat.“ Erneut bot er für seine Stadt an, eine Vermittlerrolle zwischen Anliegern, die sich übergangen fühlen, und der Autobahn GmbH an.

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