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A45-Sperrung wegen Talbrücke Rahmede: Neubau immer wieder verschoben - seit 2014

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Von: Jan Schmitz

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Nach der sofortigen Sperrung der A45 bei Lüdenscheid wegen Brückenschäden ist klar: Um einen schnellstmöglichen Neubau der beschädigten Talbrücke Rahmede kommt die Autobahn GmbH nach den jüngsten Entwicklungen nicht herum. Die Chronologie der Versäumnisse. Jetzt ist es zu spät.

Dass die Talbrücke Rahmede an der A45 zwischen den Anschlussstellen Lüdenscheid und Lüdenscheid-Nord „eines unserer größten Sorgenkinder“ ist, wie es der damalige Projektgruppenleiter von Straßen.NRW Karl-Hermann Metz im Jahr 2016 sagte, ist lange bekannt. Spätestens 2025 sei die Brücke nicht mehr leistungsfähig, sagte er im September 2016 im Verkehrsausschuss der Stadt Lüdenscheid, als er die Pläne für den Neubau der Talbrücke Rahmede vorstellte. Geplanter Neubaubeginn damals: 2019. Veranschlagte Bauzeit: vier Jahre.

AutobahnA45
Länge257 km
BundeslandNordrhein-Westfalen; Hessen; Bayern

Gesperrte Talbrücke Rahmede: Beschluss zum Neubau bereits 2014 getroffen

Es war nicht die erste derartige Ankündigung vom damals zuständigen Landesbetrieb Straßen.NRW. Ein Jahr zuvor - im Jahr 2015 - sollte der Neubau im Jahr 2018 beginnen und drei Jahre dauern. Der Beschluss zum Neubau liegt schon seit 2014 vor. 43,5 Millionen Euro wurden damals dafür kalkuliert.

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums von 2015 war der Baubeginn für die neue Talbrücke Rahmede ursprünglich sogar für 2017 vorgesehen. 2015 wurde die Planungsleistung vergeben. Weil die Tragfähigkeit der Brücke auch damals kritisch gesehen wurde – die Brücke hatte bei der Hauptprüfung 2011 eine Zustandsnote 3,0 („nicht ausreichend“) – sollte zunächst eine Adhoc-Instandssetzung durchgeführt werden. Dabei wären die jetzt verformten Stahlelemente verstärkt worden. Dauer der Maßnahme: etwa ein Jahr. Kosten: 18,67 Millionen Euro.

Die Untersuchungen an der Talbrücke Rahmede liefen auch am Dienstag noch unvermindert weiter.
Die Untersuchungen an der Talbrücke Rahmede liefen auch am Dienstag noch unvermindert weiter. © Cedric Nougrigat

Doch dazu kam es nicht: „Die Adhoc-Instandsetzung ist nicht durchgeführt worden, sondern es gab damals zunächst die entsprechenden Untersuchungen. Eine Verstärkung hätte sich als sehr komplex dargestellt und hätte auch nicht die gewünschten Ergebnisse geliefert. Man hat sich auch aus Wirtschaftlichkeitsgründen gegen eine solche Maßnahme entschieden“, antwortete die Autobahn GmbH am Montag.

A45-Sperrung: Geplante Adhoc-Instandsetzung fiel aus - wegen des Neubaus, der nie kam

Ein weiterer Grund war der der bereits beschlossene Neubau, der 2017 beginnen sollte. Bis zur Fertigstellung wollte die damals noch zuständige Behörde Straßen.NRW die Tragfähigkeit durch eine Fahrstreifeneinengung, ein Lkw-Überholverbot, ein Tempolimit (Pkw: 80 km/h/Lkw: 60 km/h) und ein Abstandsgebot von 50 Metern für Lkw auf der Brücke sichern.

Bemerkenswert: Elfriede Sauerwein-Braksiek, damals zuständige Direktorin des Landesbetriebs Straßen.NRW, heute zuständige Direktorin der Autobahn GmbH Westfalen, nannte am Freitag nach der A45-Sperrung als eine mögliche Adhoc-Maßnahme die Verstärkung der geschädigten Stahl-Elemente – also die Maßnahme, der vor etwa fünf Jahren aus Kostengründen verworfen wurde.

A45-Talbrücke Rahmede: Nachrechnung „entbehrlich“ trotz nicht ausreichendem Zustand

Und es kommt noch dicker: Zwar wurde der Talbrücke Rahmede bei der Brückenhauptprüfung 2017 wieder ein „nicht ausreichender Zustand“ attestiert (Zustandsnote: 3,0), dennoch unterblieb die sogenannte Nachrechnung. Bei der Nachrechnung wird die Tragfähigkeit der Brücke mit der aktuellen, meist steigenden Verkehrsmenge abgeglichen, um – falls notwendig – Unterstützungsmaßnahmen zu ergreifen.

Wie an anderer Stelle in Lüdenscheid. Für die weitere A45-Talbrücken – Schlittenbach und Kattenbusch – wurden diese Nachrechnungen durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass die Brücken wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens verstärkt werden müssen. Im Februar 2021 wurden Stahlseile zwischen den Brückenpfeilern auf Spannung gebracht, um die Tragfähigkeit zu erhöhen. Knapp drei Millionen Euro wurden investiert. 

Plötzlich keine Priorität mehr: Das größte „Sorgenkind“ bleibt unversorgt

Nach Angaben des Bundesverkehrsministerium von 2019 war bei der Talbrücke Rahmede die „Nachrechnung entbehrlich“, weil „Ertüchtigungsmaßnahmen ohne Nachrechnung geplant“ waren – also der Neubau. Zu diesem Zeitpunkt hatte Straßen.NRW allerdings bereits Fakten geschaffen und die Talbrücke Rahmede in der Prioritätenliste von ganz vorne nach hinten verschoben. Dass das ein Fehler war, hatte die Direktorin Sauerwein-Braksiek bereits am Freitag eingeräumt.

Warum die Rahmede-Talbrücke in der Priorität nach hinten gerutscht ist, ist nicht ganz klar. Eine Antwort, welche Bauwerke stattdessen vorgezogen wurden, blieb die nun zuständige Autobahn GmbH zunächst schuldig. Der Baubeginn für die neue Talbrücke Rahmede wurde daraufhin von 2017 zwischenzeitlich auf 2026 terminiert. Jetzt soll es deutlich schneller gehen - weil Gefahr im Verzug ist.

Der größte Fehler in der Chronologie der Versäumnisse: Mit Verweis auf die ohnehin geplante Neubaumaßnahme wurde 2015 die Adhoc-Instandsetzung nicht durchgeführt. Als der Neubau 2017 zurückgestellt wurde, blieb die eigentlich nun fällige Adhoc-Instandsetzung aus. Jetzt könnte es doch zur Adhoc-Verstärkung der Brücke kommen, damit der Verkehr zumindest bis zur Fertigstellung des Neubaus auf der Talbrücke Rahmede wieder fließen kann.

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