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Verkehrsminister in Lüdenscheid: „Maximales Tempo“ bei Neubau der A45-Brücke

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Von: Thomas Machatzke

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Acht Monate nach Sperrung der A45-Talbrücke Rahmede besucht Bundesverkehrsminister Volker Wissing Lüdenscheid – und spricht beim Thema Neubau von „maximaler Geschwindigkeit“.

Lüdenscheid/NRW - Acht Monate und neun Tage. Kann man nach einer so langen Zeit zu früh dran sein? Die Lüdenscheider würden dies vielleicht verneinen. Aber Bundesverkehrsminister Volker Wissing schafft es. Für 11 Uhr angekündigt, rollt die schwarze Limousine um exakt 10.50 Uhr auf den Schotterplatz, unweit der laufenden Arbeiten für die Sprengvorbereitung. Die Sonne brennt.

BaumwerkTalbrücke Rahmede
AutobahnA45
StadtLüdenscheid

A45: Minister Wissing an der Talbrücke Rahmede in Lüdenscheid

Neben Bürgermeister Sebastian Wagemeyer und viel hochrangigem Personal der Autobahn GmbH wartet auch eine große Jounalistenschar. Die Fernsehsender sind gekommen, die überregionalen Zeitungen. Wissing an seiner vielleicht größten Baustelle, die er sich so lange aus der Ferne angeschaut hat – das zieht. Es geht um die marode A45-Talbrücke Rahmede, die seit acht Monaten gesperrt ist. Seitdem rollt eine Blechlawine über die Umleitungsstrecken innerhalb Lüdenscheids.

Es sind die typischen Bilder des Kontrastes, wie aus dem PR-Werbekatalog: Der Gast aus Berlin im dunklen Anzug, wie aus dem Ei gepellt auf dem Schotterplatz, hinter ihm die Arbeiter. Wagemeyer und die Autobahn-Vertreter weisen gestenreich auf dieses und jenes Detail in luftiger Höhe hin.

Als sie von der Haselmaus erzählen und den Löchern, die geschlossen wurde, schmunzelt der Minister kurz. Dann geht es weiter zum Neubauplan, der am Dialog-Fahrzeug der Autobahn GmbH hängt. Wissing fragt Elfriede Sauerwein-Braksiek, die Direktorin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH, ob es denn nicht noch schneller gehen könne. Sauerwein-Braksiek schaut kurz irritiert, dann weist sie den Minister daraufhin, dass fünf Jahre für seinen Neubau sehr schnell seien. Aber wenn es am Ende jemand noch schneller schaffe, sei es natürlich auch gut. Zuvor hatte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) dem Bund Verzögerungen beim Neubau der Talbrücke vorgeworfen.

Verkehrsminister Volker Wissing in Lüdenscheid: Thema A45

Der Besuch unter der Brücke ist der Besuch für die Bilder des Tages. Bilder, die über Lüdenscheid hinaus wirken sollen. Der Erkenntnisgewinn bleibt überschaubar. Der Minister hat keine sensationelle Neuigkeit im Gepäck. „Ich bin heute hierher gekommen, um mich über den Abriss, die Sprengung und die Vorbereitungen für den Ersatzneubau für die Brücke zu erkundigen“, gibt er den Journalisten dann noch auf der Baustelle Auskunft, „ich möchte mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen. Die Situation ist extrem schwierig. Ich bin seit meinem Amtsantritt am 8. Dezember mit dieser Brücke in sehr kurzen Abständen regelmäßig befasst. Ich habe sofort Maßnahmen ergriffen, damit das hier mit maximaler Beschleunigung vorangetrieben werden kann. Ich verfolge es mit meinem Stab in Berlin kontinuierlich und bin über alle Details informiert.“

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Bundesminister Dr. Volker Wissing (Mitte) beim Ortstermin mit Sebastian Wagemeyer (rechts) und hochrangigen Vertretern der Autobahn GmbH. © Thomas Machatzke

Heute sei es ihm wichtig, sagt der Minister, zuzuhören und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen: „Ich weiß, wie hart diese Menschen in ihrem Lebensalltag getroffen sind. Wie wichtig es ist, dass wir einander zuhören und alles abwägen, wie wir die Dinge so schnell und gut wie möglich vorantreiben können. Man kann nicht rückwirkend regieren, aber man kann jetzt alles so schnell wie möglich tun, und dazu bin ich fest entschlossen.“

Einer dieser Anwohner ist Ersan Acar. Sein Haus steht direkt unter der Brücke. Was daraus wird? Verkaufen? Ein Ersatzhaus? Die Dinge scheinen ungeklärt – Acar wendet sich direkt an den Minister. Der schaut Sebastian Wagemeyer fragend an? „Wir sind in Gesprächen“, sagt Wagemeyer. Nicht nur in Berlin gehen die Dinge langsam voran.

Wissing zum Brückenbau an der A45: „Mit maximaler Geschwindigkeit“

Ein Journalist fragt nach dem Neubau der Brücke an der Autobahn 45. „Dieser Brückenneubau wird mit maximaler Geschwindigkeit vorangetrieben“, sagt Wissing und widerspricht damit der allgemeinen Wahrnehmung der Lüdenscheider Bürger, „wir nutzen jede Möglichkeit, das Verfahren zu beschleunigen. Ich habe früh eine Steuerungsgruppe eingesetzt, die alle Hinweise und alle Möglichkeiten zur Beschleunigung prüft und unverzüglich umsetzt. Das ist eines der schnellsten Verfahren, das man sich überhaupt nur vorstellen kann.“

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Dr. Volker Wissing und der Blick auf die Neubau-Planungen. © Thomas Machatzke

Man habe auch Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht, sagt Wissing, um den Menschen zu helfen. Ganz konkret habe man das Bundesfernstraßengesetz geändert – die Sache mit den Lärmschutzfenstern...

„Und wir sind hier nicht nur besonders schnell unterwegs, wir lassen hier auch alles parallel laufen, damit nicht der eine Schritt nach dem anderen folgt, sondern alles gleichzeitig erfolgen kann – und wir schon im nächsten Jahr mit den weiteren Schritten beginnen können, die dann den Ersatzneubau vorantreiben.“

Auf eine mögliche Aussetzung der Lkw-Maut angesprochen, bleibt Wissing auch eher unkonkret: „Alle Möglichkeiten, die die Umleitungssituation angehen, werden von uns geprüft und umgesetzt, so weit das möglich ist. Die jetzige Umleitungssituation ist nicht zufriedenstellend, wir wollen deswegen Verbesserungen auf den Weg bringen. Dazu müssen wir aber andere Umleitungsstrecken ertüchtigten, beispielsweise Straßen tiefer legen, damit Lkw unter Brücken hindurchfahren können. Auch diese Dinge sind veranlasst, sodass die jetzige sehr starke Belastung für die Bevölkerung kein Dauerzustand sein soll. Wir nutzen jeden Hinweis, Verbesserungen umsetzen zu können.“

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Ersan Acar, der Minister und im Hintergrund sein Haus an der Altenaer Straße - direkt unter der Brücke. © Thomas Machatzke

Und noch einmal zurück zum Verfahren. Der Sauerländer denkt dieser Tage, dass der Schlüssel zu mehr Tempo in Berlin und bei Gesetzungsänderungen liegen könnte. Die FDP ist ja genau dafür angetreten im Bundestagswahlkampf. Also noch einmal konkret: Was ist geprüft worden? Wissing weicht aus: „Zunächst einmal war mir wichtig, dass wir die Sprengung der Brücke im Dezember in Angriff nehmen. Ein Rückbau hätte länger gedauert, deshalb ist es ein erster Schritt, dass die Brücke gesprengt werden kann. Jetzt möchte ich, dass die Sprengung vor Weihnachten durchgeführt wird. Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen. Daneben sollten wir die Zeit nutzen, um die Umweltbelange zu berücksichtigen und die Dinge auf den Weg zu bringen. Und dann werden wir, was für so ein großes Bauwerk auch ein neuer Schritt ist, eine funktionale Ausschreibung machen: Bauplanung und Umsetzung werden in einer Hand sein, das bringt Synergieeffekte. So können von dieser Firma dann auch Beschleunigungsmöglichkeiten ganz konkret umgesetzt werden.“

Parallel habe er, so Wissing, weil ihm die Kommunikation mit den Menschen sehr wichtig ist, einen Bürgerbeauftragten eingesetzt. „Ich bin Herrn Wagemeyer sehr dankbar, dass er diese Aufgabe übernommen hat“, sagt er und ergänzt, „außerdem ist die Steuerungsgruppe, die in sehr kurzen Abständen tagt, ein wichtiger Beitrag zur Beschleunigung.“

Und so bleibt der Eindruck, dass der Bundesminister und die Sauerländer einen sehr unterschiedlichen Blick auf Beschleunigung und maximale Tempi haben. Vom Ortstermin auf der Baustelle soll es weitergehen für Wissing ins Rathaus und später ins Stadtwerke-Haus. Es wird ein langer Tag werden, aber den Anfang in der gleißenden Sonne, den hat der Minister schon einmal geschafft.

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