Wehen auf der Autobahn

Schwangere durch A45-Vollsperrung in den Kreißsaal eskortiert - die Familie berichtet

Eduard und Kristina Beese Baby Autobahn Lüdenscheid
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Die glücklichen Eltern Eduard und Kristina Beese mit Tochter Anna (vorne). Weiter auf dem Foto sind der bei der Geburt anwesende Assistenzarzt Omar Daradkeh, die Hebamme Gülce Sultannur und die stellvertretende Leiterin der Hebammen Anja Thiemeyer.

Weil eine Schwangere in den Wehen im Stau auf der A45 stand, eskortierte die Polizei sie kurzerhand in den Kreißsaal. So hat die Familie das Ganze erlebt.

Lüdenscheid/Kreis Olpe - Ein Notruf der besonderen Art erreichte um 15 Uhr am Samstagnachmittag die Polizei Dortmund. Eduard und Kristina Bese aus dem Kreis Olpe standen im Stau auf der gesperrten A45 – und Kristina lag in den Wehen. Zu diesem Zeitpunkt wollte die hochschwangere Frau längst im Klinikum Lüdenscheid sein.

AutobahnA45
Länge257 km
BundesländerNRW, Hessen, Bayern

A45: Schwangere durch Vollsperrung eskortiert - die Familie berichtet

Schon am Morgen verspürte die 30-jährige Friseurin erste Wehen – rund zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Um 13 Uhr weckte sie ihren Mann, der sich nach einer Nachtschicht schlafen gelegt hatte. „Trotz aller Müdigkeit war ich sofort wieder hellwach. Es war Adrenalin pur“, erinnert sich Eduard Bese. Sofort sprang der Zerspanungsmechaniker mit seiner fünfjährigen Tochter Alissa und seinem siebenjährigen Sohn Kirill ins Auto und wartete abfahrbereit vor dem Haus. Und das ziemlich lange. „Ich begann schon damit, mir ernsthafte Sorgen zu machen. Dann kam Kristina endlich aus dem Haus. Sie konnte nur noch langsam gehen. Ich wusste sofort: Jetzt muss es schnell gehen.“

Doch weit kam die Familie nicht. Schon einen Kilometer hinter der Auffahrt Drolshagen kamen sie zum Stehen. Ein Verkehrsunfall auf der A 45 bei Meinerzhagen sorgte für Stillstand – und zunehmende Verzweiflung bei Eduard Bese und seiner Frau. „Ich habe sogar überlegt, umzudrehen, aber es waren viel zu viele Autos. Wir haben die Zeit zwischen den Wehen gestoppt. Mittlerweile waren es keine fünf Minuten mehr. Nach 20 Minuten ohne Aussicht auf Besserung habe ich dann den Notruf gewählt.“

Damit sorgte er für einen durchaus ungewöhnlichen Polizeieinsatz. „In meinen zehn Jahren bei der Polizei Dortmund habe ich so etwas noch nicht erlebt. Zwar müssen wir öfter Menschen in Notsituationen aus Staus eskortieren, aber so dringend war es bisher noch nie“, sagt Polizeihauptkommissar Gunnar Wortmann. Denn schon 15 Minuten nachdem ein Streifenteam der Autobahnpolizeiwache Freudenberg die Familie Bese mit Blaulicht und Martinshorn durch die Rettungsgasse zum Klinikum Lüdenscheid gelotst hatte, erblickte die kerngesunde Anna das Licht der Welt.

A45: Polizei eskortiert Schwangere durch Vollsperrung - schnelle Geburt

„Zwischen den Autoreihen zu rangieren, war eine echte Herausforderung. Wir fuhren bis zu 50 km/h. Teilweise haben sich Autofahrer mit Gesten und Hupen beschwert. Sie konnten ja auch nicht ahnen, was bei uns los war“, erinnert sich der inzwischen dreifache Vater.

Polizeioberkommissar Julian W. (37 Jahre) und Polizeikommissar Max P. (26 Jahre) eskortierten die werdenden Eltern durch die Rettungsgasse

In der Notaufnahme angekommen, wurde Kristina Bese gleich auf die Entbindungsstation gebracht. Dort beruhigte die diensthabende Hebamme, die namentlich nicht erwähnt werden möchte, die erhitzten Gemüter. Eine solch schnelle Geburt sei nicht ungewöhnlich und kein Grund zur Sorge. Eduard Bese ist rückblickend sehr dankbar für ihr routiniertes Auftreten: „Der Hebamme gebührt ein besonderer Dank. Sie hat uns viel Stress genommen. Nachdem sich die Ereignisse so überschlugen, war sie ein willkommener Ruhepol.“

So schnell wie die Geschichte begonnen hatte, ging sie auch zu Ende. Assistenzarzt Omar Daradkeh konnte der werdenden Mutter nur noch Blut abnehmen, da war es auch schon so weit. „Ich wollte gerade den Ultraschall holen, da rief mir die Hebamme schon zu, dass der Kopf bereits zu sehen ist. Und keine zehn Minuten später war Anna geboren.“ Auch Daradkeh bestätigt, dass solch schnelle und plötzliche Geburten häufiger vorkommen. Die Ankunft findet er allerdings ebenfalls spektakulär: „Das jemand mit Polizei und Blaulicht in den Kreißsaal kommt, habe ich bisher noch nicht erlebt.“

Mittlerweile befindet sich die Familie Bese wieder wohlbehalten zu Hause. „Kristina und Anna geht es gut. Nach ein paar schlaflosen Nächten können wir nun alle ein wenig Erholung in den eigenen vier Wänden gebrauchen“, sagt Eduard Bese.

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