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A45-Sperrung: Fünf Jahre - bis zum ersten Teilbau, nicht bis zur fertigen Talbrücke

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Von: Leon Malte Cilsik, Jan Schmitz

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Die A45 bei Lüdenscheid bleibt über Monate voll gesperrt - mit großen Folgen für Anwohner, Unternehmen und Autofahrer. Das Verkehrschaos ist groß. Infos im Ticker.

Lüdenscheid - Die Sperrung der A45 zwischen den Anschlussstellen Lüdenscheid und Lüdenscheid-Nord bleibt - und mit ihr das Verkehrschaos auf den Umleitungen und Ausweichstrecken. Anwohner, Unternehmen und Autofahrer sprechen von einer Katastrophe. Nachdem Experten weitere Beschädigungen an den Stahlelementen der Rahmedetalbrücke entdeckt haben, bleibt die Strecke bis mindestens März 2022 für alle Fahrzeuge gesperrt.

AutobahnA45
Länge257 km
BundesländerNordrhein-Westfalen; Hessen; Bayern

A45-Sperrung bei Lüdenscheid: Newsticker mit allen aktuellen Ereignissen

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Update 17. Dezember, 7.24 Uhr: Zwei Wochen nach der Vollsperrung der A45 wollen Planer und Verkehrsexperten wissen, wie groß die Belastung der Umleitungsstrecken durch den Durchgangsverkehr ist. Dafür wird nun in Lüdenscheid eine Verkehrszählung durchgeführt, um die Folgen der Googlehörigkeit besser verstehen zu können.

Update 16.29 Uhr: Die Polizeikontrollen auf den Ausweichstrecken der Umleitungen dokumentieren den Wahnsinn auf den Lüdenscheider und Altenaer Straßen. In der 30er-Zone wurde ein Autofahrer mit einem neuen Negativrekord geblitzt.

Update 07.14 Uhr: Nach der Sperrung der einsturzgefährdeten Talbrücke Rahmede am 2. Dezember 2021 soll die Planungs- und Bauphase für einen Neubau beschleunigt werden. Der am Montag bekräftigte politische Wille: 2026 soll die neue Brücke fertig sein. „Wenn es nach mir geht, sollte die neue Brücke in fünf Jahren stehen“, hoffte Elfriede Sauerwein-Braksiek, Leiterin der Autobahn-Niederlassung, laut Mitteilung ihres Hauses. Dafür müssten planungsrechtliche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, um Zeit zu gewinnen. Vertreter von Land und Bund sagten am Montag zu, sich dafür einzusetzen.

Recherchen unserer Zeitung ergaben, dass die derzeit öffentlich diskutierten Zeitangaben sich keinesfalls auf die Fertigstellung der gesamten Talbrücke Rahmede beziehen, sondern nur auf einen Teilbau. Ähnlich wie bei der Lennetalbrücke in Hagen soll die Talbrücke Rahmede nach Informationen unserer Zeitung nämlich – Stand jetzt – ebenfalls mit einem Taktschiebeverfahren errichtet werden. Und das bedeutet, dass für die Fertigstellung der gesamten Brücke eine provisorische Brücke gebaut wird, über die Jahre vor der Fertigstellung des gesamten Projekts schon wieder Pkw und Lkw fahren können. Nach allgemeiner Lesart also vor den diskutierten fünf Jahren.

Wir wollten es genau wissen und hakten bei der Autobahn GmbH nach. Die gemachten Zeitangaben bezögen sich nur auf diesen ersten Teilbau, erklärte die Autobahn GmbH Westfalen am Mittwoch auf Nachfrage, nicht jedoch auf das gesamte Projekt. Man habe diese Angabe gewählt, weil dann die Sperrung für Lkw auf der A45 aufgehoben werde. Unterdessen sind Pläne für den Neubau der Talbrücke Rahmede aus dem Jahr 2016 aufgetaucht, die zeigen, wie weit die Planer schon waren, als der Bau der Talbrücke wenige Monate später in der Prioritätenliste zurückgestellt worden war.

Update 13:57 Uhr: Die Arbeiten vor Ort für die Not-Verstärkung an der einsturzgefährdeten Talbrücke Rahmede haben bislang nicht begonnen. Das stellte Susanne Schlenga, Sprecherin der Autobahn GmbH, auf Anfrage klar. Teilnehmer des Spitzengesprächs am Montag im Rathaus gingen davon aus, dass die Arbeiten an der Brücke bereits begonnen hätten. Es sind allerdings nur Vorarbeiten am Schreibtisch, nicht an der Brücke. Mit der Notverstärkung der verbogenen Stahlbleche soll die Brücke so weit instandgesetzt werden, dass die A45 wieder für den Pkw-Verkehr freigegeben werden kann.

„Es laufen die Vorbereitungen. An der Brücke selbst sind die Arbeiter noch mit den Untersuchungen beschäftigt. Erst wenn diese abgeschlossen sind, kann überhaupt ein Statiker mit der Planung beginnen, wo die zusätzlichen Stahlplatten verschraubt werden“, sagte Schlenga. Für die Verstärkungsmaßnahme sind je nach Witterung drei bis vier Monate angesetzt.

Update 8.46 Uhr: Jetzt ist das Thema wirklich ganz oben angekommen, zumindest im Land NRW. Nach NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes am Montag hat sich NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst am Dienstag ein Bild von der Situation rund um die A45-Sperrung wegen Schäden an der Talbrücke Rahmede gemacht. Presse und Öffentlichkeit waren nicht erwünscht. Im Kreishaus traf er mit Regierungspräsident Hans-Josef Vogel, Bürgermeister Sebastian Wagemeyer, SIHK-Präsident Ralf Stoffels und Gastgeber Landrat Marco Voge zusammen. Wüst, noch bis vor wenigen Monaten NRW-Verkehrsminister, will sich für einen schnellen Neubau der Talbrücke Rahmede einsetzen. Zuerst hatte die Westfalenpost berichtet. Derweil hat eine Umfrage unter Unternehmern im MK zur A45-Sperrung die schlimmsten Befürchtungen bestätigt.

Update vom 15. Dezember, 7.32 Uhr: Um die Folgen der A45-Sperrung auf den Umleitungsverkehr im MK zu beraten, kamen am Dienstag im Rathaus in Lüdenscheid Vertreter von Polizei, Feuerwehr und Märkischer Verkehrsgesellschaft (MVG) mit Verkehrsplanern von Stadt und Kreis zusammen. Dabei wurden weitere Problemstellen im Verkehrsnetz identifiziert, die für Stau, Gefahr und Behinderungen sorgen.

A45-Sperrung bei Lüdenscheid: Ausweichstrecken überlastet

So ist der Hemecker Weg als Verbindungstraße zwischen Altena und Rosmart überlastet. Auf der B54 in Schalksmühle besteht die latente Gefahr, dass sich Sattelschlepper an den vergleichsweise niedrigen Brücken auf der Strecke festfahren. Hier soll die zulässige Durchfahrtshöhe besser ausgeschildert werden.

Auf Stadtgebiet von Lüdenscheid ist die Brüderstraße als Parallelachse zur Lennestraße den Verkehrsmassen nicht gewachsen. Tempomessungen der Polizei ergaben zudem, dass dort jeder Zehnte zu schnell unterwegs ist. Auf anderen Nebenstrecken sieht es ähnlich aus. So wird die verkehrsberuhigte Straße Im Olpendahl von einigen Navigationsgeräten als Ausweichstrecke ausgewiesen. Bei Radarkontrollen der Polizei kamen die Tagesschnellsten aus Wilhelmshaven, Bocholt, Offenbach und Lettland.

NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes und Landrat Marco Voge machten sich am Montag vor Ort ein Bild von der Talbrücke und dem Stau auf der Altenaer Straße. An der Brücke laufen die Untersuchungen der Stahlträger weiter (im Hintergrund).
NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes und Landrat Marco Voge machten sich am Montag vor Ort ein Bild von der Talbrücke und dem Stau auf der Altenaer Straße. © Alexander Bange/Märkischer Kreis

Ortskundige kürzen unter anderem über den Dickenberg ab. Auf dem Rathmecker Weg wurden am Montag von der Polizei in fünf Stunden 1 400 Fahrzeuge gezählt. Davon waren 99 zu schnell. Elf Fahrern droht ein Fahrverbot. Der Tagesschnellste wurde in der 30er-Zone mit 61 km/h geblitzt, also doppelt so schnell wie erlaubt.

Eine Reihe von Vorschlägen wollen die Verkehrsplaner nun mit dem zuständigen Landesbetrieb Straßen.NRW abstimmen. Unter anderem soll erörtert werden, ob eine zusätzliche Ampel an der Kreuzung Im Grund/Altenaer Straße Entlastung bringt. Auch am Mittwochmorgen gab es wieder Stau an der Altenaer Straße vor der Kreuzung.

Update 17.16 Uhr: Die Stadt Lüdenscheid setzt bei der Verbesserung der Verkehrssitutaion – insbesondere auf den Umleitungsstrecken sowie auf den besonders belasteten Straßen – auf die Mithilfe der Bürger. „Auf den unterschiedlichsten Wegen haben die Lüdenscheiderinnen und Lüdenscheider in den vergangenen Tagen Kontakt mit der Verwaltung aufgenommen. Per E-Mail, über den städtischen Facebook-Kanal, telefonisch oder persönlich“, heißt es aus dem Lüdenscheider Rathaus.

Um die zahlreichen Anregungen, aber auch die Meldungen von Verkehrsproblemen möglichst zentral zu bündeln, hat die Stadt nun eine E-Mail-Adresse eingerichtet. Unter sperrungA45@luedenscheid.de können alle Hinweise in Sachen Verkehr gemeldet werden. Sie werden dann im Fachdienst Verkehrsplanung und -lenkung ausgewertet, kündigt die Stadt an.

Update 11.25 Uhr: Noch mindestens drei Monate rollen die Verkehrsmassen durch die Stadt, dann soll die notverstärkte Talbrücke für den Pkw-Verkehr wieder freigegeben werden und für eine Teil-Entlastung sorgen. Die Lkw werden aber nach jetzigem Stand weiter die Umleitungen verstopfen. Daher forderte Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer in dem Treffen im Rathaus kreative Lösungen, um den überregionalen Lkw-Verkehr aus der Stadt herauszuhalten. Auf seine Anregung hin wird nun geprüft, ob ein Anliegerverkehr für Lüdenscheid möglich ist. Lkw, die kein Anliegen haben, könnten dann eine Maut zahlen. Dazu könnten Speditionen mit einem lokalen Anliegen Einfahrtsgenehmigungen ihrer Lkw für Lüdenscheid erhalten. Anschließend werden die Kennzeichen erfasst. Wer kein Anliegen hat, muss umkehren oder eine hohe Maut bezahlen, erklärt Wagemeyer.

Update vom 14. Dezember, 7.17 Uhr: Die Änderungen auf den Umleitungsstrecken führen zu neuen Verkehrsproblemen auf Lüdenscheider Stadtgebiet - diesmal nicht für den Durchgangsverkehr, sondern für die Einheimischen und Pendler, die aus Richtung Altena nach Lüdenscheid fahren. Zwar floss der Verkehr auf den Umleitungsstrecken am Montag und auch Dienstagmorgen zeitweise etwas besser, gleichzeitig sorgten Ampeln und Vorfahrtsregelungen für neue Staus, unter anderem auf der Altenaer Straße.

Dort war die Umleitungsstrecke Im Grund zur Vorfahrtsstraße gemacht worden. Der Verkehr aus der Altenaer Straße in Fahrtrichtung Innenstadt wird nun an der Ecke Im Grund gestoppt. Autos und Lkw müssen sich zwischen die engen Lücken quetschen, die sich im Durchgangsverkehr bieten. Ein schwieriges und teilweise sehr gefährliches Manöver. Auch am Dienstagmorgen befand sich der längste Stau auf Lüdenscheider Stadtgebiet auf der Altenaer Straße in Richtung Innenstadt. Bereits heute setzen sich Verkehrsexperten von Landesbetrieb, Autobahn GmbH, Kreis und Stadt wieder zusammen, um den Umleitungsverkehr in Lüdenscheid noch einmal zu optimieren.

Praktisch kein Durchkommen gibt es auf der Altenaer Straße in Fahrtrichtung Innenstadt.
Praktisch kein Durchkommen gibt es auf der Altenaer Straße in Fahrtrichtung Innenstadt. © Cedric Nougrigat

Update 20.28 Uhr: Beim Spitzengespräch im Lüdenscheider Rathaus forderten Verkehrsexperten und Politiker mehr Tempo in den Planungsverfahren. Der Neubau der Talbrücke Rahmede soll dabei zur Blaupause für viele Ersatzbauten von dringend sanierungsbedürftigen Brücken entlang der Autobahnen in NRW werden. „Es herrschte Einigkeit im Raum: Wir wollen so schnell wie möglich eine neue Brücke bauen“, sagte NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes. Es werde „weder am Personal noch am Geld scheitern“. Dabei berief sie sich auf Zusagen des Bundesverkehrsministeriums, das mit Gerhard Rühmkorf einen hochrangigen Beamten nach Lüdenscheid entsandte. „Der Ernst der Lage ist allen Beteiligten bewusst“, betonte Brandes.

NRW hatte bereits 2020 eine Bundesratsinitiative für die Beschleunigung von Planungsverfahren bei Infrastrukturprojekten gestartet. In der Runde am Montag herrschte allerdings Einigkeit darüber, dass auch mit der bestehenden Gesetzgebung auf ein langwieriges Planfeststellungsverfahren verzichtet werden kann – bei Verweis auf die dramatischen Auswirkungen auf Menschen und Wirtschaft in der Region. „Wenn nach der Flutkatastrophe eine weggespülte Brücke durch einen Neubau ersetzt werden muss, geht das auch ohne Planfeststellungsverfahren“, sagte der Arnsberger Regierungspräsident Hans-Josef Vogel gegenüber unserer Zeitung. Die neue Rahmedetalbrücke werde ebenfalls an derselben Stelle errichtet wie die alte.

Verkehrsministerin Brandes sagte den von der A45-Sperrung betroffenen Unternehmen sowie Anwohnern finanzielle Hilfen zu. Als weiterer Meilenstein gilt die beschlossene Einrichtung einer Task-Force für den Bau der Talbrücke unter Beteiligung der lokalen Politik und der Wirtschaft. Vorbild ist dabei die Task-Force für die Tesla-Gigafactory in Brandenburg. Der E-Autobauer hat inzwischen die Produktion aufgenommen – zwei Jahre nach dem Baustart.

Update 16.50 Uhr: Marco Voge, Landrat Märkischer Kreis, gab ebenfalls eine Statement vor dem Rathaus in Lüdenscheid ab: „Ich möchte auch noch einmal die Wichtigkeit der Situation betonen. Wir haben im Kreistag letzte Woche einstimmig eine Resolution verabschiedet. Wir wollen als Region nur noch gemeinsam voranschreiten. Das möchte ich anhand von drei Punkten illustrieren. Wir haben mit der Sperrung der A45 einen verkehrspolitischen Infarkt erlebt. Viele Arbeitsplätze hängen im Märkischen Kreis, aber auch darüber hinaus, davon ab. Wir haben nach wie vor Corona. Wir haben aber auch am 14. und 15. Juli ein Hochwasser und ein Starkregenereignis in dieser Region gehabt, das uns sehr gebeutelt hat. Die Folgen sehen wir noch heute – was unter anderem die Umleitungen erschwert. Der dritte Punkt ist, wenn wir es jetzt nicht gemeinsam hinbekommen, müssten wir für den Märkischen Kreis bald den Notstand ausrufen, denn das wäre das Ende der Wirtschaftsregion Südwestfalen. Darum bin ich froh um die Reduzierung und möglicherweise sogar den Verzicht auf die gesetzlichen Verfahren und wir so nicht über acht bis zehn Jahre, sonder zwei bis vier Jahre sprechen.

IHK-Präsident Ralf Stoffels bestätigte, dass man sich auf ein Zeil von zwei bis vier Jahren für den Neubau der Talbrücke Rahmede geeinigt habe. Wörtlich sagte er vor Medienvertretern: „Wir sind hier in der Industrieregion Nummer eins in NRW, Nummer drei in ganz Deutschland. Wenn hier die Zulieferungen ins Stottern geraten, leidet die gesamte Automobilindustrie. Das würde die gesamtdeutsche Wirtschaft beeinflussen und muss verhindert werden. Frau Sauerwein-Braksiek und Frau Brandes haben ein unternehmerisch-pragmatisches Handeln zugesichert. Die Idee ist, Genehmigungs- und Planungsverfahren und wenn möglich bereits erste Schritte im Bau parallel abzuarbeiten. Wir müssen den Ehrgeiz entwickeln, die zwei bis vier Jahre, auf die wir uns geeinigt haben, auch einzuhalten. Das muss möglich sein – auch wenn man betonen muss, dass so etwas normalerweise acht bis zehn Jahre dauert.“

Update 16.49 Uhr: Ina Brandes äußerte sich auf Nachfragen von Journalisten: „Das Verfahren, was wir hier angestoßen haben ist eine Blaupause für das weitere Vorgehen in NRW. Es muss uns gelingen, deutlich schneller und effizienter in Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozessen zu werden. Aber die Infrastruktur in NRW verträgt nur eine gewisse Zahl an Baustellen gleichzeitig. Auch wenn wir mit hoher Priorität daran arbeiten, so viel wie möglich in Stand zu setzen, aber es muss zu jeder Zeit ein vernünftiger Verkehrsfluss gewährleistet sein.“

Brandes weiter auf die Frage, was konkret für Lüdenscheid getan wird: „Für Lüdenscheid konkret liegt der Schwerpunkt auf der Organisation des Umleitungsverkehr um schon diese und nächste Woche ganz konkret für Entlastung zu sorgen. Weiterhin braucht es eine finanzielle Entschädigung für die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Unternehmen. Dafür werde ich mich persönlich beim Bund, beim Bundeswirtschaftsminister und meinen Kabinettskollegen einsetzen. Zu den Wettbewerbsnachteilen gab es auch einen Austausch mit der IHK, wir erwarten in Kürze weitere Informationen, wie eine solche Unterstützung konkret aussehen kann.“

Update 16.42 Uhr: Neben mehreren Landtags- und Bundestagsabgeordneten nahm am Spitzengespräch in Lüdenscheid auch der ehemalige NRW-Verkehrsminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) in seiner Funktion als verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion teil.

Update 16.39 Uhr: Das ist das Statement von Sebastian Wagemeyer, Bürgermeister von Lüdenscheid, im Wortlaut: „ Ich bin Frau Sauerwein-Braksiek und Frau Brandes sehr dankbar dafür, dass sie den Weg in das Lüdenscheider Rathaus gefunden haben – ich halte das für ein sehr wichtiges Signal für die Region. Der Wille, an einem Strang zu ziehen, war deutlich erkennbar. Zwei Aspekte möchte ich betonen. Einerseits die Durchtrennung der Hauptlebensader einer ganzen Industrieregion. Die Auswirkungen für die Unternehmen vor Ort sind dramatisch, insbesondere in Lüdenscheid. Exemplarisch möchte ich die Lennestraße nennen, wo Menschen vor einer Situation stehen, die gesundheitsgefährdend ist, die ihnen den Schlaf raubt. Es ist zwingend notwendig, dafür Lösungen zu finden. Alle Beteiligten sind bereit jetzt etwas zu tun, Geld und Personal spielen dabei keine Rolle. Wir werden in kurzen Taktungen zusammen kommen, um die Situation für alle zu entschärfen.“

Update 15.05 Uhr: Das Statement von Verkehrsministerin Ina Brandes im Wortlaut: „Es war ein sehr konstruktives Gespräch. Mir war es wichtig, persönlich her zu kommen und mir ein Bild zu machen. Im Anschluss an dieses Gespräch werde ich noch selbst zur Brücke fahren. Es war aber auch wichtig, mit lokalen Vertretern der Politik und Wirtschaft zusammen zu kommen. Wir haben vor allem die verkehrliche Situation besprochen und wie wir so einerseits so schnell wie möglich Entlastung auf den Umleitungsstrecken schaffen können, andererseits die Reparaturen der Brücke voran treiben können, damit der Pkw-Verkehr dort in drei bis vier Monaten wieder fahren kann. Auch der Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozess der neuen Brücke war ein Thema. Wir wollen dabei so schnell sein, wie wir nur können. Dabei herrschte Einigkeit im Raum: Wir wollen so schnell wie möglich eine neue Brücke bauen. Es wird weder am Personal noch am Geld scheitern. Das hat uns auch das Bundeministerium für Digitales und Verkehr zugesagt. Alles was getan werden kann, wird getan. Der Ernst der Lage ist allen Beteiligten mehr als bewusst. Für den Kreis wird es eine Task-Force geben für den Planungs- und Genehmigungsprozess unter Einbeziehung der lokalen Politik und Wirtschaft. Die Akteure dieser Gesprächsrunde werden sich regelmäßig austauschen, sodass es ein sehr transparenter, schneller und entzerrter Prozess wird.“

Ina Brandes (Mitte) und Elfriede Sauerwein-Braksiek treten vor dem Lüdenscheider Rathaus vor die Presse.
Ina Brandes (Mitte) und Elfriede Sauerwein-Braksiek treten vor dem Lüdenscheider Rathaus vor die Presse. © Cedric Nougrigat

Update 14.51 Uhr: Das Spitzengespräch im Lüdenscheider Rathaus ist vorbei. Die Botschaft: Bund, Land, Autobahn GmbH und Stadt sind sich in dem Wunsch einig, dass die neue Talbrücke in zwei bis vier Jahren stehen soll. Dafür werden Verfahren parallel laufen und überall - wo es möglich ist - beschleunigt werden. „Man hat uns signalisiert: Geld und Personal wird keine Rolle spielen“, sagte Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer und lobte die konstruktive Atmosphäre der Gespräche. Der Ernst der Lage sei erkannt worden. Verkehrsministerin Ina Brandes sagte, die neue Brücke soll so schnell wie irgend möglich kommen.

Bis die neue Brücke steht, soll eine Task Force zur A45-Sperrung anstehende Probleme schnell und in Abstimmung lösen. Bund und Land sagten zudem finanzielle Hilfen zu, für betroffene Unternehmen und Anwohner. Wie genau das Geld fließen soll, wird in den nächsten Tagen besprochen. Die Umleitungen sollen weiter optimiert werden. Geprüft wird zudem, ob ein Anliegerverkehr für Lüdenscheid (insbesondere für Lkw) möglich ist. Wer kein Anlieger ist, könnte dann eine Maut zahlen.

Update 14:47 Uhr: Schnelle und unbürokratische Wege einzuschlagen, um die Region schnell zu entlasten, darauf einigten sich heute Vertreter von Politik und Verwaltung bei einem „Spitzentreffen“ zur A45-Talbrücke Rahmede im Rathaus der Stadt Lüdenscheid. So zieht der Märkische Kreis - vertreten durch Landrat Marco Voge - in einer aktuellen Mitteilung Bilanz des Treffens.

Ina Brandes, Verkehrsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, sagte: „Die Sauerlandlinie ist eine Lebensader für Südwestfalen und für Nordrhein-Westfalen. Das Land setzt sich mit ganzer Kraft dafür ein, die Mobilität in der Region besser und sicherer zu machen. Wir müssen jetzt drei Dinge tun: Erstens muss die Brücke schnell wieder für den PKW-Verkehr flottgemacht werden. Zweitens muss der Verkehrsfluss auf den Umleitungsstrecken weiter verbessert werden. Drittens muss der Ersatzneubau der Brücke beschleunigt werden. Wir setzen uns deshalb beim Bund dafür ein, dass zukünftig solche reinen Ersatzbauwerke ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und erneute Planfeststellung realisiert werden. Damit sind wir Jahre schneller. Meinen herzlichen Dank an alle Gesprächspartner heute in Lüdenscheid für den wichtigen und notwendigen Austausch.“

Landrat Marco Voge ergänzte: „Es droht der Verlust Tausender Arbeitsplätze. Deshalb ist es im ersten Schritt immens wichtig, die Brücke statisch so schnell es geht zu ertüchtigen. Anwohner müssen entlastet werden, Ein- und Auspendler schnellstmöglich eine Perspektive aufgezeigt bekommen. Deshalb müsse dem Neubau der Rahmedetalbrücke höchste Priorität eingeräumt werden.

Gerhard Rühmkorf aus dem Bundesverkehrsministerium sagte: „Der schnellen Schadensbehebung, der beschleunigten Planung und Herstellung des Ersatzbauwerks und der sicheren Führung des Umleitungsverkehrs misst das Bundesministerium für Digitales und Verkehr höchste Bedeutung bei. Die Wiederherstellung der verkehrswichtigen Sauerlandlinie liegt bei der Autobahn GmbH des Bundes in guten Händen und wird auch seitens des Ministeriums begleitet werden. Die Mittel für die erforderlichen Maßnahmen stehen bereit.“

„Wir muten der Region im Moment zu viel zu“, sagt Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Autobahn GmbH, laut Mitteilung. In etwa drei Monaten wolle man die alte Brücke zumindest soweit verstärkt haben, damit PKW wieder darüberfahren können. „Dann wären die Umleitungsstrecken zumindest schonmal zahlenmäßig weniger belastet“. Ähnlich gebaute Brücken der A45 würden derzeit neben den üblichen Kontrollen zusätzlich auf Schäden untersucht. „Mit der Laserscan-Methode sehen wir mehr als mit dem bloßen Auge.“ Die Autobahn Westfalen wolle in den nächsten Jahren das Planungs- und Baumanagement bei der A45 und seiner 60 Talbrücken weiter verbessern. „Wir wollen schnell planen und bauen, und nutzen dabei auch die Ideen der Bauwirtschaft“, sagte Sauerwein-Braksiek.
 

Update 13.16 Uhr: Das für 13 Uhr angekündigte Statement der NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes verzögert sich um etwa 30 Minuten.

Update 11.52 Uhr: NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes ist in Lüdenscheid pünktlich eingetroffen. Das Krisengespräch soll um 12 Uhr beginnen. Es findet nicht-öffentlich statt. Anschließend ist ein Statement angekündigt.

Update 11.30 Uhr: Die Sperrung der A45 bei Lüdenscheid und der marode Zustand der Talbrücke Rahmede sowie weiterer Brücken entlang der Sauerlandlinie sind am Montagmittag Themen des Krisengipfels im Lüdenscheider Rathaus. Dabei soll auch über eine konkrete Perspektive für Anwohner, Pendler und Unternehmen für die nächsten Monate gesprochen werden. Wie berichtet, bleibt die Talbrücke mindestens drei Monate gesperrt. Zudem wollen die hochrangigen Gesprächspartner Möglichkeiten ausloten, wie der Neubau der Talbrücke Rahmede beschleunigt werden kann.

Verkehrsministerin Ina Brandes (links) unterhält sich mit Landrat Marco Voge und dem Regierungspräsidenten Hans-Josef Vogel.
Verkehrsministerin Ina Brandes (links) unterhält sich vor Beginn der Sitzung mit Landrat Marco Voge und dem Regierungspräsidenten Hans-Josef Vogel. © Malte Cilsik

Neben der Direktorin der Autobahn GmbH Westfalen, Elfriede Sauerwein-Braksiek, kommt auch NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes (CDU) nach Lüdenscheid zum sogenannten Spitzengespräch. Landrat Marco Voge, Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer sowie Vertreter von Straßen.NRW und des Bundesverkehrsministerium vervollständigen die Runde, die sich ab 12 Uhr hinter verschlossenen Türen etwa eine Stunde Zeit für den Austausch nehmen will, bevor sie gegen 13 Uhr eine Erklärung abgeben soll.

A45-Sperrung: Krisengipfel mit NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes

Im Vorfeld der Veranstaltung in Lüdenscheid hatte Brandes bei der Verkehrsministerkonferenz Ende der Woche schnellere Planungs-, Genehmigungs- und Bauverfahren angemahnt, insbesondere bei der Realisierung von Autobahnbrücken. Eine Blaupause für eine neue Regelung zur Modernisierung von Bundesfernstraßen und Brücken wie an der A45 bei Lüdenscheid könne das „Infrastrukturpaket II“ sein, „das wir in diesem Jahr in den Landtag eingebracht haben, um auf Landesebene für mehr Tempo bei Planung, Genehmigung und Bau von Straßen und Brücken zu sorgen“, sagte die NRW-Verkehrsministerin am Freitag. Sie werde bei der neuen Bundesregierung am Beispiel der A45 eine Reform für Ersatzneubauten anstoßen. Der Bund habe umfassende Unterstützung zugesichert, sagte Brandes auf der Facebook-Seite des NRW-Verkehrsministeriums.

Unter anderem geht es darum, die derzeit verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung, die unter anderem eine Kartierung über eine gesamte Vegetationsperiode hinweg vorsieht, zu verkürzen oder bei Ersatzbauten ganz zu streichen. Klagen unter anderem von Umweltverbänden gelten als wahrscheinlich.

Update vom 13. Dezember, 7.27 Uhr: Die neue Verkehrsführung auf den Umleitungsstrecken in Lüdenscheid hat dafür gesorgt, dass der Stau von den innerstädtischen Straßen auf die A45 verlagert wurde - zumindest in Fahrtrichtung Frankfurt. Im Berufsverkehr stehen die Autos und Lkw am Morgen auf etwa 2 Kilometern vor der Anschlussstelle Lüdenscheid-Nord. Dort regelt seit dem Wochenende eine Pförtner-Ampel den Zufluss aufs Stadtgebiet.

Für die zwei Kilometer Stau auf der Autobahn wird derzeit eine Wartezeit von rund 45 Minuten angegeben. Vor der Abfahrt Lüdenscheid (in Fahrtrichtung Dortmund) müssen Autofahrer etwa 15 Minuten mehr einplanen. Auf den innerstädtischen Umleitungsstrecken ist die Belastung an einigen Stellen immer noch groß (zum Beispiel Lennestraße), aber nach ersten Eindrücken etwas weniger stark als in der Vorwoche.

Update vom Sonntag, 18.17 Uhr: Wie angekündigt wurde die Verkehrsführung in Lüdenscheid am Wochenende optimiert. Die Pförtner-Ampel an der Anschlussstelle Lüdenscheid-Nord regelt nun den Zufluss auf Lüdenscheider Stadtgebiet. Auf der Umleitungsstrecke wurde die Straße Im Grund zur Vorfahrtsstraße umgewidmet. Am Wochenende war daraufhin eine merkliche Entspannung auf den Umleitungen in Lüdenscheid zu spüren. Seine Feuerprobe muss das neue Konzept im Berufsverkehr am Montagmorgen bestehen.

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